Bei Großbellhofen

Streit um Sandabbau

Geschäftsführerin Lisa Hammerand vor einem der beiden riesigen künstlichen Seen im Firmenareal bei Großbellhofen. Das Unternehmen möchte die Abbausohle im Nassabbau vertiefen und in einer trockenen Mulde Erdaushub der Qualität Z2 verfüllen. Was das Bergamt erlaubt, will der Markt nun verhindern. | Foto: Andreas Kirchmayer2019/08/Sand-Hammerand-Lisa-Grossbellhofen-kir.jpg

GROSSBELLHOFEN — Seit rund 50 Jahren baut die Firma Hammerand bei Großbellhofen Quarzsand ab. Geht es nach dem Markt Schnaittach, ist damit Schluss. Die Gemeinde wehrt sich juristisch gegen neue Bestimmungen beim Abbau und beim Verfüllen von Erdaushub. Doch das Berg­amt in Bayreuth hat bereits sein Okay gegeben.

Für ihre Firma geht es um nicht weniger als die eigene Existenz, sagt Lisa Hammerand, die Geschäftsführerin. Die 28-Jährige ist die Tochter des 2017 gestorbenen Unternehmensgründers Hans Hammerand, ein Dutzend Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb. Was passiert, wenn die Gemeinde vor Gericht siegt? „Betriebsschließung, Entlassung aller Mitarbeiter“, sagt die 28-Jährige.

Genehmigt ist der Firma seitens der Behörden der Abbau von Quarzsand auch im sogenannten Nassabbau bis zu einer gewissen Tiefe. Die damit erreichbaren Bestände seien aber erschöpft, so Lisa Hammerand. Die Firma hat Ende 2018 eine Planung beim Bergamt in Bayreuth eingereicht, die die Vertiefung der Abbausohle um sieben Meter vorsieht.

Mulden sollen mit Aushub verfüllt werden

Zudem geht es um die Verfüllung von trockenen Mulden auf dem weitläufigen Firmenareal mit Erdaushub. Seit Jahren macht Hammerand auch ein Geschäft damit, Privatleuten und Baufirmen Erdaushub der Klasse Z.1.1 abzunehmen. Das soll noch ausgebaut werden, nun möchte Hammerand auch vorher untersuchten Aushub der Klasse Z.2 in trockenen Mulden als Rekultivierungsmaßnahme verfüllen. Das Bergamt genehmigt das, die Marktgemeinde ist dagegen.

„Der Bedarf an Auffüllflächen wächst seit Jahren“, sagt Lisa Ham­merand. Gelände, auf denen Baufirmen aus der Umgebung ihren Erdaushub unterbringen können, würden dringend gebraucht. Im Schnaittachtal sei Hammerand das einzige größere Unternehmen, das diesen Service anbietet. Welchen Preis Hammerand pro Kubikmeter Z.1.1 verlangt und was es bei Z.2 wären, darüber spricht die Firma nicht.

Die Klassifizierung von Z.1.1 und Z.2 erfolgt durch Fachbetriebe, beim Neubau von Häusern entstandener Aushub muss fachgerecht entsorgt werden. „Das Bergamt nimmt die Verfüll­tätigkeiten mehrmals im Jahr in Augenschein. Auch ein externer Gutachter ist mehrmals jährlich vor Ort. Er nimmt zweimal im Jahr von dem rückverfüllten Fremdmaterial Proben und lässt diese in einem Labor untersuchen“, heißt es auf Nachfrage seitens des Bergamtes Bayreuth.

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Lisa Hammerand sagt, die Praxis sei nicht umweltschädlich, es handle sich um Erde, die an anderer Stelle wegen Bauarbeiten als Abfallprodukt anfiel. „Natürlich vorkommende Bodenbestandteile“ wie Zink oder Nickel, betont Hammerand, „Erdmaterial von der grünen Wiese“.

Der Schnaittacher Bauausschuss lehnt die Verfüllung von Z.2 ab. Es handle sich zwar noch nicht um Sondermüll, sagt Bürgermeister Frank Pitterlein, aber das Gremium wolle keine schädlichen Stoffe im Boden. Pitterlein betont im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung auch die Verkehrsbelastung. „Wir wissen, wie viel Schwerverkehr durch Großbellhofen donnert. Wir wollen unbedingt verhindern, dass es noch mehr wird“, so der CSU-Politiker.

Pitterlein: „Gesamtgemeinde im Blick“

„Natürlich wollen wir keine Unternehmen schädigen“, sagt Pitterlein. Doch er müsse die Gesamtgemeinde im Blick haben. Und der Sandabbau bei Großbellhofen könne sowieso nicht unendlich weitergehen.


„Die Nähe zur Autobahn ist ein Problem für Großbellhofen“, räumt Lisa Hammerand ein, der Verkehr sei „eine Belastung für den Ortsteil“. Doch die Firma selbst habe nur vier Lastwagen, an Spitzentagen seien es vielleicht bis zu 25 Fahrzeuge, die das Gelände des Unternehmens ansteuerten. Nicht einmal jeder zehnte Lastwagen, der durch Großbellhofen rollt, habe etwas mit ihrer Firma zu tun, schätzt sie. Mit der Bevölkerung habe es nie Probleme gegeben. Auch künftig gebe es nicht mehr Verkehr.

Sorgen hatte der Markt auch wegen der Standsicherheit eines Dammes entlang des Röttenbachs, der neben dem Firmengrund vorbeifließt. Ein von der Firma in Auftrag gegebenes Gutachten stufe die Vertiefung der Abbausohle aber als unbedenklich ein, sagt Hammerand.

Erstmals überhaupt habe die Firma einen Anwalt einschalten müssen. Verklagt hat die Marktgemeinde das Bergamt, das seit den 1990er Jahren die Entscheidungshoheit für den Betrieb hat. Vorher war das Landrats­amt zuständig.

Durch eine „sofortige Vollziehung“ hat Hammerand vor Gericht erwirkt, dass die Vertiefung der Abbausohle und somit der Nassabbau weitergehen kann. Sonst könne man die Mitarbeiter nicht beschäftigen. Die Verfüllung von Erdaushub bleibt mindestens bis zum Gerichtsurteil verboten.

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