Branchenkenner befürchten keine Unternehmenspleite

Hat sich Tadano verhoben?

Einer der All-Terrain-Krane, die Tadano Faun produziert, im Einsatz. Es handelt sich um das Modell ATF 60G-3. | Foto: Tadano Faun/ PZ-Archiv2020/10/neuer-kran-tadadano-faun-ATF60_long.jpg

NÜRNBERGER LAND — Mit der Tadano Faun GmbH wird ein Traditionsunternehmen zum Sanierungsfall. Gewerkschafter wie Branchenkenner erwarten allerdings nicht, dass aus dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eine „echte“ Insolvenz wird. „Jetzt laufen die Verhandlungen“, sagt der IG-Metall-Sekretär Harry Schreyer, „auch der Betriebsrat hat ein Recht, angehört zu werden.“

Drei Monate haben Tadano Faun und die Zweibrückener Unternehmensschwester Tadano Demag Zeit, dem Gericht ein Konzept vorzulegen, um die Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Schreyer überrascht die Ankündigung nicht, dass „leider sehr wahrscheinlich“ Arbeitsplätze abgebaut werden. „Die Arbeitnehmervertreter im Betrieb hatten bereits nach der Übernahme von Demag die Befürchtung, dass sich etwas in der Personalstruktur tut“, sagt er.

Rund 700 und 1600 Beschäftigte

Erst 2019 hatte die japanische Tadano Limited, zu der Faun seit 1990 gehört, auch den Zweibrückener Hersteller Terex Cranes Germany gekauft, die frühere Kransparte der Demag AG, 1827 als Dinglerwerke gegründet. Während im Laufer Werk rund 700 Menschen arbeiten, ist der Standort in Rheinland-Pfalz mit knapp 1600 Beschäftigen und einem Umsatz von rund 428 Millionen Euro (Stand: 2018) deutlich größer.

„Vom Produktportfolio her war die Übernahme sinnvoll“, sagt Alexander Ochs vom Fachmagazin Kran & Bühne. Es gebe wenig Überschneidungen. Während Demag unter anderem auf Raupenkrane spezialisiert ist, die auf Ketten unterwegs sind und bis zu 3200 Tonnen heben können, entwickelt und produziert Faun in erster Linie Kranaufbauten für Lastwagen und sogenannte All-Terrain-Krane, also Fahrzeugkrane auf Rädern. Das künftige Spitzenmodell ATF 600, das sich laut Unternehmenswebsite „in seinen letzten Entwicklungszügen“ befindet, ist auf bis zu 600 Tonnen Last ausgelegt. Es gibt auch Faun-Raupenkrane, es handelt sich dabei aber um eher kleinere Modelle.

Der Wettbewerb ist stark

Schon beim Demag-Kauf war die Rede von „Synergieeffekten“ und „Effizienzgewinnen“. Vor dem Hintergrund der Corona­krise habe man nun „die Neuausrichtung beider Unternehmen und die Integration von Tadano Demag (…) deutlich beschleunigt“, so Unternehmenschef Jens Ennen.

Die deutschen Tadano-Töchter sehen sich in einem schwierigen Umfeld. In einer Pressemitteilung ist von schrumpfenden Märkten und zunehmendem Wettbewerbsdruck die Rede. Der Nürnberger Gewerkschaftssekretär Schreyer wundert sich allerdings darüber, „dass es bei einem Kranhersteller einen solchen Einbruch gibt, wo es der Baubranche gut geht“. Nicht ins Bild passt auch, dass Tadano noch 2017 ankündigte, sein Laufer Werk um eine zig Hektar große Fläche erweitern zu wollen, das Schulholz. Bis zu 350 neue Arbeitsplätze könnten entstehen, hieß es damals. Unter anderem sei auf dem Areal eine Lackiererei für den ATF-600-Kran geplant.

Laut Unternehmenssprecherin Anne Steeb war letztlich die Corona-Pandemie ausschlaggebend für die Entscheidung, ein Schutzschirmverfahren zu beantragen. So seien die Lieferketten des Kranherstellers phasenweise „komplett zusammengebrochen“. Zudem hätten die Kunden aufgrund eigener wirtschaftlicher Unsicherheit weniger Kräne als geplant gekauft. Allerdings sei „vorher schon nicht alles rund gelaufen“, räumt sie ein.

Zugute kommt den beiden Unternehmen nun, dass sie mit Tadano einen starken Konzern im Hintergrund haben, der im Geschäftsjahr 2018/2019 insgesamt 1,45 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat. Die Gruppe ist neben Liebherr und Manitowoc einer der größten Kranhersteller weltweit. Ein weiterer Pluspunkt: In den Kranen, die in Lauf und Zweibrücken produziert werden, steckt viel Know-how, „zum Beispiel ausgereifte digitale Sicherheitssysteme“, sagt Fachjournalist Ochs. Darauf wird Tadano wahrscheinlich nicht verzichten wollen.

Ein klassischer Metallbetrieb

Die Faun-Werke haben eine lange Tradition, sie wurden 1917 gegründet und hatten ihren Sitz zunächst in Ansbach sowie später in Nürnberg. Die Baumaschinensparte ging bereits in den 80er-Jahren an Orenstein & Koppel, ehe sie von Tadano gekauft wurde. „Faun ist einer der klassischen Metallbetriebe“, sagt Schreyer von der IG Metall, „dort riecht es noch nach Stahl“.

Die Gewerkschaft will sich nun einbringen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. In der Vergangenheit sei die IG Metall in dem Betrieb nicht immer breit vertreten gewesen, „das ändert sich jetzt wahrscheinlich“.

Löhne und Gehälter sind für die nächsten drei Monate gesichert, sie werden von der Agentur für Arbeit übernommen. Hart getroffen hat es nach Schreyers Angaben aber bereits viele Leiharbeiter, „der Anteil im Betrieb war groß.“ Die meisten seien „jetzt schon weg“.

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