Schnaittacher Heimatverein kann sich Rothenberg-Beleuchtung nicht mehr leisten

Ohne Sicherheitskonzept gehen die Festungslichter aus

Der Erhalt der Festungsruine ist teuer, aber lohnenswert, wie diese Kulisse zeigt. Angetan war auch Staatssekretär Albert Füracker (2. v. l.). Rechts: Bernd Schreiber (Schlösserverwaltung)2015/04/99363_FestungRothenbergBesichtigungCSUGRKTFueracker_New_1429290664.jpg

SCHNAITTACH — Die
Barockfestung am Rothenberg ist ein Identifikationsobjekt für die Schnait­tacher und die Region. Außerdem ist sie in ihrer Art einmalig in Europa. Umso mehr braucht die unaufhaltsam bröckelnde Ruine stete Investitionen und allem voran genügend Aufmerksamkeit. Diese Woche war auf CSU-Einladung Finanz-Staatssekretär Albert Füracker da. Er gab Zusagen, verbreitete aber auch Realitätssinn.

„Wir haben ein paar Dinge, die wir ändern wollen“, begann Schnaittachs Bürgermeister Frank Pitterlein, nachdem Füracker und Bernd Schreiber, der Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung, eingetroffen waren. Das Empfangskomitee auf der Brücke bildeten ausschließlich Christsoziale, alle heimischen Abgeordneten sowie Gemeinde- und Kreisräte, die später in der Mannschaftswache auch noch andere Themen besprachen. Zunächst ging es aber um die Festung.

Denn, wie Pitterlein skizzierte, gibt es seit Jahren zwei Kernprobleme: Die Außenmauern wachsen zu und sind deshalb vom Tal aus schlecht zu sehen und das frühere bayerische Bollwerk gegen die fränkischen Nürnberger ist wegen immer strengerer Auflagen kaum noch für Veranstaltungen zu nutzen. Was ein ganz entscheidender Punkt ist. Denn der Heimatverein, der den Festungsbetrieb finanziert, hat seit 2006 kaum noch Einnahmen. Bis vor neun Jahren fanden vor der barocken Kasernenkulisse oder auch in den Kasematten sehr attraktive und lukrative Veranstaltungen statt, zum Beispiel der „Summership“-Rave, Opern („Nabucco“) und viel weiteres Theater. Die damit erwirtschafteten Reserven sind fast aufgebraucht, wie Heimatverein-Vorsitzender Walter Herchenbach gegenüber der PZ erläuterte.

Das Problem dabei: Mit diesem Geld finanziert der Verein etwa 11 000 Euro vom Festungsführer-Gehalt mit, zirka 9000 kommen vom Freistaat, und er bezahlt 4700 Euro für die nächtliche Beleuchtung, 700 trägt die Marktgemeinde bei. Gleichzeitig sind neue, größere Veranstaltungen, die die Kasse wieder füllen könnten, fast unmöglich gemacht: Seit Jahren gilt zum Beispiel, dass aus Sicherheitsgründen nicht mehr als 60 Menschen gleichzeitig die Festung betreten dürfen, weil der Untergrund, die Kasematten-Decke, einstürzen könnte. Die Folge der Einschränkungen: Die Vorstandschaft des Heimatvereins hat bereits beschlossen zu sparen, indem auf die nächtliche Beleuchtung des Wahrzeichens verzichtet werden soll.

Neue schlechte Nachricht

Noch sind diese Probleme nicht gelöst, schon erreichte Herchenbach im März eine neue schlechte Nachricht: eine Helmpflicht für die Kasematten und eine Zugangsbeschränkung auf zeitgleich 20 Personen. So würde eine Besichtigung der attraktiven Wehr-Keller fast unmöglich gemacht, meint er. Die Anschaffung von 50 bis 100 stabilen Kopfbedeckungen ist weniger das Problem, sondern das Handling mit nur einem Mitarbeiter. Deshalb hofft Herchenbach jetzt auf mehr Zuschüsse für eine Zusatzkraft.

Pitterlein möchte dieser Entwicklung gegensteuern, indem die Festung, in deren Erhalt vielfache Millionenbeträge flossen, „wieder den Menschen nahe gebracht wird“. Klar ist bereits: Ab Juni steht die Mannschaftswache Brautpaaren für die standesamtliche Zeremonie zur Verfügung. Der Raum soll noch etwas modernisiert werden, wofür der Staatssekretär Geld zusagte. Auch der Festungsfreischnitt soll auf jeden Fall fortgesetzt werden.

Aber Füracker sagte auch klar, „ich bin nicht mit zehn Millionen Euro gekommen, um die Festung wieder aufzubauen“. Ja, die Ruine sollte „als beste Werbung für unsere Heimat“ wieder besser zugänglich gemacht werden, Voraussetzung dafür sei ein Sicherheitskonzept, als nächster Schritt. Die Beleuchtung sei eine Angelegenheit der Gemeinde.

Bernd Schreiber von der Schlösserverwaltung wehrte ebenfalls eine Anspruchshaltung ab: „Es funktioniert nicht, wenn jemand sagt: Ihr habt das Objekt, jetzt macht mal touristisch etwas.“ Deshalb freue er sich über die Initiative der Marktgemeinde. „Das Helm-Thema werden wir auch noch auf die Reihe bekommen“, sagte er. Generell sollte nicht vergessen werden, dass die Festung wegen Baufehlern aus dem 18. Jahrhundert „irreversibel dem Verfall preisgegeben“ ist. „Wir können nur betonieren“, wie seit Jahrzehnten, und das sei auch die richtige Entscheidung gewesen.

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