Überraschung in Prosberg

Die Heimkehr eines Traktors

Dieser MAN-Traktor der Baureihe 2 F 1 kam nach sechzig Jahren wieder zu seinem ersten Besitzer zurück. | Foto: privat2019/10/IMG-20190923-WA0001.jpeg

PROSBERG – Eine mehr als außergewöhnliche Heimkehr fand in Prosberg statt. Ein betagter MAN-Traktor der Baureihe 2 F 1 fand über Umwege im Alter von sage und schreibe 60 Jahren auf den Hof seines ersten Besitzers zurück.

Im Februar 1959 erwarb Leonhard Müller aus Prosberg diesen damals nagelneuen Traktor und meldete ihn im Landratsamt Hersbruck mit dem Kennzeichen HEB-E 934 an. In Prosberg versah die für damalige Verhältnisse sehr moderne und mit nahezu unglaublichen 14 PS ausgestattete Zugmaschine, hergestellt im MAN-Werk München, fünfunddreißig Jahre lang äußerst zuverlässig ihre Dienste.

Nicht nur, dass der Traktor bereits über Heckhydraulik verfügte, auch ein Messerbalken und die Zapfwelle am Heck halfen den Eheleuten Leonhard und Babette Müller beim Tagwerk. Vor allem Babette Müller war es, die den kleinen und wendigen Schlepper nutzte und häufig grüßte sie vom Fahrersitz, wenn sie durchs Dorf fuhr.

Nachdem der Sohn der beiden, Johann Müller, gelernter Stuckateur, den elterlichen Hof nicht weiterführte, war der kleine MAN zusehends überflüssig und wurde von ihm 1994 verkauft. Neue Besitzer wurden zuerst Fritz Wild und nach ihm Hans Erwin Wild aus dem benachbarten Offenhausen; auch sie schätzten den robusten und verbrauchsarmen Traktor. Aber auch hier kam die Zeit, in der ein größerer und vielseitigerer Bulldog her musste, und so wurde er beim Kauf eines neuen Traktors „drangegeben“.

Sofort verliebt

Beim Händler in Offenhausen verblieb der Traktor jedoch nicht lange. Ein Landmaschinenhändler aus der Nähe von Regensburg kam vorbei, sah die Rarität auf schmalen Reifen, verliebte sich sofort in den Bulldog und kaufte ihn auf der Stelle weg. Somit wechselte der MAN im Jahr 2002 erneut den Besitzer; Michael Grundner hegte und pflegte das neue Familienmitglied. Seine beiden Söhne lernten auf ihm sogar das Traktorfahren.

Inzwischen hatte sich der Schwiegersohn des ursprünglichen Besitzers, Andreas Dotzler, aufgemacht, den aktuellen Eigentümer des Traktors ausfindig zu machen. Überraschenderweise gelang es ihm, den Sammler echter Raritäten zum Verkauf zu überreden. Zu Hilfe kam ihm der Umstand, dass es langsam eng wird auf dem Grundner‘schen Anwesen. Und die Geschichte an sich, die Grundner sehr zu Herzen ging, wie er mehrfach betonte.

Nunmehr steht die rüstige, mit luftgekühltem Zwei-Zylinder-Güldner-Motor ausgestattete Seltenheit wieder zu Hause in Prosberg. Und das, dank der Wiedereinführung alter Kennzeichen, natürlich mit dem Nummernschild HEB-E 934.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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