Gemeinderat will „Kombiklasse“ verhindern

In vielen Schulen des Landkreises (unser Foto entstand in der Röthenbacher Forstersbergschule) haben sich die jahrgangsgemischten Klassen gut etabliert. Doch um ihre Einführung gibt es fast immer heftige Diskussionen, wie auch der aktuelle Fall in Rückersdorf zeigt. Archivfoto: Buchner-Freiberger2011/06/23919_New_1308124867.jpg

RÜCKERSDORF — Die geplante Einführung einer jahrgangsgemischten Klasse an der Rückersdorfer Waldschule zum kommenden Schuljahr schlägt hohe Wellen. Nach einem Infoabend mit Eltern und Schulleitung hat sich der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung entschieden gegen die „Kombiklasse“ ausgesprochen. Bürgermeister Wiesner will „alle Hebel in Bewegung setzen“, um diese zu verhindern.

42 Anmeldungen von künftigen Erstklässern liegen an der Waldschule vor, in den beiden jetzigen ersten Klassen sitzen insgesamt 37 Schüler. Genügend Kinder also, um im kommenden September zwei erste und zwei zweite Klassen bilden zu können – eigentlich. Doch das Schulamt Nürnberger Land muss sparsam mit den Lehrerstunden umgehen, die es Jahr für Jahr vom Ministerium zugewiesen bekommt. In den letzten Jahren gehörte die Waldschule zu den Profiteuren dieser Verteilung, meist blieben die Klassen klein. Im kommenden September jedoch wendet sich das Blatt: Um anderswo im Landkreis Klassen mit 30 und mehr Schülern zu vermeiden, sollen in Rückersdorf aus vier kleinen Klassen drei größere gemacht werden. Konkret geplant sind eine erste Klasse mit 27 Kindern, eine zweite Klasse mit 28 Kindern und eben eine jahrgangsgemischte Klasse mit 24 Erst- und Zweitklässern.

Ein Großteil der betroffenen Eltern war nach Bekanntwerden Sturm gegen das Vorhaben des Schulamts gelaufen. Sie kritisieren, dass es sich bei der „Kombiklasse“ um ein reines Sparmodell ohne echte Notwendigkeit handle. Auch eine Unterschriftenaktion wurde gestartet. Ein Infoabend, bei dem Lehrer- und Elternvertreter der Volksschule Heuchling über ihre – überwiegend positiven – Erfahrungen mit der jahrgangsgemischten Klasse berichteten, konnte die Vorbehalte gegenüber dem neuen Modell zumindest ein Stück weit ausräumen. Denn tatsächlich haben sich die „Kombiklassen“ – einst aus der Not heraus geboren, um einzügige Grundschulen zu erhalten – in vielen Schulen des Landkreises inzwischen gut etabliert, zum Beispiel an der Forstersbergschule in Röthenbach. Hier gibt es inzwischen nur noch jahrgangsübergreifende Klassen, einige Eltern stellen für ihre Kinder sogar eigens deshalb Gastschulanträge am Forstersberg.

Auch die Rektorin der Rückersdorfer Waldschule, Margarete Sauerwald, steht der Jahrgangsmischung grundsätzlich positiv gegenüber, wenngleich sie freilich lieber mit weniger Schülern und vier statt drei Klassen starten würde. „Ich finde es aber gut, wenn wir beide Modelle anbieten können und Eltern eine Wahlmöglichkeit haben“, machte sie bei der letzten Gemeinderatssitzung deutlich und erntete für ihre Haltung Unverständnis aus den Reihen des Gemeinderats. Vor allem die SPD mit ihrer Sprecherin Heidi Sponsel kritisierte, dass sich Sauerwald „… nicht massiver gegen die Pläne des Schulamts gewehrt“ habe.

RUW-Fraktionsvorsitzende Ilse-Marie Borgers befürchtete ein weiteres Abwandern von Rückersdorfer Kindern an andere Schulen. Und auch Bürgermeister Wiesner wollte sich mit dem Gedanken an eine Kombiklasse nicht anfreunden. „Wenn man vier reguläre Klassen bilden kann, stellt sich die Frage einfach nicht.“ Er bemängelte außerdem die „Taktik“ des Schulamts, das die Gemeinde als Sachaufwandsträger überhaupt nicht informiert habe. Im Gegensatz zum Konsens am Elternabend, lediglich gegen die Größe der Klassen vorzugehen und nicht gegen die Jahrgangsmischung an sich, formulierte der Gemeinderat am Ende in seinem Beschluss, „alles zu unternehmen, dass die Kombiklasse vermieden wird“. Unter anderem möchte man über die Landtagsabgeordneten Druck machen.

Die Eltern, die die Sitzung zahlreich verfolgt hatten, zeigten sich damit nur bedingt zufrieden. „Wünschenswert wäre es, wenn sich die Politik, auch die Kommunalpolitik, kontinuierlich für bessere Bildungsbedingungen einsetzen würde, und nicht nur dann, wenn es hart auf hart kommt oder wenn Bürgermeisterwahlen anstehen“, sagte ein Elternvertreter. Es könne nicht angehen, dass die Verantwortung für zu wenige Lehrer einfach hin und her geschoben werde: von der Schule zum Schulamt, weiter zum Kultusministerium bis hinauf zur Staatsregierung.

Auftrag für Pausenhof-Konzept

Vorerst ausgeräumt ist der Streit zwischen dem Elternbeirat und dem Gemeinderat um die Sanierung des Pausenhofs der Waldschule (die PZ berichtete). Der Gemeinderat beauftragte eine Landschaftsarchitektin mit einem Entwurf für die Neugestaltung des Areals. Für die Konzept-Kosten in Höhe von 5000 Euro kommt der Elternbeirat auf.

Bürgermeister Peter Wiesner stellte klar, dass er in der Angelegenheit nicht als „Buhmann“ gelten wolle. „Wir waren vor einiger Zeit hier im Gemeinderat einstimmig der Meinung, dass eine Umgestaltung nicht nötig ist.“ Trotzdem wolle man nun einer Sanierung nicht im Weg stehen. Heidi Sponsel betonte, dass diese jedoch „in einem gewissen finanziellen Rahmen“ bleiben müsse.

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