HERSBRUCK – Besser reparieren als wegwerfen: Das wird in Hersbruck seit nunmehr zehn Jahren gelebt – von den Tüftlern im Reparatur-Café der Zukunftswerkstatt.
Das 2007 von der Amsterdamer Journalistin Martine Postma als Gegengewicht zur Wegwerfgesellschaft ersonnene „Repair-Café“ fand in Willfried Teschke, dem damaligen Leiter der Zukunftswerkstatt Hersbruck, einen überzeugten Mitstreiter.
Am 2. April 2016 luden er und 15 technisch versierte Männer und Frauen in der Scheune des Hirtenmuseums zum ersten Mal ins „Reparatur-Café Hersbruck“ ein. Und das entwickelte sich schnell zu einem Erfolgsmodell: 1429 Kaffeemaschinen, Saugroboter, Regenschirme, Mundduschen oder auch „Exoten“ wie kopflose Musik-Clowns und teils skurrile Erinnerungsstücke nahmen die ehrenamtlichen Tüftler bis dato bei ihrem allmonatlichen Werkstatt-Tag akribisch unter die Lupe, heißt es in der Pressemeldung der Stadt Hersbruck dazu.
Reparatur-Café hat bereits 842 Geräte gerettet
842 Geräten hauchten sie so ein „zweites Leben“ ein, bei 434 mussten selbst sie passen – wenn auch meist schweren Herzens. Bei 153 Geräten empfahlen sie den Besitzern den Gang zum Fachhändler oder zur fachgerechten Entsorgung. Bei gut 120 Werkstatt-Terminen haben sie bis heute um die 2400 Stunden geschraubt, gelötet, gehämmert und geklebt, um die defekten „Patienten“ wieder funktionsfähig zu bekommen.
Mit dem Großteil ihres von zufriedenen Kunden gespendeten „Lohns“ unterstützten sie obendrein etliche Projekte des Hirtenmuseums wie zuletzt ein Insektenhotel. „Es ist sehr gut, dass es euch in Hersbruck gibt“, sagte Zweiter Bürgermeister Peter Uschalt bei der kleinen Feierstunde mit den derzeit 14 aktiven Schraubern um Leiter Jochen Liebel. „Was ihr macht, ist Nachhaltigkeit pur. Mit eurem Know-how habt ihr dafür gesorgt, dass sehr, sehr viele Geräte nicht vorzeitig auf dem Wertstoffhof oder der Deponie gelandet sind.“
Als Dankeschön der Stadt für diesen langjährigen Einsatz luden er und Bürgermeister Robert Ilg die Gruppe zu einem „Geburtstagsessen“ in die Michelmühle ein. Zu ihr zählen mit Gert Häffner, Helmut Grimme, Gabi Gleich, Jan-Marco Becker sowie der „Haus-Reporterin“ Brigitte Jahny noch fünf Helfer der ersten Stunde. Seit letztem Jahr wird das Hersbrucker Reparatur-Café zudem von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber gefördert.
