Auf der Festung Rothenberg wurden bisher versteckte Mauerreste untersucht

Eine Fundgrube für Archäologen

Die beiden Archäologen Petra Kohler und Daniel Ebrecht (rechts und links) zusammen mit Robert Frank von der Bodendenkmalpflege auf der neu entdeckten Mauer der Festung Rothenberg. | Foto: Schuster2016/07/pz-121718_archoeologenfestungmauer.jpg

SCHNAITTACH — Nicht Schatzjäger oder Goldgräber schürften in den letzten Wochen in der Festungsanlage auf dem Rothenberg nach Wertvollem, sondern zwei Archäologen legten bisher versteckte Mauerreste und Steine frei. Der Hintergrund der Aktion war die Sanierung des feuchten Mauerwerks der Mannschaftswache im Torhaus. Finden doch hier hoch über dem Markt Schnaittach seit dem vergangenen Jahr Trauungen statt, und da sollte der Raum einfach nicht feucht sein.

Kein weltbewegender Fund, aber trotzdem wichtig für die Dokumentation, so beschreiben die beiden Archäologen Petra Kohler und Daniel Ebrecht das Ergebnis ihrer Tätigkeit, die sie im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege durchführten.

Diverse kleinere Funde in dem aufgeschütteten Erdwall hinter der Kurtine, also der geraden Verbindung zwischen den Bastionen Amalie und Karl, lassen vermuten, dass die unteren Schichten des Erdschutthügels bis zur parallel angelegten und gerade noch erkennbaren Stützmauer Material aus der Zeit der Ganerbenburg ab 1478 beinhalten.

Beim Freilegen der östlichen Seite des Torhauses zum Verlegen einer Drainage waren die Bauarbeiter sehr schnell auf die bisher versteckten Mauersteine gestoßen. Weil zunächst unklar war, was sich unter der Erdaufschüttung verbirgt, schaltete das staatliche Bauamt die Bodendenkmalpflege ein. Hier machte sich der stellvertretende Dienststellenleiter Robert Frank selbst ein Bild von dieser Fundstelle und beauftragte die Grabungsfachfirma ADA aus Weißenburg zur detaillierten Untersuchung und Dokumentation. Hierfür gibt es einheitliche Richtlinien, damit jederzeit auch für andere Fachleute nachvollziehbar ist, warum welche Schlüsse gezogen werden konnten. Indizien bestätigten die bisherigen Archivarien bezüglich der Bautechnik sowie der verwendeten Steine und des Mörtels.

Steine minderer Qualität

Wegen der im 18. Jahrhundert geforderten schnellen Bauzeit (etwa von 1729 bis 1750) fanden Steine minderer Qualität Verwendung. Deutlich ist dies erst nach dem Freilegen der Außenmauer des Torhauses geworden und damit erhielt man die Bestätigung der Baumängel aus längst vergangener Zeit. Allerdings hatten schon damals während der Erstellung der sternförmigen Festungsanlage die Festungsbauingenieure auf die Mängel beim Bau hingewiesen, insbesondere auch auf die fehlende Abdichtung, die das Eindringen von Regenwasser verhindert hätte.

Daniel Ebrecht vermutet, dass der Aufgang zum oberen Stockwerk neben dem Torhaus spiegelbildlich wie auf der westlichen Seite ausgesehen hatte, hier jedoch aber fest zum Gebäude gehörend und überdacht war.

Durch den Abschluss der Arbeiten, die zügig durchgeführt wurden, konnte damit ein weiteres bautechnisches Detail innerhalb des historischen Gemäuers dokumentiert werden. Robert Frank bescheinigte den beiden Archäologen eine vorbildliche und ordnungsgemäße Durchführung des Auftrags, den man als Laie wohl für eine Ein-Tages-Arbeit eingeschätzt hätte.

Die Festungsbesucher hatten von all dem gar nichts bemerkt, da die Freilegung im abgesperrten Bereich erfolgte, nur die Ziegen verfolgten jeden Tag den Fortgang und waren anfänglich sehr neugierig.

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