Die Stadt Altdorf öffnet das Freibad

Online-Buchung und Sicht-Schwimmen

Betriebsleiter Jan Wieland hat das Hygiene- und Sicherheitskonzept erstellt. Seit Ende April ist das Altdorfer Bad schon startklar, in zwei Wochen soll nun geöffnet werden. | Foto: Alex Blinten2020/05/Freibad-Altdorf-scaled.jpg

ALTDORF – Das Freibad wird mit einem Hygiene- und Sicherheitskonzept am 15. Juni öffnen. Werke-Geschäftsführer Florian Müller und Betriebsleiter Jan Wieland überzeugten eine Mehrheit im Hauptausschuss mit ihren Plänen.

Gute Nachricht für Familien, Sport- und Freizeitschwimmer: Das Altdorfer Freibad wird am 15. Juni öffnen. Das hat der Hauptausschuss des Stadtrats auf seiner jüngsten Sitzung gegen die Stimmen von Karl-Heinz Gottschalk und Werner Merkel (beide CSU) beschlossen. Stadtwerke-Geschäftsführer Florian Müller und Freibad-Betriebsleiter Jan Wieland konnten die Mitglieder des Ausschusses mit dem von ihnen erarbeiteten Hygiene- und Sicherheitskonzept überzeugen.

Bislang überwog die Skepsis

Seit einigen Wochen wird landauf-landab über eine mögliche Öffnung von Freibädern diskutiert, die Fachleute wägen Risiken und Vorteile der Bädernutzung gegeneinander ab, dabei überwog bislang über weite Strecken die Skepsis. In Feucht haben Bürgermeister Jörg Kotzur und Werke-Geschäftsführer Raimund Vollbrecht schon signalisiert, dass das Bad wahrscheinlich in dieser Saison nicht öffnen wird – aus Praktikabilitätsgründen und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit (wir berichteten).

Im Landkreis gibt es eine Arbeitsgruppe von Bürgermeistern mit Freibädern in den Kommunen. Bis vor wenigen Tagen überwog hier die Zurückhaltung. Öffnen sei mit zu vielen Risiken verbunden und praktisch nicht durchführbar, war der Tenor. Altdorfs Bürgermeister Martin Tabor allerdings hat sich von Beginn an für die Öffnung des Bads in der Wallensteinstadt stark gemacht. Dass Ministerpräsident Söder dann am vergangenen Dienstag erklärte, Freibäder dürfen ab 8. Juni wieder öffnen, erwischte viele offenbar auf dem falschen Fuß – nicht die Altdorfer.
Da haben wir offenbar den richtigen Riecher gehabt“, freut sich Tabor, der dabei aber auch auf die schwierige Abwägung zwischen Wirtschaftlichkeit und den sozialen Aspekten hinweist.

Im Gegensatz zu anderen Betreibern, betont Florian Müller, haben die Stadtwerke als Betreiber des Altdorfer Bads schon früh Saisonvorbereitungen getroffen. „Wir sehen es als sozialpolitischen Auftrag und als unsere Verpflichtung an, das Freibad zu öffnen.“ Sicher nicht als Spaßbad wie in normalen Jahren, denn laut Müller haben Sicherheit und Gesundheit der Badegäste und Mitarbeiter Priorität. Der Geschäftsführer ist aber davon überzeugt, dass sich mit dem zusammen mit Jan Wieland erarbeiteten Konzept ein sicherer Badebetrieb auch in Corona-Zeiten gewährleisten lässt.

Besucherzahl wird reduziert

Und so sieht das Sicherheitskonzept aus: Mehrmals täglich wird im Bad desinfiziert, bestimmte Bereiche müssen abgesperrt und die Besucherzahl reduziert werden. An warmen Tagen kann man einen Schichtbetrieb für die Besucher einrichten. Beispiel: Senioren können morgens, Familien mittags und nachmittags und Sportler abends schwimmen.
In Nordrhein-Westfalen sind die Freibäder schon seit zwei Wochen geöffnet, hier hat sich ein Anmeldesystem mit Online-Buchung bewährt. Ein solches System wollen die Altdorfer auch einführen.
Die Becken werden mit Leinen abgetrennt, so dass Schwimmen mit Abstand möglich ist und Bademeister die Abstände auch immer im Blick haben. Ob zusätzliches Security-Personal zur Eingangskontrolle oder zur Überwachung der Sicherheitsabstände eingestellt werden muss, steht derzeit noch nicht fest.

Ein Bad in Corona-Zeiten zu öffnen, kostet zusätzliches Geld. In Altdorf kostet das Freibad, auch wenn es geschlossen bleibt, rund 450 000 Euro im Jahr, bei einer Öffnung ab 15. Juni erhöht sich das Defizit für die Stadtwerke um 80 000 bis 100 000 Euro, rechnet Florian Müller vor.
Für die überwiegende Mehrheit im Ausschuss müssen Werke und Stadt aber mit dem höheren Defizit leben, das ist man der Altdorfer Bevölkerung schuldig, so die Mehrheitsmeinung. „Es wird wieder heiß im Sommer“, prophezeit Thomas Dietz (FW/UNA), „da ist es wichtig, dass wir unser Freibad öffnen.“ Dem stimmt Margit Kiessling (Grüne) zu: Die Altdorfer wollen die Öffnung, ist sie sich sicher, und das von Müller und Wieland erstellte Konzept sei überzeugend. „Es ist gut, dass der Bürgermeister hinter der Öffnung steht“, betont Ernst Bergmann (SPD) und ist zusammen mit anderen Ausschussmitgliedern optimistischer als Thomas Kramer, Werner Merkel und Karl-Heinz Gottschalk (alle CSU).

Was denn passiert, wenn etwas schiefgeht? Wer haftet? Diese Fragen stellte Kramer in den Raum. Und Merkel spricht von einem teuren Experiment mit unkalkulierbarer Risiko- und Haftungsvariante. Bernd Eckstein (CSU) sieht zwar auch Risiken, trotzdem sagt er: „Wir freuen uns, wenn aufgemacht wird, müssen aber vorsichtig sein.“
Horst Topp (Grüne) teilt Merkels und Kramers Bedenken nicht. Er vertraut auf die Praktiker.

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