Erfolgs-Euphorie beim Gewerbepark Nürnberg Feucht

„Die öffentliche Hand kann’s!“

Das Gewerbegebiet Nürnberg Feucht Wendelstein aus östlicher Sicht aus der Luft fotografiert. Umgeben von Wald ist es gut an die Autobahnen A6, A73 und A9 angeschlossen. Foto: Bischof & Broel.2013/05/luftbildgnf_New_1367586902.jpg

FEUCHT – Bei den Verantwortlichen des Zweckverbandes Gewerbepark Nürnberg-Feucht-Wendelstein (GNF) herrscht Euphorie: Die zwei Gemeinden Feucht und Wendelstein und die Stadt Nürnberg klopfen sich für ihr Erfolgsmodell auf die Schulter.

„Es war ein sehr gutes Verkaufsjahr“, sagt Norbert Eberhardt, Geschäftsleiter des Gewerbeparks Nürnberg Feucht Wendelstein, kurz GNF. Er hat allen Grund zur Freude: Nach 15 Jahren Vermarktungszeit sind nun alle frei verfügbaren Flächen im GNF bis auf den letzten Quadratmeter verkauft. Zusätzlich gibt es nur noch zwei sogenannte Optionsgrundstücke mit insgesamt 54.000 Quadratmetern. Zwei Firmen haben hier die Ankaufsberechtigung erworben.

Anfang des nächsten Jahres wird sich zeigen, ob sie bei dem Angebot zuschlagen. Eberhardt ist zuversichtlich. „Ich rechne fest mit einem Verkauf.“ Falls nicht, muss er neue Interessenten finden. Doch auch das sollte kein Problem sein, meint Eberhardt. Auch ohne große Werbung, allein mit dem Interentauftritt des GNF, hat er bislang eine enorme Nachfrage ausgelöst. Sobald Eberhard die restlichen Grundstücke verkauft hat, fließen noch einmal 7,4 Millionen Euro an den GNF – und damit Einnahmen in die drei kommunalen Kassen. Schließlich liegt der Gewerbepark zu 20 Prozent auf Nürnberger Gebiet, 32 Prozent entfallen auf die Gemarkung Wendelstein und 48 Prozent auf Feucht.

Jeweils drei Vertreter aus Nürnberg, Feucht und Wendelstein waren deshalb zur Verbandsversammlung erschienen, um das vergangene Jahr zu besprechen. Darunter auch Feuchts Bürgermeister Konrad Rupprecht und Nürnbergs dritter Bürgermeister Klemens Gsell.

Angefangen hatte alles im Jahr 1992. Wo vormals seit den 1960er Jahren 73 Kampf- und Transporthubschrauber stationiert waren, blieb nach dem Abzug der Amerikaner die über 84 Hektar große Fläche erstmal leer.

Die Frage war, was mit dem Gebiet geschehen soll. Der Bund Naturschutz hätte das Areal am liebsten der Natur zurückgegeben. Zivilflieger hätten die 1030 Meter lange und 28 Meter breite Landebahn gern für sich genutzt. Doch die Kommunen setzten sich mit ihrer Idee, einen Gewerbepark zu errichten, durch. Der GNF war damit aus der Taufe gehoben. 1996 wurde der Zweckverband gegründet. Zwei Jahre später standen die Erschließungsarbeiten an.

Gsell erinnert sich an die Anfänge. „Da hieß es: Das wird das Draufzahlgeschäft schlechthin.“ Heute ist er überzeugt: „Die öffentliche Hand kann’s!“ Auch ohne privaten Immobilienverwalter hätten die zwei Gemeinden und die Stadt Nürnberg gezeigt, dass sie den Gewerbepark zu einem attraktiven Standort für Unternehmen machen konnten.

Etwa 2800 Beschäftigte arbeiten bei über 60 Firmen auf dem GNF-Areal. Darunter ganz große Unternehmen wie die DHL, die zur Deutschen Post gehört, Dachser und viele regionale, mittelständische Familienbetriebe. Im vergangenen Jahr kamen vier neue Firmen hinzu.

Das Projekt GNF hat ordentlich Geld in die kommunalen Kassen gespült. Die Verkauferlöse liegen insgesamt bei rund 59 Millionen Euro. „Der GNF hat noch nie Mittel von seinen Partnergemeinden oder sonstige Zuschüsse benötigt, sondern alles selbst finanziert“, ist Eberhardt stolz. Außerdem sei der GNF seit Januar 2011 schuldenfrei.

Die Wirtschaftskrise hat jedoch selbst der GNF zu spüren bekommen. Doch Firmenpleiten steckte er gut weg: „Auch bei Insolvenzen haben wir innerhalb kürzester Zeit neue Nutzer gefunden. Das zeigt die Attraktivtät des Gewerbeparks“, sagt Geschäftsleiter Eberhardt. Auch Nürnbergs Stadträtin Christine Grützner-Kanis (SPD) spricht von einer „supertollen Entwicklung.“ Die positive Entwicklung hatte sich bereits bei der 100. Verbandssitzung im November 2010 abgezeichnet. Schon damals waren die Verantwortlichen voll des Lobes.

Expansion nicht möglich

Das Projekt GNF ist heute in trockenen Tüchern. An eine Expansion ist trotz des Erfolgs nicht zu denken: Der Gewerbepark kann seine Flächen nicht ausweiten. Schließlich stehen ihm laut Bebauungsplan eben diese 84,4 Hektar zur Verfügung, die bereits restlos verplant sind. Ein weiteres Areal im Lorenzer Reichswald, neben dem GNF gelegen und unter dem Namen „Moserbrücke“ vielen ein Begriff, nimmt der Markt Feucht schon seit Längerem unter die Lupe. Denn die Metropolergion wächst und ähnlich wie in der Nachbarstadt Altdorf, sucht man auch in der Gemeinde Feucht nach neuen Gewerbeflächen und -einnahmen.

Das 14,9 Hektar große Areal gehört dem Freistaat. Planungshoheit hat die Gemeinde Feucht, die hier Gewerbeflächen für kleine bis mittelständische Unternehmen ausweisen möchte. Bereits seit Januar 2009 läuft das Verfahren. Der Markt Feucht ist derzeit dabei, den Umweltbericht zu überarbeiten. Das Papier ist eine wichtige Grundlage, damit das Verfahren in die nächste Phase gehen kann. Im Bericht wird erfasst, welche schützenswerten Tiere in dem Gebiet leben. Die Untersuchungen sollen bis September abgeschlossen sein. Sollte das Gewerbegebiet kommen, ist der GNF dennoch betroffen: Denn dieser stellt für das neue Areal die Infrastruktur bereit.

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