Immobilienpreise steigen weiter

Wer kann sich ein Haus noch leisten?

Ob Wohnung, Reihenhaus – wie hier im Neubaugebiet Steinberg II in Röthenbach – oder freistehendes Einfamilienhaus: Die Preise im Landkreis steigen und steigen. | Foto: Beck2021/09/Neubaugebiet_Steinberg_II_R_thenbach_-crop-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Der mittlere Preis für ein Einfamilienhaus im Nürnberger Land lag nach Angaben des Immobilienportals immowelt.de im ersten Halbjahr 2021 bei über einer halben Million Euro. Doch im bayernweiten Vergleich geht es noch deutlich teurer.

Seit einem halben Jahr suchen Svenja Fuchs und ihr Freund Kevin (Namen geändert) schon nach einem neuen Zuhause. Maximal 450 .000 Euro soll es kosten, schließlich kommen ja noch Makler- und Notargebühren hinzu, ein kleiner Garten ist ebenso Voraussetzung wie die Lage: etwa 15 Kilometer im Umkreis von Hersbruck. Da sollte sich doch etwas finden lassen, sei es ein Häuschen oder eine Wohnung.

Von wegen. Die 30-Jährige und ihr 27-jähriger Partner sind frustriert. „Zu diesem Preis findet man einfach kein Haus“, sagt Svenja Fuchs, „und wenn doch, dann nur eines mit starkem Renovierungsbedarf“. Aber Renovierungskosten, hat die Hausbank das kinderlose Paar bereits gewarnt, seien momentan nur schwer zu kalkulieren. Also noch mehr Geld einplanen? „Wir würden uns schon jetzt für 40 Jahre verschulden, trotz Eigenkapital“, sagt die junge Frau.

Hinzu kommt, dass die Konkurrenz groß ist: „Uns ist es zweimal passiert, dass wir bereits einen Besichtigungstermin vereinbart hatten und dann der Makler anrief, um abzusagen, weil die Häuser bereits verkauft wurden.“

Medianpreis bei 505.000 Euro

Eine gestern veröffentlichte Preisanalyse des Portals immowelt.de bestätigt den Eindruck des Paares: Der Median, also der mittlere Preis, für ein Einfamilienhaus im Nürnberger Land lag im ersten Halbjahr 2021 bei 505.000 Euro. Ausgewertet hat immowelt.de dafür nur stark nachgefragte Inserate für Neubau- wie Bestandsimmobilien. Wohlgemerkt: In die Statistik flossen die Angebotspreise ein. Für welche Summe die Häuser tatsächlich verkauft wurden, bleibt unklar.

Doch andere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen: So beziffern die Immobilienvermittler der Sparkasse die Preisspanne für freistehendes Einfamilienhaus in Lauf auf bis 1,2 Millionen Euro, wobei die meisten verzeichneten Angebote bei 480.000 Euro liegen. Auch für ein Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte werden überlicherweise über 400.000 Euro fälllig.

Wer neu bauen will, muss mit einem Grundstückspreis von 430 Euro pro Quadratmeter rechnen, zumindest war das der am häufigsten genannte Preis. Aufgerufen wurden in der Pegnitzstadt dafür aber in der Spitze auch über 1000 Euro.

Wohnungen im Bestand kosteten laut Postbank-Preisindex im vergangenen Jahr im Nürnberger Land zwischen 2500 und 3100 Euro pro Quadratmeter.

Für sinkende Preise spricht wenig

Svenja Fuchs und ihr Freund hoffen auf den Faktor Zeit. Die beiden haben schon eine kleine Eigentumswohnung, „und wir setzen darauf, dass wir länger suchen können“. Aber für sinkende Preise spricht wenig: Der Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken hat gerade erst einen neuen Höchstwert erreicht. Die Immobilienpreise stiegen im zweiten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent.

Jens Tolckmitt, der Hauptgeschäftsführer des Verbands, sagt: „Wohnimmobilien erfahren eine konstant starke Nachfrage, mit der das Angebot nicht mithalten kann.“ Er führt diese Entwicklung unter anderem auf die Pandemie zurück. Daten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung belegen dies. 13 Prozent der jungen und mittelalten Großstadtbewohner planen einen Umzug, so das Ergebnis einer Umfrage unter 18000 Personen. 46 Prozent der Befragten mit kurzfristigen Umzugsplänen geben an, dass sie durch die Corona-Pandemie beeinflusst wurden. Die Lockdowns haben bei ihnen den Wunsch nach einem Eigenheim genährt. Viele würden dafür sogar den Speckgürtel verlassen, in noch ländlichere Räume ziehen.

Lieber das Nürnberger Land verlassen?

Mit diesem Gedanken spielt auch Svenja Fuchs. Sie überlegt, den Landkreis zu verlassen: „Plech zum Beispiel wäre für uns nie in Frage gekommen, aber je länger man sucht …“ Dort sind die Preise niedriger – und die A  9 sorgt für eine gute Anbindung.

Wenig Trost hingegen bietet für das Paar die Feststellung, dass die Medianpreise in anderen Landkreisen noch deutlich höher als im Nürnberger Land liegen. Das Einfamilienhaus im Münchner Umland kostet schnell über eine Million Euro.

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