Zukunft des Neunkirchener Krippenweg ungewiss

Trauriges Ende einer Tradition

Franz Semlinger präsentierte 2018 letztmals als Verantwortlicher den Neunkirchener Krippenweg. Wie es in Zukunft mit dem Projekt weitergeht, steht in den Sternen. | Foto: Märtl2019/12/Krippenweg-Neunkirchen-Semlinger-Foto-Martl.jpg

Neunkirchen – 22 Jahre lang gab es in Neunkirchen einen Krippenweg in der Adventszeit. 22 Jahre lang wurde er organisiert von Franz Semlinger, dem Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Neunkirchen (HGVN). Es war sein Projekt, sein Baby. Mehr als 5000 Besucher sollen es laut Semlinger 2018 gewesen sein, zu sehen waren an 50 Standorten 75 Krippen aus aller Herren Länder. Für Fans von Weihnachtskrippen war Neunkirchen im Advent ein Schla­raffenland.

Diesmal gibt es in Neunkirchen keine Krippen zu besichtigen. Franz Semlinger hatte bei der Eröffnung 2018 verkündet, die Organisation des Krippenwegs abzugeben. „Wenn sich kein neuer Verantwortlicher findet, dann war dies der letzte große Krippenrundweg“, sagte der 72-Jährige.

Wer hätte damals geglaubt, dass es wirklich so weit kommt?

Schnell gab es die Idee, die Veranstaltung ohne Semlinger fortzuführen. Bürgermeisterin Martina Baumann lud Gerhard Ott, den stellvertretenden Vorsitzenden des HGVN, im Januar zu einem Vieraugengespräch ein. Ihr sei es darum gegangen, für eine Fortsetzung des Krippenwegs zu sorgen. Baumann möchte sich aktuell nicht äußern, wie sie der PZ mitteilte.

Neue Planungen ohne Franz Semlinger

Franz Semlinger war nicht eingeladen, er wusste nichts von dem Treffen. Das sei „kein böser Wille“ gewesen, so Ott. Der Vereinsvorsitzende hatte ja angekündigt, den Krippenweg nicht mehr organisieren zu wollen. „Ich wollte ihn schützen.“

Semlinger gilt als Arbeitstier, als Macher, aber auch als jemand, der sich nicht reinreden lässt und lieber seine Vorstellungen durchsetzt.

Semlinger klagt, Bürgermeisterin Martina Baumann, die selbst Mitglied im HGVN ist, „hat sich nie für den Krippenweg interessiert“. Die Gemeinde tue viel zu wenig. 500 Euro zahlte Neunkirchen jährlich für den Krippenweg, Semlinger sagt, allein die Werbeflyer kosteten mehr.

Teurer Krippenweg

Fast jedes Jahr habe der Verein draufgezahlt. Bis zu 6000 Euro fielen an, die Einnahmen des Hopfenfests, das der HGVN einmal jährlich ausrichtet, hätten das teilweise kompensiert. 1500 Arbeitsstunden seien für die Vereinsmitglieder jedes Jahr angefallen, er selbst sei von Anfang November bis 7. Januar täglich aktiv gewesen. Die Vorbereitung, das Krippenaufstellen, dann den Weg abfahren, kontrollieren, ob alles passt.

Den Krippenweg habe der HGVN „für die Gemeinde gemacht“, mit den Tätigkeiten anderer Vereine im Ort sei das Projekt also nicht zu vergleichen. Semlinger hatte auch angefragt, ob der Bauhof die 15 schwersten Krippen selbst aufstellen könnte, die meisten HGVN-Mitglieder seien jenseits der 70, die Arbeit sei anstrengend. Doch dafür habe es keine verbindliche Zusage gegeben.

Baumann suchte ein Freiwilligenteam

Baumann hatte nach dem Treffen mit Ott Anfang 2019 öffentlich angekündigt, mit einigen Helfern dafür zu sorgen, dass der Krippenweg fortgeführt werden kann. Es fand sich auch ein Freiwilligenteam, laut Ott auf Initiative von Baumann hin, bestehend größtenteils aus HGVN-­Mitgliedern – ohne Semlinger.

Dieser sagt, Ott habe bei einer HGVN-­Vorstandssitzung im März zu diesen Plänen geschwiegen. Auch die Bürgermeisterin sei lange nicht auf den Verein zugegangen. Erst im Mai habe Ott den Verein informiert.

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Ott entgegnet, im März sei noch nichts entschieden gewesen, bei einem späteren Treffen mit Baumann habe er Semlinger eingeweiht. Allerdings plante das Organisationsteam, den Krippenweg anders aufzuziehen als bisher.

Neugestaltung war geplant

Mehr Krippen als bisher sollten im Ortskern stehen, es wäre dadurch vermutlich nicht mehr der längste Krippenrundweg Deutschlands gewesen, mit dem sich der HGVN rühmte. Das Orga-Team habe im Verein für die neuen Pläne geworben, ohne Unterstützung der Mitglieder sei die Veranstaltung nicht zu stemmen. Die Gemeinde hatte deutlich gemacht, dass sie den Krippenweg nicht selbst organisieren will.

Doch bei einer außerordentlichen Vorstandssitzung des HGVN im Frühsommer fiel der Beschluss, die Trägerschaft in diesem Jahr nicht zu übernehmen. Ott sagt, Semlinger hatte zuvor angedeutet, den Plänen wohlwollend gegenüberzustehen. Doch in der Sitzung äußerte der Vorsitzende überraschend rechtliche und finanzielle Bedenken. Semlinger sagt, ein Orga-Team als Entscheider, der Verein ohne Mitsprache – „das geht nicht“. Und die Änderungen habe der Verein nicht mittragen wollen. Die Entscheidung fiel knapp.

Der Krippenweg war ohne die Hilfe der Mitglieder gestorben, sagt Ott. Es folgte die Absage der Veranstaltung – seitens der Bürgermeisterin, nicht des Vereins.

Kaum Hoffnung für die Zukunft

Die Zukunft des Krippenwegs steht in den Sternen. Ende Januar stehen Neuwahlen beim HGVN an. Semlinger hat bereits angekündigt, als Vorsitzender nicht mehr zu kandidieren, auch Ott will sich zurückziehen. Ein neuer Vorsitzender ist nicht in Sicht, notfalls müsste Semlinger also kommissarisch weitermachen. Und ohne HGVN oder an ihm vorbei wird es einen Krippenweg nicht geben.

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