Elf Kilometer von Speikern

Wanderung zum Hansgörgl, dem“Rigi des Pegnitztals“

Der Dorfweiher in Leuzenberg mit Blick auf den Hansgörgl. | Foto: Moritz2022/02/reise_moritz_hansg_rl__dorfweiher_leuzenberg-crop-scaled.jpg

SPEIKERN – Unser heutiger Tipp kommt von Wanderautorin Christa Moritz und ist ein elf Kilometer langer Rundgang von Speikern auf den Hansgörgl und zurück.

Der Kleine und der Große Hansgörgl sind mir von jeher ein Begriff, dass man aber auch vom „Rigi des Pegnitztals“ spricht, ist mir neu. Das weiß ich erst seit ich vor dem Gipfelkreuz am Großen Hansgörgl gestanden bin.

Einfach mal wieder raus wollte ich und am liebsten auf einen Berg. Da ist mir der Hansgörgl eingefallen. Ich fahre bis Speikern, an der Hopfenscheune vorbei und bis zum Ende der Reichenschwander Straße. Los geht es mit den Markierungen Blaukreuz und weiße Sechs auf rotem Grund.

Ideal zum Warmwerden

Der bequeme Weg ist ideal zum Warmwerden. Rechts und links von mir Hopfenstangen-Felder. In Speikern hat der Hopfenanbau eine lange Tradition. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts kam Hopfen aus der Hersbrucker Gegend zur damaligen Hopfen-Hochburg nach Nürnberg, wo es etwa 360 Hopfenhändler gab.

Idyllisch ist der Blick vom Hang des Hansgörgls auf Leuzenberg und die sanften Hügel des Nürnberger Lands.2022/02/reise_moritz_hansg_rl_blick_auf_leuzenberg-crop-scaled.jpg


Durch Leuzenberg

Zwei Reiterinnen kommen mir entgegen und grüßen freundlich. Linker Hand fällt mein Blick auf einen aufwendig gebauten Hochsitz. Nach etwa drei Kilometern erreiche ich das Örtchen Leuzenberg. Ein Hahn kräht zu meiner Begrüßung. Im Dorfweiher spiegeln sich die Häuser. Ich laufe die Dorfstraße entlang und stehe vor dem Leuzenberger Hof. Das Schild am Eingang teilt mit, dass das Gasthaus von Mittwoch bis Sonntag geöffnet hat und der Bauernladen daneben von Donnerstag bis Samstag.

Mit den Wegzeichen schlendere ich die Dorfstraße entlang und wieder aus dem Ort hinaus. Fränkische Hingucker: die Scheune mit dem blauen Tor und die alten Sandsteinhäuser. Noch etwa 1,7 Kilometer sind es ab hier bis zum Gipfel des Hansgörgl.

Abstecher zur Aussicht

Bevor ich aber mit Blaukreuz und der Sechs weiter nach rechts am Bach entlang marschiere, steige ich auf dem Feldweg ein Stück bergauf, denn von da oben bietet sich ein schöner Blick auf Leuzenberg und den Moritzberg im Hintergrund.

Dann folge ich den Markierungen an einem kleinen Weiher und an Wiesen vorbei in den Wald. Jetzt wird es spannend. Umgestürzte Bäume liegen kreuz und quer. An der Stelle, wo der Bach über kleine Sinterterrassen herabsprudelt, würde es steil nach oben gehen, ich aber ziehe den angenehmeren Pfad nach links vor. Da muss ich zwar auch über einige Stämme klettern, aber es geht nur allmählich bergwärts.

An der Quelle

Ich treffe auf einen breiteren Weg, auf dem ich nach rechts gehe. Große bemooste Steine, aus einem Rohr heraussprudelndes Wasser und eine Bank mit Holzschildern darüber machen mich neugierig. Auf den Schildern lese ich, dass es sich hier um eine Quelle handelt, die bis 1990 für die Wasserversorgung von Leuzenberg sorgte. „So lange ist das doch noch gar nicht her“, denke ich für mich.

Die Sinterterrassen am Hansgörgl.2022/02/reise_moritz_hansg_rgl_sinterterrassen-crop-scaled.jpg
Ein Bächlein fließt über die kleinen Sinterterrassen am Hansgörgl. / Foto: Moritz

An einem Baum entdecke ich dann wieder Blaukreuz und mit ihm strebe ich weiter dem Gipfel entgegen. Je höher ich komme, desto mehr Schnee liegt da noch. Das letzte Stück ist nur ein schmaler rutschiger Pfad. Stöcke wären jetzt recht! Dann bin ich oben, habe aber leider keine Aussicht. Die Bäume ringsherum sind zu hoch gewachsen. Derzeit aber, solange noch kein Laub sprießt, kann man wenigstens noch abschnittsweise zwischen den Bäumen hindurch in die Umgebung lugen.

Über bizarre Felsformationen hinweg kämpfe ich mich zu dem kleinen Gipfelkreuz mit dem verblassten Bild eines Pavillons und der Inschrift: „Dieser Pavillon stand bis ca. 1935 hier auf diesem Berg Hansgörgl (601 m) man nannte ihn den Rigi des Pegnitztales. Das Eisen rechts auf dem Fels ist noch Zeitzeuge des Pavillons.“

Berg mit zwei Gipfeln

An sich handelt es sich hier um einen zweigipfeligen Berg, der sich in den Großen und den Kleinen Hansgörgl teilt. Wegen ihrer Lage und ihrer Höhe sind die Gipfel weithin zu sehen. Auf dem Kleinen Hansgörgl sind noch Reste eines Burgstalls erhalten. Funde von Keramik verweisen auf eine Burg im 13. Jahrhundert. Der Name des Berges soll von einem sagenhaften Raubritter und Wilderer stammen.

Für den Rückweg über Reichenschwand wähle ich Gelbkreuz. Rechts des Wegs fällt mir ein Plakat über einen Berg- oder Riesenmammutbaum auf. Ich schaue ihn mir genau an. Wer ihn wohl hier gepflanzt hat? Normalerweise wachsen diese Bäume an den Westhängen der Sierra Nevada in Kalifornien. Sie können bis 95 Meter hoch werden mit einem Stammdurchmesser bis zwölf Meter.

Weitgehend breite Forstwege bringen mich schnell nach Reichenschwand. Am Bahnhof und an den Bahngleisen entlang folge ich den Markierungen der Goldenen Straße, des Marienwegs und der Nr. Zwei. An vielen Neubauten vorbei, dann über Felder, bin ich bald wieder bei meinem Auto angelangt. Irgendwann gehe ich mal hinein, nehme ich mir beim Vorbeifahren am Hopfenmuseum vor. Von Mai bis Oktober hat es an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 16.30 Uhr geöffnet (Telefon: 09123/75640).

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