Schnaittach muss Konzept aufstellen

Markt möchte aus der Not eine Tugend machen

Blick aufs winterliche Schnaittach vom Rothenberg: Die Marktgemeinde soll künftig klar ihre Ziele benennen und Einzelentscheidungen danach ausrichten. Foto: Schuster2012/12/Schnaittach_v_oben_2__us.jpg

SCHNAITTACH — Schnaittach will seine Bürger wieder mehr in die Kommunalpolitik einbinden. Den Weg ebnen soll ein Entwicklungskonzept für die Marktgemeinde, in dem Ziele formuliert werden, gesteuert von einem externen Fachbüro und erarbeitet von Bürgerarbeitskreisen und Markträten. Fair und Freie Wähler fordern dies schon lange, akut wird das Thema, weil es ohne diesen Generalplan keine weiteren Zuschüsse aus der Städtebauförderung gibt.

Wie geht es weiter mit der Mittelschule, dem früheren Krankenhaus, dem Bahnhof, leer stehenden Gebäuden oder dem Bürgerweiher? Was sind Schnaittachs Besonderheiten und wie lassen sie sich stärken und bewerben; Stichworte: Freibad, Festung am Rothenberg oder die schöne Landschaft? Es gibt viel zu tun in der Gemeinde, aber nicht immer reicht der Einfluss des Marktrates oder Rathauses alleine aus, um entscheidend weiterzukommen. Wenn aber viele zusammenarbeiten, Politiker mit Bürgern und Experten, denen der eigene Ort ein echtes Anliegen ist, dann ließen sich auch ehrgeizigere Ziele formulieren.

Nur wie ist das zu schaffen? Immerhin ist bei Schnaittacher Marktratssitzungen und Bürgerversammlungen mittlerweile erschreckend wenig Interesse an den Themen vor der eigenen Haustür festzustellen. Die Zuhörerzahl tendiert zusehends gegen Null. „Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen zu sehr eingespannt sind. Wir als Politiker müssen die Menschen aber mitnehmen bei Entscheidungen“, sagt Bürgermeister Georg Brandmüller. Das ist schwierig, wenn am Stammtisch zwar halbwissend diskutiert wird, aber die Menschen dennoch nicht aktiv werden, sich nicht einmal bei öffentlichen Veranstaltungen aus erster Hand informieren. „Diese Bringschuld haben sie schon“, meint der Rathauschef.

Angebot zum Mitmachen

Er glaubt, bessere Strukturen könnten helfen, dass die Bürger wieder zuhören und mitmachen wollen, in Arbeitskreisen zum Beispiel. Die Gruppe Fair und auch die Freien Wähler fordern das seit langem, meinen, dass ein Leitbildprozess ähnlich der Dorferneuerung einiges an Know-how mobilisieren könnte, das in Schnaittach zweifellos vorhanden sei. „Es wäre sinnvoll, mit dem Marktrat auch einmal in Klausur zu gehen, sich auch mal Ziele zu stecken, statt immer nur zu reagieren“, lautet Ute Löhrs (Fair) lang gehegter Wunsch.

Wie Thomas Winter (FW) ist sie skeptisch, dass die Kollegen wirklich wollen. Zu gut erinnern sich beide an die mit einigem Enthusiasmus gegründeten Agenda-Gruppen Ende der 90er Jahre und den Wirtschaftsbeirat, der – etwas später – die Marktratsarbeit unterstützen sollte, vom Gremium allerdings nicht akzeptiert wurden. Wie sie vermuten, weil der Marktrat um seine Entscheidungshoheit fürchtete. Jetzt sei es an der Zeit, diese Gelegenheit beim Schopf zu packen.

Ein positives Beispiel führt Bürgermeister Brandmüller an: Bei der Marktplatzmodernisierung nahm der Planer die Anwohner von Anfang an mit ins Boot. Details wurden vor Ort vis-á-vis besprochen. Am Ende waren alle zufrieden. Ein Entwicklungskonzept oder Leitbildprozess bietet dafür nicht nur den Rahmen, sondern funktioniert nur mit den Bürgern.

Die CSU hatte ein Leitbild oder Entwicklungskonzept für Schnaittach bisher „nicht aktiv gefordert“, aber auch nicht abgelehnt, wie Sprecher Johannes Merkel zur Pegnitz-Zeitung sagt. Aber grundsätzlich sei das eine gute Sache, die man positiv begleite.

Es bleibt keine Wahl

Schnaittach hat auch keine Wahl. Denn das Thema kam aktuell nur auf die Tagesordnung, weil die Regierung in einer Fraktionssprecher-Sitzung klargemacht hatte, dass ein städtebauliches Entwicklungskonzept eine unentbehrliche Voraussetzung für Gelder aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ ist. Nach Auskunft der Regierung gegenüber der PZ reicht ein einfaches Leitbild nicht aus: „Ein solches Konzept beinhaltet mehr als ein Leitbild. Es legt für die räumliche Stadtentwicklung inhaltliche Ziele, Perspektiven und Leitlinien als Orientierungsrahmen fest.“

Zunächst gibt es aber noch einigen Klärungsbedarf. Der Bürgermeister fordert vom Rat Geduld ein, meint, der Prozess könne mehrere Jahre dauern. Thomas Winter (FW), der sich mit dem Entwicklungsprogramm im oberbayerischen Hallbergmoos intensiv beschäftigt hat, ist ganz anderer Meinung: ein bis zwei Jahre müssten ausreichen. Fest steht, dass Schnaittach bei weitem nicht die finanziellen Mittel hat wie Lauf oder Röthenbach, die ihre Stadtentwicklung umfassend planen.

Ein Erlanger und ein Eggenfeldener Büro haben sich im Marktgemeinderat bereits vorgestellt. Marktplatzplaner Dieter Blase folgt in einer der nächsten Sitzungen. Aus dem Trio wählt der Marktgemeinderat aus. Freilich nach Rücksprache mit der Regierung. Denn auch hier kann Schnaittach auf Fördermittel nicht verzichten.

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