17 Hektar im Sebalder Reichswald werden durchforstet

Harvester im Einsatz auf der Ludwigshöhe

Nahe der Ludwigshöhe werden bereits die künftigen Rückegassen freigeschnitten.
Nahe der Ludwigshöhe werden bereits die künftigen Rückegassen freigeschnitten. | Foto: Sichelstiel2016/04/ludwigshohe-freischneider-staatsforsten-wald.jpg

RÜCKERSDORF/LAUF — Die Bayerischen Staatsforsten durchforsten in den kommenden Wochen ein 17 Hektar großes Gebiet im Reichswald zwischen Rückersdorf und Lauf. Unter anderem werden dafür neue Rückegassen nahe der Ludwigshöhe angelegt, wo es bisher nicht überall solche Schneisen gibt. Das Unternehmen, dem Kritiker Profitstreben vorwerfen, ist auf Gegenwind eingestellt.

Auf einer Fläche von etwa 24 Fußballfeldern nördlich der Ludwigshöhe sollen demnächst Harvester – große Erntemaschinen –ihren Dienst tun. Michael Kutscher, der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Nürnberg, rechnet mit bis zu 1500 Kubikmetern Holz, die anfallen. Abnehmer seien Sägewerke im Umkreis von rund 150 Kilometern.

Die Harvester benötigen sogenannte Rückegassen, Schneisen im Wald, die etwa 30 Meter auseinander liegen. Vor allem nahe der Ludwigshöhe müssen diese erst angelegt werden. Die Vorarbeiten dafür haben begonnen. Auch wenn die Staatforsten nach eigenem Bekunden viel Rücksicht auf Spaziergänger und Mountainbiker nehmen und etwa entlang des mit Blaustrich markierten Wanderwegs in Richtung Nürnberg keine Rückegassen anlegen: Für viele Waldbesucher dürfte der Anblick ein Kulturschock sein. Die Rückersdorfer verehren noch heute den 2008 gestorbenen Förster Helmut Reingruber, der den Maschineneinsatz ablehnte.

Kutscher vom Forstbetrieb wirbt um Verständnis. Mit Harvestern werde der Wald nicht „flächig befahren“, das sei gut für den Boden. Nur auf den Rückegassen hinterließen die 80 Zentimeter breiten Reifen Spuren, die aber in der Regel nicht tief seien.

Beim Holzeinschlag achten die Staatsforsten laut Kutscher in erster Linie auf Nachhaltigkeit. Vor allem werden demnach große Fichten und Kiefern gefällt, die jungen Bäumen das Licht nehmen. Damit kommt der Umbau des Sebalder Reichswalds ein Stück voran: In der Regel wachsen Buchen und Eichen nach. Je nach Standort, so Kutscher, werde man aber auch wieder Kiefern anpflanzen. Das Ziel sei ein gesunder Mischwald, nicht der „hochgradige Kunstforst“, der der Reichwald traditionell sei.

Vor allem die Ortsgruppe des Bund Naturschutz kritisiert seit Jahren die Fällaktionen rund um Lauf. Claudia Blank, die Waldschutzbeauftagte, hat über 1000 Unterschriften gesammelt. Sie schreibt in einem Protestbrief: „Mittlerweile ist fast der gesamte Nürnberger Reichswald von einem systematischen Netz ‚dauerhaft freibleibender‘ Schneisen durchzogen. Ohne Rücksicht  auf Vogelbrutzeiten fahren dort die schweren Holzerntemaschinen ganzjährig – selbst in Natur- und Vogelschutzgebieten.“ Die „Gemeinwohlfunktionen“ des Walds müssten gegenüber wirtschaftlichen Interessen wieder mehr in den Vordergrund rücken.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel