Eckenhaider Projekt

Dorfladen war am Absacken

Ein guter Kontakt zu den Kunden ist den Mitarbeiterinnen im Dorfladen in Eckenhaid wichtig. Der vor einem Jahr als genossenschaftliches Projekt gegründete Markt erlebte im ersten Jahr dennoch Höhen und Tiefen. Foto: Krieger2014/06/83600_DorfladenEckenhaid2014ik_New_1402671064.jpg

ECKENHAID ­— Vor einem Jahr wurde der Dorfladen in Eckenhaid eröffnet. Der erste durch genossenschaftliches Bürgerengagement gegründete Laden im Landkreis Erlangen-Höchstadt hat sich etabliert. Leicht lief es im ersten Jahr nicht immer.

Die Euphorie bei der Eröffnung im Juni vergangenen Jahres war groß gewesen. Musik spielte, Redner gaben sich die Mikrofone in die Hand, dicht gedrängt nahmen die Eckenhaider ihren Laden in der Eisenstraße in Beschlag. Den hatten sie zuvor in einem langen Gründungsprozess gemeinschaftlich aus eigenen Mitteln finanziert. Über 70 000 Euro hatten die mehr als 285 Anteilseigner investiert. Der größte Eckentaler Ortsteil dürfe nicht ohne Nahversorger sein, lautete das Credo.

Frische regionale Produkte und Caféecke und zudem endlich wieder ein Treffpunkt für Jung und Alt in der Eisenstraße, in der zuvor die Filiale einer Supermarktkette mangels Umsätzen dichtgemacht hatte, lautete die Verheißung.

Knapp ein Jahr später, an einem Morgen Ende Mai, ist der Dorfladen gut besucht. Kaffeeduft weht durch den Eingangsbereich, hinter der Frischetheke schneidet eine Mitarbeiterin gerade Ziegenkäse für eine Kundin auf. Die Angebote der örtlichen Metzger sind auf Tafeln nachzulesen. Frischer Spargel, Gemüse und Obst aus der Region sind frisch und appetitlich präsentiert – genau so, wie es sich die Eckenhaider gewünscht hatten.

Doch ein bisschen trügt die Geschäftigkeit, denn sie ist das Ergebnis einer Warnaktion, die Dorfladen-Initiator Toni Egloffstein einige Wochen vorher in der Friedenskirche gestartet hatte. Bei einer außerordentlichen Versammlung vermittelte der Geschäftsführer den 150 erschienenen Anteilseignern deutlich: Wenn es so weitergeht, sei der Traum vom Dorfladen in Eckenhaid schnell wieder ausgeträumt. „Lieber frühzeitig“, betont Egloffstein, habe er die Notbremse gezogen, nachdem der Umsatz bereits ab Oktober kontinuierlich zurückgegangen war.

Vor allem der Freitag, üblicherweise der umsatzstärkste Tag im Lebensmitteleinzelhandel und auch für den Dorfladen eine wichtige Einnahmequelle, war in den Keller gegangen. Auch das Weihnachtsgeschäft hatte nicht den erwarteten Umsatz gebracht. Ab Januar wurde es täglich ein bisschen schlechter.

Man habe sich gewundert, dass die „Delle“ bereits „so früh“ gekommen sei, sagt Egloffstein. Dass sie irgendwann komme, habe man erwartet, das sei „normal“, doch in der Regel erst nach ein bis zwei Jahren, weiß er aus Gesprächen mit anderen Dorfläden in der Region. „Da haben unsere Kunden doch ziemlich schnell nachgelassen.“

Am Sortiment, ist sich Egloffstein sicher, könne es nicht gelegen haben. Man lege Wert auf Frische und habe mittlerweile einen zweiten Lieferanten, der den Dorfladen nicht nur mit Marken-, sondern auch mit Handelsmarken beliefere. „Wir sind nicht teurer als andere Märkte auch“, sagt er. Die Personaldecke sei sogar besser, das gehöre zum Konzept des Dorfladens.

Woran aber lag es dann? So ganz erklären kann sich Egloffstein das rasch erlahmende Interesse der Eckenhaider an ihrem Dorfladen nicht. Es habe von Anfang an einen Newsletter gegeben, in dem die Kunden über die Wochenangebote informiert worden seien, darüber hinaus Aktionen wie Weinverkostungen, die man beworben habe. Doch das half nicht. Das Läuten der Warnglocke sei deshalb der richtige Schritt gewesen, sagt Egloffstein, „die Eckenhaider haben sie deutlich gehört“.

Seither laufe es wieder. Das Ostergeschäft sei ein Erfolg gewesen, auch der Freitag habe sich „stabilisiert“. Man müsse nun aus den Erfahrungen lernen und neue Wege der Kundenbindung suchen, meint der Geschäftsführer, der wie alle anderen im Dorfladen engagierten Ehrenamtlichen Seiteneinsteiger in den Lebensmitteleinzelhandel ist. Bedauerlich findet er, dass die von vielen Eckenhaidern explizit gewünschte Caféecke im Dorfladen längst nicht so frequentiert ist, wie sich die Organisatoren das erhofft hatten. „Es sind überwiegend feste Gruppen, die sich hier treffen, wenig Laufkundschaft.“ Nun soll geschaut werden, ob nicht eine zusätzliche Bestuhlung im Außenbereich bei schönem Wetter Besucher lockt.

Auch bei der Werbung will man kreativer werden, etwa mit einer Dorfladen-App für Smartphones. Sehe man von den Anlaufkosten ab, erreiche der Dorfladen am Ende des ersten Geschäftsjahres nun eine schwarze Null. „Das ist nicht schlecht. Aber auf lange Frist brauchen wir natürlich mehr“, erläutert Egloffstein. Eine Ausschüttung werde es nicht geben. Dass das Betriebsergebnis, das bei der Mitgliederversammlung Ende Juni vorgestellt werden wird, nicht nur der Warnaktion zu verdanken ist, sondern auch den Ehrenamtlichen, die hinter den Kulissen des Dorfladens weiterhin unentgeltlich mit anpacken, weiß er. „Ohne sie ginge es nicht. Sie waren von Anfang an mit einkalkuliert“, sagt er.

Ein Jahr nach dem Start des ambitionierten Genossenschaftsprojektes zieht er deshalb eine gemischte Bilanz: „Wir sind angekommen in der Realität.“

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger