PZ-Sommerserie: Rezepte aus aller Welt

So schmeckt Fernweh

Szegediner Gulasch weckt bei PZ-Redakteurin Isabel Krieger viele Erinnerungen. Welches Gericht lässt bei Ihnen Urlaubsfeeling aufkommen? | Foto: Krieger2020/07/Kochen-Rezepte-Serie-Gulasch_Foto-Isabel-Krieger-scaled.jpg

Mitmachen: Rezepte aus aller Welt

Das Fernweh schmerzt, doch die Erinnerung an wunderbare Orte schmeckt gut.

Weil die Pandemie viele Urlaubs­pläne durchkreuzt hat, holt die Pegnitz-Zeitung das Urlaubsgefühl ins Nürnberger Land. Wir starten eine Serie mit den schönsten Urlaubsrezepten. Schicken Sie uns Ihr Lieblingsrezept von Ihrem Lieblingsort nah oder fern, garniert mit Erinnerungen und einer guten Anleitung zum Nachkochen. Ob Fisch oder Suppe, Coq au Vin oder Cocktail: Wir veröffentlichen die kulinarischen Urlaubsorte 2020. Dazu gibt es die besten Rezepte aus Redaktion, Anzeigenabteilung und Service-Center. Rezepte und Texte einfach an [email protected] senden, dazu bitte Name, Alter, Wohnort und Telefonnummer für Rückfragen sowie eine Kochanleitung und Infos über den Urlaubsort und die Tradition des Gerichts. Und natürlich wünschen wir uns ein schönes Foto!

PZ-Redakteurin Isabel Krieger macht den Anfang

Niederösterreich: Szegediner Gulasch

Meine Familie stammt zu großen Teilen aus Niederösterreich, genauer gesagt aus dem Wiener Becken, einer Gegend, die in so gut wie keinem Reiseführer auftaucht, weil sie weder Berge noch alpenländischen Charme zu bieten hat, sondern flach wie eine Flunder ist und zwischen dem alles überstrahlenden Wien und dem lieblich hügeligen Burgenland nicht ins Auge sticht. Bis 1956 waren russische Besatzer in dem kleinen Ort, in dem meine Mutter aufwuchs, später zogen Kroaten, Serben und Slowenen dorthin, um in der großen Spinnerei und in den Maschinenfabriken der Umgebung zu arbeiten. Flache Gemeindewohnbauten, große Gemüsegärten und ein verfallenes Schloss, das einst einem Grafen Esterhazy gehörte – viel mehr gab es lange nicht. Meine Großmutter, die ihrer Liebe von München aus in die karge Gegend gefolgt war, trotzte Armut und Fremde mit einem liebevoll beackerten Garten und üppiger Küche, deren ungarischen Einschlag sie mit bayerischen Gerichten kreuzte.

Wann immer wir in den Ferien die 716 Kilometer von meiner Heimatstadt in Unterfranken zu meinen Großeltern zurückgelegt hatten, dampfte es auf dem Herd. Es gab Leberknödelsuppe, dazu Soßfleisch oder Szegediner Gulasch. Zu Letzterem entwickelte ich eine leidenschaftliche Liebe. Die Schärfe des ungarischen Rosenpaprikas, kombiniert mit dem säuerlichen Geschmack des eingelegten Krautes und des in Kümmel und Knoblauch gebratenen Rindfleisches, brannte sich ein und wurde zu einem Stück Heimat, so wie das kleine Haus mit dem großen Garten vor den Toren Wiens.

Szegediner Gulasch begleitete später meine Studentenzeit, anfangs kritisch beäugt von den in den 1990er Jahren Chili con Carne liebenden Kommilitonen in Bamberg, die dann doch für Feiern Gulasch bei mir bestellten. Auch meine Kinder mögen das Szegediner. Ich habe, seit sie klein waren, daran gearbeitet, ihnen als Doppelstaatsbürger, die wir drei sind, Geschmack und Bedeutung des Gerichts als ein Stück Heimat beizubringen, indem ich es regelmäßig, vor allem während der Wintermonate, auftische. Im Grunde ist das Kochen eines Szegediner Gulaschs nämlich nichts anderes als die Verkürzung der
Wartezeit, bis es wieder in den Osten Österreichs geht, in das Haus der Großeltern, die längst gestorben sind, wo ich im August endlich wieder sein kann.

Szegediner Gulasch : Rezept für 4 Personen

  • 1 kg mundgerecht geschnittenes Rindergulasch
  • 750 g eingelegtes Weinsauerkraut
  • 2–3 Zwiebeln, gehackt
  • 3–4 Esslöffel Tomatenmark
  • 200 ml saure Sahne oder Crème fraîche
  • Öl oder Schmalz zum Braten
  • Rinderbrühe, Weißweinessig oder Essigessenz
  • Paprikapulver scharf und mild, Knoblauch, Kümmel gerieben, Lorbeerblatt, Salz und Pfeffer

Zubereitung Szegediner Gulasch:

Klein gehackte Zwiebeln dünsten, mit scharfem Paprikapulver und Essig ablöschen, aus dem Topf nehmen. Rindfleisch von allen Seiten scharf anbraten, Kümmel und Knoblauch dazugeben. Die Zwiebeln mit dem Paprika-Essigsud darüber geben, dazu das Sauerkraut und das Lorbeerblatt, umrühren. Topf mit Brühe auffüllen, bis Fleisch und Kraut bedeckt sind, dann das Tomatenmark einrühren, Gulasch salzen und pfeffern. Das Szegediner auf mittlerer Stufe köcheln lassen, bis das Fleisch gar und die Soße gebunden ist, ab und an rühren. Am Ende den Rahm hinzufügen.

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