Innenminister Herrmann gab Zusage für Elektrifizierung

Fährt die S-Bahn 2025 bis nach Simmelsdorf?

Freude über die künftige S-Bahn ins Schnaittachtal (von links): Simmelsdorfs Zweite Bürgermeisterin Andrea Lipka, Neunkirchens Bürgermeisterin Martina Baumann, der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, stellvertretender Landrat Norbert Reh, Landtagsmitglied Norbert Dünkel, Simmelsdorfs Bürgermeister Perry Gumann, Ministerialrat Carsten Fregin, Schnaittachs Zweiter und Erster Bürgermeister, Karlheinz Lang und Frank Pitterlein. | Foto: Kirchmayer2018/04/Schnaittachtal-Elektrifizierung-S-Bahn-Herrmann-Baumann-Gumann-bearb.jpg

SCHNAITTACH/ NEUNKIRCHEN/ SIMMELSDORF — Die Bürgermeister im Schnaittachtal sind optimistisch, dass schon etwa 2025 eine S-Bahn von Nürnberg bis nach Simmelsdorf fährt. Am Freitag hatte der bayerische Innenminister bei einem Ortstermin die Elektrifizierung der Strecke zugesichert. Historische Eisenbahnbrücken im Pegnitztal müssen laut Herrmann vermutlich abgerissen werden.

Für die drei Bürgermeister im Schnaittachtal, Schnaittachs Frank Pitterlein, Neunkirchens Martina Baumann sowie Simmelsdorfs Perry Gumann, war es die erhoffte Nachricht: Nicht nur nach Neuhaus an der Pegnitz, sondern auch nach Simmelsdorf soll künftig von Nürnberg aus eine S-Bahn fahren. Voraussetzung dafür ist die Elektrifizierung der beiden Strecken. Womöglich schon Mitte der 2020er Jahre soll es so weit sein. „Wir machen Dampf, dass alles schnell voran geht“, so Joachim Herrmann.

Die Rathauschefs hatten den bayerischen Innenminister zu einem Gespräch nach Simmelsdorf eingeladen. Zwar ist Herrmann mittlerweile für Verkehrsangelegenheiten gar nicht mehr zuständig – die Bereiche Bau und Verkehr gehören in der neuen Legislaturperiode zum Aufgabenbereich seiner Kollegin Ilse Aigner. Herrmanns Aussage war dennoch klar: „Beide S-Bahn-Äste, nach Neuhaus und nach Simmelsdorf, sind Gegenstand des Auftrags an die Deutsche Bahn.“ Oder, auf Nachfrage von Gumann noch klarer: Ja, die S-Bahn kommt nach Simmelsdorf. Die Elektrifizierung der Strecke sei für den Großraum Nürnberg eine wichtige Perspektive, so der Innenminister. Es gehe darum, die Attraktivität der „herrlichen Gemeinden“ im Landkreis zu erhalten. Auch ein Ministerialrat aus Ilse Aigners Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, der Landtagsabgeordnete Norbert Dünkel sowie der stellvertretende Landrat Norbert Reh nahmen an dem Treffen mit den Bürgermeistern teil.

„Vordringlicher Bedarf“

Im Bundesverkehrswegeplan 2030, in dem die großen Verkehrsprojekte der kommenden Jahre aufgeführt sind, ist die Strecke von Nürnberg nach Cheb als „vordringlicher Bedarf“ gekennzeichnet. Knapp 1,2 Milliarden Euro dürfte die Elektrifizierung kosten, so der Plan. Die Rathauschefs im Schnaittachtal hatten die Sorge, dass die Nebenstrecke langfristig in Vergessenheit gerät und stillgelegt wird, wenn die für den S-Bahn-Betrieb notwendige Elektrifizierung nicht kommt.

Aktuell fährt die Schnaittachtalbahn auf der Strecke R31 bis Simmelsdorf mit Dieselloks im Einstundentakt von Nürnberg über Neunkirchen, Speikern, Rollhofen, Schnaittach und Hedersdorf nach Simmelsdorf und zurück. Der Bahnhof Simmelsdorf-Hüttenbach, der trotz seiner irreführenden Bezeichnung im Kernort liegt, ist der Endhaltepunkt. Weiter ist die Strecke nicht ausgebaut und sie führt auch nur eingleisig in die Gemeinde.

An der Taktung bis nach Simmelsdorf würde eine Elektrifizierung zunächst nichts ändern. Einen großen Vorteil sieht Neunkirchens Bürgermeisterin Martina Baumann allerdings für ihren Ort: Da Neunkirchen auch an der Hauptlinie von Nürnberg über Neuhaus ins tschechische Cheb liegt, fahren von dort aus stündlich zwei Züge in die nahe Frankenmetropole. Allerdings im Abstand von zehn Minuten, sodass danach 50 Minuten lang kein Zug fährt. Nach der Elektrifizierung könnten die S-Bahnen von Neunkirchen im Halbstundentakt nach Nürnberg fahren, so Baumann. Optimistisch gedacht könnte es bis 2025 so weit sein, so Baumann. Das ist auch der Wunsch ihres Kollegen Perry Gumann.

Bahnbrücken sollen weichen

Für die Strecke nach Neuhaus und darüber hinaus bedeutet die Elektrifizierung, dass voraussichtlich einige historische Bahnbrücken im Pegnitztal weichen müssen. Herrmann sah dazu „keine unüberwindbaren Probleme“. Schnaittachs Bürgermeister Frank Pitterlein sagte, der Bahnausbau sei wichtiger als der Denkmalschutz. Seine Neunkirchener Kollegin Martina Baumann äußerte auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung, die Bahnbrücken hätten zwar einen gewissen historischen Wert und prägten die Landschaft, davon könne man sich aber nichts kaufen.

Die Bürgerinitiative „Eisenbahnbrücken Pegnitztal“ setzt sich für den Erhalt der denkmalgeschützten Bauwerke ein. Bereits im Herbst 2017 hatte ein Experte in der BR-Sendung „Kontrovers“ gesagt, ein Abriss wäre trotz Elektrifizierung bei vielen Brücken nicht nötig, eine Sanierung wäre sogar günstiger. Die Bahn möchte die meisten Brücken dennoch abreißen. Einen Neubau müsste der Bund bezahlen, die Sanierung wäre Sache der Bahn. Herrmann deutete an, dass alles auf einen Abriss der meisten Bauwerke hinausläuft. Der Ausbau der Strecke habe Vorrang, so der Innenminister.

Bei dem Treffen mit Herrmann im Simmelsdorfer Rathaus sprachen die Bürgermeister auch andere Themen an. Unter anderem ging es um die Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung. Diese werde „noch vor der Sommerpause“ des bayerischen Landtags, also bis Mitte Juli, abgeschafft, so Herrmann. Auch die mögliche Stromtrasse „P44 mod“ war Thema. Es gibt nach wie vor Bedenken, dass diese durch den Landkreis führt. „Ich lehne die Trasse auch ab, da sind wir uns einig“, sagte der Innenminister.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer