Tom-Haydn-Trio in Schwarzenbruck

Hommage an den Wiener Dialekt

Drei Männer im besten Alter: Norbert Nagel, Tom Haydn und Andy Blüml sorgten für ganz feine Unterhaltung. Foto: Spieß2016/03/Tom-Haydn-Trio.jpg

SCHWARZENBRUCK – Das KulturNetzwerk Schwarzenbruck hatte den Chansonnier Tom Haydn nach Schwarzenbruck eingeladen – und die Bürgerhalle war voll besetzt. Der Abend stand unter dem Motto „Von Haydn bis Heller“, und der österreichische Sänger und Musiker bescherte gewohnt Bewährtes, manchmal Unerhörtes, viel Eigenes und ein paar „geliehene“ Nummern. Hervorragende Unterstützung bot sein wunderbares „Orchester“: Norbert Nagel und Andreas Blüml. Für den perfekten Sound sorgte Werner Kanzora.

Fritz Schneider vom KulturNetzwerk Schwarzenbruck betonte in seiner Begrüßung, dass derartige Konzerte auch ein hohes Risiko für den Veranstalter darstellten, umso mehr freute er sich über den vollen Saal und bedankte sich herzlich beim Schwarzenbrucker Unternehmer Herbert Rupp für dessen Unterstützung. Ziel sei es, so Schneider, etwa fünf- bis sechsmal im Jahr ähnliche Konzerte zu veranstalten und die Bürgerhalle für solche Zwecke vermehrt zu nutzen.

Um es vorweg zu nehmen: Wenn er weiterhin ein derart niveauvolles Programm realisieren kann, wird dies auch bestimmt gelingen. Denn das Publikum genoss sichtlich den charmant schwadronierenden Chansonnier zwischen seinen zwei musikalischen Leckerbissen Andy Blüml und Norbert Nagel.

Tom Haydn spielt sich selber. Er erzählt viel zwischen den Stücken von früher und jetzt, von dem, was schön ist und dem, was nervt. Sehr gefühlvoll über das, was man vermisst und oft bissig über das, was man am besten vergisst.

Poetisch und pessimistisch

Der mehrfach ausgezeichnete Sänger und Komponist bewegt sich bewusst in einer Melange aus kritischem Liedermacher und gefühlvollem Chansonnier, stets auch ein bisschen Gaukler, oft ein melancholischer Fatalist. Letzteres besonders in seiner bildhaften Sprache, in seiner lyrischen Umsetzung des Schicksalhaften, der Liebe und der Vergänglichkeit.

Dass er dabei gerne mit seinem wienerischen Dialekt kokettiert, das nimmt ihm keiner übel, im Gegenteil, vor allem die weiblichen Konzertbesucher zeigten sich sichtlich angetan.

In positiver Hinsicht fühlt man sich bei seinem Vortrag, den er manchmal auch auf der Gitarre begleitet, bisweilen an Lieder von Klaus Hoffmann oder STS erinnert, im Speziellen natürlich an Alt-Meister Georg Kreisler und André Heller, von denen er drei Nummern wunderbar interpretierte.

Dabei bleibt der Mann aus St. Pölten, der inzwischen in Nürnberg lebt, aber stets in seiner Spur, reiht Wehmütiges an Groteskes, Erinnerung an Gegenwart, Endliches an Vergängliches und Humor an Zorn. Haydn schafft dabei den Spagat von anspruchsvoll bis hin zu populär – ein schwieriges Unterfangen, das nicht viele schaffen.

Seine Stücke sind oft poetisch-pessimistisch, mal ironisch und stets geistreich, am schönsten vielleicht sind seine leisen, melancholischen Balladen, etwa „Du sogst, vielleicht wird‘s wieder wern“ von der letzten CD „Schmähschmelze“ und „Geh, geh, geh“ von der vorletzten „Live & pikant“.

Ganz fein gewebt

Und dafür, dass alles musikalisch so intensiv an die Zuhörerinnen und Zuhörer gebracht wurde, sorgten Multiinstrumentalist Norbert Nagel (Piano, Keyboard, Saxofon und Klarinette) und Ausnahme-Gitarrist Andy Blüml.

Beide sind solistisch virtuos, aber auch Meister der minimalen, eben der genau richtigen Töne. Dabei sind sie in allen Stilen unterwegs, egal ob es rockig, bluesig oder jazzig sein soll – und ab und an singt Nagel sogar eine perfekt sitzende zweite Stimme.

Sensible Intensität

Nicht ohne Grund spricht Haydn auch von seinem „Orchester“: Die beiden Musiker lassen auch nichts vermissen. Ihr rhythmisch akzentuiertes, stets fein gewebtes Zusammenspiel und die Art und Weise, wie sie in die Tasten und Saiten greifen, erzeugt eine ganz besondere sensible Intensität.

Dabei spielen sie sich nie in den Vordergrund – mit Ausnahme zweier Soli – und lassen so den Texten Tom Haydns ihren Raum.

Perfekt – so kann es weitergehen in der Bürgerhalle in Schwarzenbruck.

Erich W. Spieß

N-Land Der Bote
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