40-jähriges Bestehen

Großes Böllerschützentreffen beim SSV Dietershofen

Krönender Abschluss des Platzschießens: Der Zugsalut, bei dem alle knapp 300 Handböller, die neun Standböller und die 13 Kanonen gleichzeitig feuerten. | Foto: Porta2019/06/DSC_0466.jpeg

DIETERSHOFEN – Was für eine „Geburtstagsparty“: Die Böllerschützen des SSV Dietershofen haben beim 19. Nordbayerischen Böllerschützentreffen gemeinsam mit über 300 Anhängern der jahrhundertealten Tradition ihr 40-jähriges Bestehen standesgemäß – und lautstark – gefeiert.

Ob „Echofeuer“, „gegenläufiges schnelles Reihenfeuer“ oder „Salut“ – die Darbietungen der fachkundigen Freunde der traditionellen, vermutlich seit dem 14. oder 15. Jahrhundert tief im bairisch-österreichischen Brauchtum verwurzelten voluminösen Vorderlader sorgten für viele „Ohs“ und „Ahs“ bei den zahlreich zu der großen Wiese südlich von Dietershofen gepilgerten Zuschauern.

Besonders viel Qualm – und auch Lärm – fabrizierten die 13 weiter oben aufgestellten Kanonen und die neun am Gegenhang platzierten Standböller, deren donnernde Salven bis weit über das Tal hinaus zu hören waren. „Das war ein perfektes Platzschießen“, lobte Dietershofens Schützenmeister Klaus Elterlein nach den sechs Schussfolgen im gut gefüllten Festzelt der gleichzeitig ihren 150. Geburtstag feiernden Freiwilligen Feuerwehr Kirchensittenbach. „Am wichtigsten aber ist, dass nichts passiert ist.“

Tracht gehört dazu

Schließlich ist das zur Abwehr böser Geister vor allem an Festtagen wie Hochzeiten, Kirchweihen, Raunächten oder auch an Weihnachten praktizierte Böllerschießen alles andere als ein harmloser Zeitvertreib – ohne spezielle Prüfung und eine Beschussbescheinigung dürfen die traditionsgemäß meist in zünftiger Tracht auftretenden Schützen ihre Hand- oder Schaftböller nicht abfeuern.

Das spiegelt sich auch in der Vorbereitung auf die einzelnen Schüsse wider – ein striktes, von Klaus Elterlein mit lauten Kommandos an alle Beteiligten weitergegebenes Prozedere. Nach dem Einfüllen des Schwarzpulvers fordert er die Schützen zum „Verdämmen“ auf, worauf diese das Pulver mit einem Korken und einem Hämmerchen im Rohr verdichten. Danach heißt es „Zündhütchen setzen“, „Spannt den Hahn“ und „Böller hoch“.

Mächtige Knaller

Dann kann es losgehen: Je nachdem, welche Schussfolge angesagt wurde, lassen es die in vier langen Zügen angetretenen, über 300 Böllerschützen aus Nordbayern, Thüringen, Sachsen und Baden-Württemberg – die mit über 300 Kilometern weiteste Anreise nahmen fünf Mitglieder der „Kraterböller“ von Germania Grosselfingen im Zollernalbkreis (bei Balingen) auf sich – mächtig knallen und qualmen. Beim „Flächenfeuer“ etwa gab jedes Mitglied der einzelnen Züge in einer „schnellen Reihe“ in kurzen Abständen hintereinander einen Schuss ab, beim „Echofeuer“ abwechselnd von links und rechts außen nach innen und beim „Zugsalut“ alle gemeinsam.

Am Ende ergab das, so Elterlein, eine „tolle Werbung für unser Hobby – das sinnfreie Verkorken von Pulver, um Rauch in die Luft zu blasen“. Allein dafür hatten sich einige Schützen der SG Zellingen aus dem unterfränkischen Main-Spessart-Kreis schon am Freitag in ihre Ledermonturen geschwungen, um die knapp 150 Kilometer im Sattel ihrer Mofas zu überbrücken.

Ein dickes Lob für die Ausrichtung des großen „Familientreffens“ mit den über 60 Gruppen bekam der SSV Dietershofen von Erich Kussberger, Präsident des Bundesverbands der Böllerschützen (AKNB): „Ein gelungenes Schießen und ein gut organisiertes Fest“, sagte er. Mit seinem „Vize“ Wolfgang Schwadtke überreichte er SSV-Böllerkommandant Peter Löffler zudem für dessen langjährige Verdienste um die urbairische Tradition die silberne Verdienstnadel seines Verbandes.

Gutes Miteinander

Auch Kirchensittenbachs Bürgermeister Klaus Albrecht und die schon vor drei Jahren vom SSV Dietershofen als Schirmherrin angefragte, frischgebackene Europaparlamentarierin Marlene Mortler waren sichtlich angetan von den Vorführungen der Böllerschützen: „Beeindruckend, das gesehen – und gehört – zu haben“, sagte Albrecht, der sich zugleich darüber freute, dass die gemeinsame „Geburtstagsfeier“ von Schützen und Feuerwehr einmal mehr exemplarisch für das gute Miteinander der Vereine im Sittenbachtal stand.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta