Dezentrale Impfstätten zahlen sich aus

Schwärmen um Roth

In Greding (Landkreis Roth) hat man das Vereinsheim der örtlichen Faschingsgesellschaft zu einer dezentralen Impfstätte mit zwei Impfkabinen umfunktioniert. | Foto: Tobias Tschapka2021/03/NL-Impfstrategie-Impfzentrum-Greding-Tobias-Tschapka-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Das Röthenbacher Impfzentrum ist der Fixstern der Impfstrategie des Landkreises. Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick nach Roth. Der Nachbarkreis setzt auf viele kleine Satelliten.

Offiziell gibt es auch im Landkreis Roth nur ein einziges Impfzentrum. Dort werden bestimmte Berufsgruppen und die Rother Bevölkerung geimpft. Aus Greding, Spalt oder Wendelstein muss sich hingegen niemand auf den Weg ins Rother Industriegebiet machen. Denn geimpft wird in erster Linie vor Ort. Die Gemeinden stellen ein barrierefreies Gebäude zur Verfügung und übernehmen das Kontaktieren der impfberechtigten Einwohner. Der Betreiber des Impfzentrums, in Roth ist dies das Münchner Unternehmen Vitolus, kommt dann tageweise in die Gemeinden und übernimmt das Impfen.

Sich per Internet oder Telefon anmelden, das kann nicht jeder 80- oder 90-Jährige“, meint der Rother Landrat Herbert Eckstein (SPD). Und den älteren Menschen dann auch noch den Weg nach Roth zuzumuten, das sei ihm zu viel gewesen. Und so entstehen seit Mitte Februar im gesamten Landkreis lokale Impfstätten. „Nächste Woche sind wir in jeder Gemeinde einmal gewesen“, berichtet Eckstein. Das bedeutet freilich nicht, dass in den jeweiligen Gemeinden alle Senioren mit höchster Priorität ihre Erstimpfung erhalten haben. Denn auch im Landkreis Roth steht nur begrenzt Impfstoff zur Verfügung und in Feuchts Nachbargemeinde Wendelstein zum Beispiel leben allein gut 1100 Personen, die älter als 80 Jahre sind und nicht in einem Heim wohnen. Aber ein Anfang wird in jeder Gemeinde gemacht sein.


Die Ältesten zuerst

Halten sich die Bürgermreister an Ecksteins Rat, kommen in den Gemeinden die Ältesten zuerst dran. Die Impfreihenfolge ist dadurch schnell festgelegt. BayIMCO, die Impfsoftware des Freistaats, bezeichnet Eckstein hingegen als „Bremsprogramm“, dessen Auswahl auf einem Algorithmus beruht, der nicht nachzuvollziehen sei. Das Impfen in den Gemeinden übernehmen im Landkreis Roth die gleichen Impfteams, die zuvor in verschiedenen Einrichtungen unterwegs waren. Vom Betreuten Wohnen über die Tages- und die stationäre Pflege bis zu Einrichtungen für Menschen mit Behinderung: Laut Eckstein sind die Menschen dort bereits alle zweimal geimpft worden. Und so sind Kapazitäten frei für das dezentrale Impfen.

„Erste Planungen“ im Nürnberger Land

So weit ist man im Nürnberger Land noch nicht. Im Betreuten Wohnen steht man noch ganz am Anfang (wir berichteten). In den anderen Einrichtungen ist laut Dr. Rolf List, Pressesprecher des Landratsamts, das Ende immerhin in Sicht. Weitere Impfstandorte neben den beiden Außenstellen in Altdorf und Hersbruck seien danach zwar nicht angedacht. Doch es gibt „erste Planungen“ für dezentrales Impfen. So denkt man im Landratsamt darüber nach, Kooperationen mit Einrichtungen des Betreuten Wohnens einzugehen. Immer wenn dort Bewohner geimpft werden, könnten dann auch Einwohner der jeweiligen Gemeinde hinzukommen. Vorausgesetzt, die Kommunen übernehmen die Koordination.

Kotzur hofft auf die Allgemeinärzte

Besonders viel Kritik an der Impfstrategie des Landkreises kommt nach wie vor aus dem Landkreis-Süden, unter anderem aus Feucht. Jörg Kotzur, der parteilose Bürgermeister der Marktgemeinde, bezeichnet sich grundsätzlich als Befürworter dezentraler Lösungen. Ob seine Verwaltung aber das Organisieren Tausender Impftermine stemmen kann, da ist er sich nicht sicher. Er hofft vielmehr, dass Hausärzte zeitnah ins Impfen einsteigen. Die Marktgemeinde könne dann selbstverständlich mit zusätzlichen Räumen unterstützen.

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