Kundgebung gegen Abschiebung in Lauf

Einsatz für Ashot

Zahlreiche Ehrenamtliche und Interessierte verfolgten die Beiträge der Kundgebung auf dem Laufer Marktplatz. Das Bild zeigt die Vertreterin des Helferkreises „Neuhaus hilft“ am Mikrofon (vorne). | Foto: Decker2018/02/Kundgebung_Armenier-ahot-laufer-marktplatz-e1517770353887.jpg

LAUF — Über 150 Teilnehmer sind dem Aufruf von Parteien und Helferkreisen gefolgt und haben sich bei einer Kundgebung in Lauf mit der Flüchtlingsfamilie des nach Armenien abgeschobenen Ashot Aharonyan solidarisch erklärt.

Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt waren zahlreiche Bürger zu der Veranstaltung auf dem Oberen Marktplatz in Lauf gekommen. Die von MUT-Partei, Die Linke, Bunte Liste und Die Piraten beantragte Veranstaltung war ausdrücklich überparteilich ausgerichtet und verlief völlig friedlich. Neben Redebeiträgen der Parteien- und Interessenvertreter, die im Zuge der knapp zweistündigen Veranstaltung immer wieder von musikalischen Trommeleinlagen aufgelockert wurden, standen die Äußerungen des Helferkreises „Neuhaus hilft“ im Mittelpunkt.

Kritik an den Behörden

Ingrid Buchfelder, die Vertreterin dieses etwa 15 Ehrenamtliche umfassenden Kreises, berichtete über die seit der Abschiebung Ashots extrem verschlechterte Situation, insbesondere in Bezug auf die pflegebedürftige Mutter des jungen Mannes. Die Familie zu unterstützten brächte die drei ständigen Helfer in der Neuhauser Asylunterkunft an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Von den Behörden und anderen offiziellen Stellen erhielten sie dabei keine oder nur mangelnde Unterstützung. Von „Missmanagement“ war gar die Rede.

Ausdrücklich nahm Buchfelder in ihrer Kritik das Laufer Landrats­amt aus: Von Landrat Armin Kroder und auch dem örtlichen Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel erhoffe man sich in den kommenden Tagen Unterstützung, ebenso durch eine von der Landessynode der Evangelischen Kirche Bayern eingereichte Unterschriftenliste, die von 800 Unterstützern getragen wird.

Der Fall Ashot hatte in den vergangenen Tagen auch überregional für Aufsehen und Empörung gesorgt (die PZ berichtete). Der 18-jährige Armenier, der 2014 illegal in die Bundesrepublik eingereist war, wurde am 16. Januar in seine Heimat abgeschoben. Und das, obwohl das Amtsgericht Hersbruck dem jungen Mann bescheinigt hatte, dass er als Betreuer für seine schwerkranke Mutter – sie leidet an einem Gehirntumor – unverzichtbar sei. Ashot hatte innerhalb kürzester Zeit Deutsch gelernt und den Mittleren Schulabschluss erreicht. Seit September besuchte er die Fachoberschule in Nürnberg. Daneben kümmerte er sich um seine erkrankte Mutter und den schwerbehinderten Vater.

Nicht nur Vertreter der ehrenamtlichen Helferkreise aus dem gesamten Landkreis, auch zahlreiche Passanten und Interessierte äußerten ihr Unverständnis darüber, wie es zu einer solch „skandalösen Abschiebung“ kommen konnte, die letztlich durch eine Entscheidung der Zentralen Ausländerbehörde Mittelfranken (ZAB) in Nürnberg ins Rollen gekommen war.

„Rücksicht im Einzelfall“

Neben Erwartungen an die Asylpolitik (zum Beispiel „mehr Rücksicht im Einzelfall“, „Ermessensspielräume nutzen“, „nicht immer mehr Verantwortung auf Helferkreise abwälzen“) wurde auch an die Ehrenamtlichen appelliert, sich nicht entmutigen zu lassen. Sie sollten weiter gegen Unrecht, Intoleranz und Unbarmherzigkeit ankämpfen. „Unsere christliche Überzeugung ist der Motor unseres Handelns“, war aus dem Neuhauser Helferkreis zu hören. Dieser bittet auch weiterhin dringend um personelle, aber auch finanzielle Unterstützung, um seine Arbeit fortsetzen zu können.

Oftmals wurden die Beiträge von spontanem Applaus unterbrochen: ein Zeichen für Zustimmung und Solidarität. Ashots schwerbehinderter Vater war selbst bei der Kundgebung anwesend. Er bedankte sich am Schluss – sichtlich gerührt – für die Unterstützung.

Der Helferkreis „Neuhaus hilft“ bittet um Spenden für den Fall Ashot.Spendenkonto: IBAN DE51 7606 1482 0002 9006 61; BIC GENODEF1HSB; Evang.-Luth. Pfarramt Velden, Stichwort „Neuhaushilft“.

Bernd Decker/Tina Braun

N-Land Bernd Decker
Bernd Decker