Von Tadano ausgelagerte GmbH ist nicht wirtschaftlich

Schlechte Aussichten für Stahlbau

Bei Tadano Faun in Lauf – hier die Produktion – sollen künftig vor allem Unterwagen gefertigt werden. | Foto: PZ-Archiv/Braun2021/04/faun-tadano-fertigung-produktionsstrasse2-scaled.jpg

LAUF / ZWEIBRÜCKEN – Das Amtsgericht Zweibrücken hat am Mittwoch dieser Woche die beiden deutschen Töchter des japanischen Kranbauers Tadano aus dem Schutzschirm entlassen. Damit hat die Geschäftsführung unter Jens Ennen ihr Ziel erreicht: Ende des ersten Quartals 2021 das Insolvenz­verfahren in Eigenverwaltung beenden zu können. Es war im Herbst vergangenen Jahres wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beantragt worden. Bereits im Februar hatten die Gläubiger einem Sanierungsplan zugestimmt, zu dem am Standort Lauf auch der Abbau von 114 Stellen gehört (wir berichteten).

Während sich Ennen freut, dass der Konzern nun „stark und wettbewerbsfähig aufgestellt“ ist, dürfte die Euphorie bei den 27 Beschäftigten der Tadano Faun Stahlbau GmbH gedämpft sein. Auch sie werden wahrscheinlich ihre Jobs verlieren. Die kleine Laufer Stahlbau-Einheit, vor über zehn Jahren aus dem Unternehmen ausgegliedert, hat ebenfalls ­Insolvenz angemeldet, und zwar schon Ende Februar.

Abwicklung steht fest

Die Stahlbau GmbH, sagt der Nürnberger IG-Metall-Sekretär Harry Schreyer, werde abgewickelt, „das ist ziemlich sicher, es geht nur um die Bedingungen“. Die Verhandlungen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter liefen. Es handelt sich um den durch die Schlecker- und Karstadt-Insolvenz­verfahren bekannten Arndt Geiwitz, der bereits Sachwalter bei Tadano Faun und Tadano Demag war.

„Nicht überlebensfähig“ lautete Anfang März das Urteil des Tadano-Personalchefs Frank Schättle über das Laufer Mini-Unternehmen. Gegenüber der Pegnitz-Zeitung erklärt Anne Steeb, Sprecherin der deutschen Tadano-Töchter, dass die Stahlbau GmbH seit Jahren nicht wirtschaftlich sei. Zu ihrer Rettung sei „eine Kapitalspritze von einer Million Euro“ notwendig, das sei derzeit „nicht zu machen“, zumal mittelfristig weiterhin Zuschussbedarf bestehe.

Ob die 27 Mitarbeiter auch auf zeitweise Weiterbeschäftigung in einer Transfergesellschaft und auf Abfindungen hoffen dürfen, so wie ihre Kollegen in den größeren GmbHs? Steeb verweist auf den Insolvenzverwalter, „wir sind nicht mehr zuständig“. Anders als bei Faun und Demag handelt es sich diesmal nicht um ein Insolvenz­verfahren in Eigenregie, sondern um eine Regelinsolvenz. Es geht nicht um drohende Zahlungsunfähigkeit, die Stahlbau GmbH ist zahlungsunfähig.


Gewerkschaft kritisiert Infopolitik

Für Verärgerung bei der IG Metall sorgt – nicht zum ersten Mal – die Infopolitik des Konzerns. Wie Gewerkschaftssekretär Schreyer schildert, erfuhr der Betriebsrat erst nach den Faun- und Demag-Gläubigerversammlungen von der weiteren Insolvenz, die den Laufer Standort trifft.

Bei der Stahlbau GmbH handle es sich „um eine Schweißerei mit echten Spezialisten“, so Schreyer. Sie arbeitet unter anderem an den Kran­spitzen. Die Abwicklung würde damit gut zu den Restrukturierungsplänen passen, die vorsehen, dass sich Lauf auf Unterwagen konzentriert, während die Kran-Komponenten aus Zweibrücken kommen.


Ganz so einfach ist es aber nicht, meint Schreyer: „Die Stahlbauer helfen auch bei den Unterwagen aus, etwa wenn ein Zulieferer länger braucht“. Bittere Ironie: Gerade während der Pandemie und des Insolvenz­verfahrens seien es die Spezialisten, „die spontan einspringen müssen, damit die Produktion läuft“.

In Zweibrücken, dem deutlich größeren Standort, beobachtet man genau, was mit der GmbH passiert. Auch dort gibt es Überlegungen, den Stahlbau in eigene Unternehmen auszugliedern. Ein Schicksal wie in Lauf müsse unter allen Umständen vermieden werden, zitiert der Pfälzische Merkur Peter Vollmar von der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Unternehmenssprecherin Anne Steeb warnt derweil vor voreiligen Schlüssen: Die Ausgliederung sei noch keine beschlossene Sache. Man wolle darüber bis September entscheiden.

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