Ein halbes Jahrhundert beim SV Rasch

Ausgezeichnet

In seinem Garten präsentiert Kurt Kühnlein stolz die Verdienstmedaille, die ihm für seinen ehrenamtlichen und kulturellen Einsatz von Landrat Armin Kroder verliehen wurde. | Foto: Johannes Gurguta2021/07/AltdorfNEU-Verdienstmedaille-Kurt-Kuehnlein-2-scaled.jpg

ALTDORF – Für seinen ehrenamtlichen sowie kulturellen Einsatz erhält Kurt Kühnlein aus Rasch die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Große Ehre für Helmut Deuerlein aus Lauf, Ursula Krakenberger aus Schwaig sowie Kurt Kühnlein aus dem Altdorfer Ortsteil Rasch: Alle drei wurden vergangenen Montag mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschlands ausgezeichnet. Auf Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder verleiht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier monatlich die Auszeichnung an Menschen, die besondere Leistungen auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller, geistiger sowie ehrenamtlicher Ebene gezeigt haben.

Im Landratsamt Nürnberger Land wurden nun durch Landrat Armin Kroder in dieser Woche die Ehrungen durchgeführt, auch Altdorfs Bürgermeister Martin Tabor war bei der Auszeichnung anwesend.
Armin Kroder bedankte sich für die Arbeit, die die drei Preisträger innerhalb ihrer Gemeinden und darüber hinaus leisteten. Er könne sich nicht erinnern, dass bei einem Termin einmal drei Personen den Bundesverdienstorden bekommen hätten. Von daher sei es etwas ganz Besonderes. „Die Geehrten haben nicht nur für sich selber etwas Außergewöhnliches geleistet, sondern für andere“, lobte Kroder.

Für den Rascher Preisträger Kurt Kühnlein, einen pensionierten Postbediensteten, ist die Verleihung eine große Ehre. „Ich war sehr überrascht und erfreut, als ich davon erfahren habe“, erzählt der 74-Jährige. Ursprünglich hatte er mit einer Auszeichnung für seinen ehrenamtlichen Einsatz gerechnet, dass es gleich die Bundesverdienstmedaille wird, habe er nicht erwartet.

Engagement in vielen Bereichen

Kühnlein engagiert sich seit fast fünf Jahrzehnten im örtlichen Sportverein und leitet seit über 40 Jahren die vereinseigene Theatergruppe. 1949 wurde der Sportverein Rasch gegründet, der heute rund 650 Mitglieder in den vier Abteilungen Fußball, Tischtennis, Gymnastik und Theater hat. Kühnlein ist seit 1958 Mitglied und wurde 1962 aktiver Fußballspieler im Verein. Ab 1970 begann er, sich auch ehrenamtlich für den Verein zu engagieren. Nachdem er zunächst von 1970 bis 1978 die Aufgaben des Schriftführers erledigte, übernahm er von 1978 bis 1984 das Amt des Vorstandsvorsitzenden.

Seine große Leidenschaft galt jedoch schon immer der vereinsinternen Theaterabteilung. Dabei sei er nie ein großer Theatergänger gewesen. „Ich war damals Schriftführer und wollte mit den Theaterstücken Geld für die Vereinskasse sammeln“, erklärt er. Doch diese Aufgabe habe sich von Anfang an richtig angefühlt. „Es hat immer sehr viel Spaß gemacht, also habe ich weitergemacht!“ Mit seiner rein ehrenamtlichen Theatergruppe und den meist ausverkauften Vorstellungen trug Kühnlein auch zur finanziellen Stabilität des Vereins bei.

Leiter und Motivator

1976 übernahm er die Leitung der Theatergruppe. Er fungierte als Drehbuchautor, Regisseur, Bühnenbildner und Schauspieler. Mit großem Einsatz sei es ihm Jahr für Jahr gelungen, Menschen für das Schauspiel zu motivieren, die Schauspielgruppe zu erweitern und Kinder aus der Region mit Märchen- und Weihnachtsstücken an Bühnenauftritte und das Schauspiel heranzuführen.

Die Theatergruppe des Sportvereins Rasch spielt bekannte Stücke wie „Die drei Eisbären“ oder „Das sündige Dorf“, aber auch von Kühnlein neu entdeckte Werke. Eine große Inspiration für ihn sei der alle sieben bis acht Jahre erscheinende Katalog des Wilhelm-Köhler-Theaterverlags in München, in dem auch schon Fotos seiner Theatergruppe zu finden waren. „Ich schau mir die Inhaltsangaben der Theaterstücke an und suche heraus, was ins Fränkische passen könnte“, erzählt Kühnlein. Durch seine Regiearbeit erhalten die Stücke nämlich immer einen örtlichen Bezug. Sei es durch die Adaption der heimischen Mundart oder durch lokale Besonderheiten, die er geschickt in die Handlung einbaut. Das Stück „Die Ledigensteuer“ war 1998 so erfolgreich, dass es von verschiedenen TV-Sendern aufgezeichnet und das „Rascher Bauerntheater“ überregional bekannt wurde.

Es ist zwar schwierig zu sagen, aber das ist wahrscheinlich auch mein persönliches Lieblingsstück“, ergänzt er. „Die Ledigensteuer“ sei auch unter den ersten Stücken gewesen, die die Theatergruppe aufgeführt hat. „Zu unserem 25-jährigen Jubiläum haben wir es dann wieder aufgegriffen und sieben- bis achtmal gespielt.

„Jetzt hamma den Salat“

Vor der Pandemie und den damit einhergehenden Schließungen und Einschränkungen hat Kühnlein am Theaterstück „Jetzt hamma den Salat“ gearbeitet. Thematisch handelt das Stück von der aktuellen Tierhaltung und der Lebensmittelindustrie. „Es ist ein schönes Stück, war schon fast fertig und die Aufführung war bereits ausverkauft“, sagt er rückblickend. Sobald es die Pandemie wieder zulässt, werde das Stück gespielt, versichert Kühnlein. Über die Auszeichnung durch Landrat Armin Kroder freue er sich in diesen Zeiten sehr. Einen bestimmten Platz habe er für die Medaille noch nicht gefunden. „Ich habe aber eine Vitrine, da werde ich den Orden wahrscheinlich reinstellen“, sagt er bescheiden. „Das gute Ding verstauben zu lassen, wäre zu schade.

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