Kunstmarkt am Sonntag

Kraftpause für malende Oma

Der große Arbeitstisch kommt mit ins neue Heim von Mona von Meding, alles andere an Kunst, Möbeln und Malutensilien freut sich über neue Besitzer. | Foto: A. Pitsch2021/10/IMG-9054-scaled.jpg

REICHENSCHWAND – „Jetzt ist der Punkt gekommen, die Vergangenheit loszulassen“, sagt Mona von Meding. Nach „trubeligen 30 Jahren“, in denen die Künstlerin andere mit ihrer Kraft, Energie und Lebensfreude angesteckt hat, sind ihre Reserven verbraucht. Auch wegen Corona.

Ja, der Staat habe schon unterstützt, blickt von Meding auf die vergangenen eineinhalb Jahre zurück. Aber richtige Hilfe habe sie im Frühjahr und dann im November bekommen. Danach war zwangsweise Schluss: „Das Beantragen der Gelder ist so aufwendig geworden, dass man dazu einen Steuerberater braucht, und um mir den leisten zu können, hätte ich noch Geld drauflegen müssen auf das, was ich bekommen hätte.“

Denn die quirlige Künstlerin, die stets ein Lachen im Gesicht trägt, hat nie viel Geld mit ihrer Arbeit verdient. „Für mich hat’s immer gereicht“, sagt sie. In der Pandemie seien ihr und ihrem Mann oft nur 700 bis 800 Euro im Monat zum Leben geblieben. „Die Regierung hat ja keine Ahnung, wie man damit auskommt“, schimpft sie.

Im Stich gelassen

Sie fühlt sich im Stich gelassen von einer Politik, die immer nur „höher, schneller, weiter“ will und den Wert von Kunst nicht schätzt: „Wir Künstler sind Seelenklempner“, erklärt sie, „gerade bei Kindern sorgen selbst erstellte Kunstwerke für Persönlichkeit, Stolz und Freude“. Und dann verdiene man nur sieben bis acht Euro – „schlechter als eine Putzfrau“, echauffiert sich die sonst so ausgeglichene Frau. Das habe sie psychisch belastet und ihr finanziell das Genick gebrochen, verrät sie.

Als sie wieder Workshops hätte anbieten können, da konnte sie gesundheitlich – unter anderem wegen Asthma – nicht mehr. Von Meding betont, dass sie gerade das therapeutische Malen geliebt hat: „Ich habe die Leute danach locker entlassen.“ Dass sie dabei nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch viel getragen hat, habe sie lange Zeit nicht gemerkt. „Ich dachte nicht, dass das Spuren hinterlässt, weil ich ja so ein positiver Mensch bin.“

„Müssen uns verkleinern“

Und wenn sie in ihrem „lustigen Beetle“ sitzt, mit offenem Dach durch die Gegend braust und an schönen Orten der Heimat stehen bleibt, dann lacht sie. Doch in den vergangenen Monaten ging sie immer mit Sorgen in den Tag. Zudem schwand die Kraft, das große Haus mit den Gärten zu unterhalten. Da kam die zwar schmerzhafte, aber dennoch von Zuversicht geprägte Erkenntnis: „Wir müssen uns verkleinern, um wieder leben zu können.“

Doch wohin mit den ganzen Sachen? In die neue 70 Quadratmeter-Wohnung in Reichenschwand passen keine Möbel aus zwei Etagen; „da sind auch keine Workshops möglich“. Daher veranstaltet von Meding am Sonntag einen Kunst- und Trempelmarkt bei sich im Haus. „Die Sachen sind zu schade für die Deponie“, begründet sie die Aktion, „und ich möchte, dass die Dinge in gute Hände kommen, zu den Leuten, denen sie Freude machen“.

Ein ähnliches Anliegen hat sie auch mit der kleinen Verkaufsausstellung von Bildern von Anke Hahn. „Wir haben uns vor Jahren beim therapeutischen Malen kennengelernt.“ Inzwischen sind die beiden befreundet und von Meding schätzt die Arbeiten der 50-Jährigen, „die viel Pech im Leben hatte“, sehr. Wie auch bei ihren Sachen steht der Preis nicht im Vordergrund: „Die Leute sollen an den Werken Spaß haben und sich darin verlieben.“

Zum Verkauf stehen also Bilder in verschiedenen Techniken und Größen, Kunstutensilien, Aquarellkästen, Farben, Pinsel, Mosaik-Zubehör, Fliesen, eine Radierpresse, Staffeleien, Outdoor-Kunst, Kühlschrank, diverse Möbel oder auch eine Edelstahlplatte mit tiefem Becken für eine Küchenzeile. Doch das ein oder andere gute Stück wird von Meding, die Licht und Farben als stimulierend empfindet, ins neue Heim begleiten – wie das große Licht-Energie-Bild: „Da hänge ich dran.“

Lösung findet sich

Auch wenn sie der Schritt sehr traurig mache, wie sie zugibt, „es findet sich immer eine Lösung“. Vielleicht wird die temperamentvolle Frau irgendwann mit ihrem Malköfferchen in Seniorenheime gehen, überlegt sie.
Jetzt genießt sie es, wieder Zeit zu haben, selbst zu malen. „Ich kann mein Venedig-Bild beenden, das ich vor zwölf Jahren angefangen hatte.“ Denn den Pinsel in den Kasten legen, das wird die bald 62-Jährige nicht: „Ich liebe meine Arbeit.“ Bei der hat sie sehr viel Schönes erlebt, sagt sie. Doch jetzt sei der Moment, Platz für Neues zu schaffen – zum Beispiel um viel Zeit für die Enkelin zu haben: „Ich war Mutter, war Dozentin und jetzt bin ich eben Oma.“

Der Kunst- und Trempelmarkt findet am Sonntag, 10. Oktober, von 11 bis 17 Uhr im Atelier am Waldrand, Speikerner Str. 30 in Reichenschwand, statt. Ein Hygiene-Konzept liegt vor.

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