Infotag in Moosbach

Dorf ohne Laden

Gabriele Fischer, Gerlinde Kotzur, Manfred Meindl und Jörg Kotzur am Standort des geplanten Dorfladens neben dem Moosbacher Feuerwehrhaus. Für Samstag, 23. März, laden sie zu einem Infotag in die Bürgerhalle ein. | Foto: Blinten2019/03/Moosbach-Dorfladen.jpg

MOOSBACH – So viel Geduld ist selten. Seit über fünf Jahren arbeiten Moosbacher am Projekt Dorfladen und haben trotz aller skeptischen Stimmen nie aufgegeben. Wenn jetzt alles nach Plan läuft, könnte der Laden im übernächsten Jahr öffnen. Erst 2021, weil nun für das Areal, auf dem das Gebäude geplant ist, ein Bebauungsplan erstellt werden muss.

Aber was sind jetzt zwei Jahre zusätzlicher Wartezeit schon, nachdem man so lange auf die Realisierung hin gearbeitet hat. Das Dorfladen-Haus soll nun auf einem Nachbargrundstück neben dem Moosbacher Feuerwehrhaus entstehen, ein Standort, den man schon 2016 im Auge hatte, dann aber wieder verwarf.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Im Nachhinein bedauert das Jörg Kotzur, Mitglied des Dorfladen-Gesellschafterrats, im Gespräch mit dem Boten. Damals sah man sich nach anderen Standorten um, im Gespräch waren das Sparkassengebäude und die ehemalige Gaststätte. Nachdem sich das aber alles als ungeeignet erwiesen hatte, kam man wieder auf das Grundstück neben dem Feuerwehrhaus zurück.

Das Areal ist im Besitz der Marktgemeinde, die nun mit dem Bau des Dorfladengebäudes zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will. Im Erdgeschoss soll der Laden entstehen, darüber will die Kommune dringend benötigte Sozialwohnungen bauen. Weil die nun noch einmal umgeplant werden müssen, verzögert sich das Dorfladen-Projekt bis 2021.

Im Ort kommt die Dorfladen-Idee gut an. Als deren Verfechter vor zwei Jahren eine Umfrage und eine Marktanalyse machten, waren die Ergebnisse ausgesprochen ermutigend. 42 Prozent Rücklauf bei den Umfragen war laut Unternehmensberater Wolfgang Gröll, der die Moosbacher bei ihrem Projekt begleitete und unterstützte, eine vergleichsweise sehr gute Zahl. Und die Marktanalyse ergab, dass es in Moosbach Potenzial für einen Dorfladen gibt. „Das soll aber kein Tante-Emma-Laden-2.0 werden“, erläutert Jörg Kotzur.

Der Moosbacher Dorfladen soll neben seiner Funktion als Einkaufsstätte auch Kommunikationszentrum sein. Einrichten wollen Kotzur und seine Mitstreiter ein kleines Cafe, so dass sich hier die Bewohner des Orts treffen und austauschen können. Neben dem Verkauf von Lebensmitteln könnten im Laden auch Postdienstleistungen angeboten werden, ein Lieferservice und eine Lotto-Annahmestelle. Und regelmäßige Events wie Sonntagsbrunch oder dergleichen wären auch denkbar, sagt Kotzur. Beim Lebensmittelverkauf will man mit örtlichen und regionalen Erzeugern von landwirtschaftlichen Produkten zusammen arbeiten, Kontakte sind geknüpft, schon über ein Dutzend Firmen haben Interesse bekundet.

Ohne Kunden geht nichts

Funktionieren kann ein Dorfladen am Ende aber nur, wenn die Moosbacher auch dorthin gehen und Geld in die Kasse kommt. Bei regelmäßigem Minus wird das Projekt sich nicht lange halten können und dasselbe Schicksal erleiden, wie die kleinen Läden, die in Moosbach vor Jahren nach kurzer Zeit wieder schließen mussten, weil die Kundschaft ausblieb.

Hier macht Unternehmensberater Gröll den Dorfladen-Initiatoren Mut. Der Umfragen-Rücklauf hat nach seinen Berechnungen ergeben, dass es im Ort ein Umsatzpotenzial von rund 760.000 Euro gibt.

Im März vor zwei Jahren hat sich in der Bürgerhalle die Moosbacher Dorfladen-Gesellschaft gegründet. 69 Anteilszeichner brachten damals 24.700 Euro Eigenkapital in die Gesellschaft ein. Gröll sieht die Möglichkeit, das Eigenkapital auf bis zu 84.000 Euro zu steigern. Seit 2017 haben die Dorfladen-Initiatioren weiter für das Zeichnen von Anteilen geworben.

„Wir sind sehr zuversichtlich, noch mehr Leute für die Dorfladen-Idee gewinnen zu können“, sagt Jörg Kotzur, der sich besonders darüber freut, dass gerade die jungen Moosbacher von der Idee angetan sind. „Und auch die Neubürger finden das Projekt toll.“

Zulieferer stellen sich vor

Jörg Kotzur ist seit Jahren eine der treibenden Kräfte, die das Vorhaben voran bringen. Gemeinsam mit Gabriele Fischer, Michael Marks, Gerlinde Kotzur, Matthias Langhans und Manfred Meindl ist er im Gesellschafterrat und koordiniert mit seinen Mitstreitern das Projekt.

Für Samstag, 23. März, lädt der Rat der Dorfladengesellschafter zu einem Informationstag in die Moosbacher Bürgerhalle ein. Dann werden potenzielle Lieferanten sich und ihre Produkte präsentieren, der Gesellschafterrat wird über den aktuellen Stand informieren, und außerdem können Moosbacher dann Anteile zeichnen. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Marktgemeinde Feucht, mit der die Dorfladen-Initiatoren, das betont Jörg Kotzur, hervorragend zusammen arbeiten.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten