Weiterer Schritt zu Zentralisierung

Praxis am Laufer Krankenhaus ist länger für Patienten da

Seit August hat die ärztliche Bereitschaftspraxis am Laufer Krankenhaus unter der Woche auch in den Abendstunden geöffnet. Der Pool an Medizinern wird ausgebaut. | Foto: Krieger2018/08/notfallpraxis-krankenhaus-lauf-Foto-isabell-krieger-e1534434240710.jpg

LAUF — Seit August wird die Notfallpraxis am Laufer Krankenhaus nicht mehr von der Notdienstgruppe Nürnberg-Land Nord e.V., sondern von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) betrieben, die bayernweit den Aufbau von Bereitschaftspraxen vorantreibt. Das Plus für Patienten: Die Öffnungszeiten der Praxis wurden deutlich erweitert. Für die Notfallstruktur im Landkreis bedeutet die Übernahme einen weiteren Schritt in Richtung Zentralisierung.

Die Notfallpraxis am Laufer Krankenhaus ist unter der Woche nun an den Abenden bis 21 Uhr geöffnet und entlastet damit die Ambulanz am Laufer Krankenhaus. In den Nachtstunden übernehmen wie bisher Klinikärzte des Krankenhauses Lauf die Versorgung der Patienten. Am Wochenende sowie an Feiertagen ist die Praxis durchgängig von 9 bis 21 Uhr besetzt. Zusätzlich gibt es einen Mediziner, der zu nicht mobilen Patienten ins Haus kommt.

Die Übernahme durch die KVB ist aber nicht nur mit einem erweiterten Angebot verbunden. Sondern ein weiterer Schritt in Richtung Zentralisierung im Landkreis: Die Praxis in Lauf soll nach Willen der KVB in Zukunft nämlich „im Wesentlichen das gesamte Nürnberger Land versorgen“, bestätigt Dr. Martin Seitz, Sprecher der KV im Landkreis.

Altdorfer Ärzte im Pool

So wurden laut Seitz niedergelassene Ärzte aus Altdorf und Umgebung mit in den Pool der dort praktizierenden Mediziner geholt. Sie hatten bisher in ihren Praxen vor Ort Notfalldienste angeboten. Für die Patienten aus dem Landkreissüden bedeutet das künftig weitere Wege im Notfall. Sie müssen entweder nach Lauf oder zu der am Nürnberger Klinikum neu geschaffenen Bereitschaftspraxis fahren.

Weitere Wege könnten in Zukunft auch auf die Bürger in Hersbruck zukommen, wo das Krankenhaus bekanntlich geschlossen werden soll. Die von einer Genossenschaft getragene Notfallpraxis am Hersbrucker Krankenhaus bleibt zwar „mit Duldung“ der KVB erhalten, doch Seitz verhehlt nicht, wohin die Reise geht: „Offiziell ist das ganze Nürnberger Land auf Lauf konzentriert“. Das Problem in Hersbruck seien die eingeschränkten Öffnungszeiten, die unter anderem aus der seit 2016 geltenden Facharztabdeckung im Hintergrund resultieren. „Es wird für die Kollegen schwer werden“.

Seitz gehörte zu den Medizinern, die 2006 die Notfallpraxis am Laufer Krankenhaus gründeten, damals wie er sagt, gegen den Widerstand der KVB, die sich gegen die Ansiedlung der Praxis am Krankenhaus und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen wie etwa des Labors lange gesperrt habe.

Dass das Modell der zuletzt 80 in der Notdienstgruppe Nürnberg-Land Nord e.V. organisierten Mediziner nun Schule mache beim Ausbau der KVB-Bereitschaftspraxen in Bayern, die bis Ende 2018 auf insgesamt 110 anwachsen sollen, bestätigt den 63-jährigen Allgemeinmediziner aus Lauf. „Die Idee war richtig“. Es habe lange gedauert, bis das erkannt wurde, meint Seitz, der auch Kreisrat der Freien Wähler ist. Letztlich habe politischer Druck und der zum Teil dramatische Ärztemangel zu der Entscheidung geführt.

Bessere Bezahlung

Auch für die Ärzte hat sich mit der neuen Regelung etwas geändert, sie bekommen die Bereitschaft besser bezahlt und haben seit 2016 einen Mindestumsatz zugesichert, auch wenn bei einem Dienst mal nichts los ist. Offenbar mit Erfolg: „Wir haben keine Probleme, die Dienste in der Region zu besetzen“, weiß Seitz.

Der Verein Notdienstgruppe Nürnberg-Land e.V. hat sich mittlerweile aufgelöst. Zu der Übernahme durch die KVB habe es auch kritische Stimmen gegeben, weil die Selbstverwaltung einigen Medizinern sehr wichtig gewesen sei, räumt Seitz ein. Das Projekt sei stets von Idealismus getragen gewesen.

Andererseits sei auch die Belastung hoch gewesen: nicht nur in der Organisation der Dienste, sondern auch, weil die Mediziner Miete, Equipment sowie die Personalkosten für die Arzthelferinnen selbst hätten stellen und finanzieren müssen. Erst seit wenigen Jahren habe es dafür ein zusätzliches Budget gegeben, das einen Teil der Kosten auffing: „Doch wir hätten investieren müssen. Vor allem in Computer. Das ganze Thema Digitaliserung. Das wäre nicht zu stemmen gewesen.“

Am Ende hatte es bei der Abstimmung im Verein laut Seitz eine breite Mehrheit für die Übernahme durch die KVB gegeben. Die erweiterten Öffnungszeiten, die die KVB mit dem Krankenhaus Nürnberger Land als Kooperationspartner nach den neuen gesetzlichen Vorgaben abgestimmt habe, hätten allerdings auch gar keine andere Wahl gelassen.

„Starker Partner“

Deren Geschäftsführer Dr. Thomas Grüneberg begrüßt den Einstieg durch die KVB. Das Krankenhaus habe auch mit dem Verein all die Jahre sehr gut zusammengearbeitet. „In der KVB haben wir nun einen großen und starken Partner.“ Für die Notfallambulanz des Laufer Krankenhauses bedeute der Ausbau der Bereitschaftspraxis mit den ausgeweiteten Öffnungszeiten eine „deutliche Entlastung“.

Laut KVB-Sprecherin Birgit Grain wurde allen über den Verein beschäftigten Mitarbeiterinnen in der Verwaltung und Assistenz ein Übernahmeangebot durch die KVB-eigene Versorgungsgesellschaft Gedicom gemacht. Diese hat bayernweit den Betrieb der Bereitschaftspraxen übernommen, kümmert sich um die Ausstattung mit Technik und die Verwaltung sowie die Beschaffung des Personals. So wurde unter anderem eine Online-Datenbank aufgebaut, über die sich die Ärzte nun für ihre Dienste eintragen können. In den vergangenen Wochen warb das Dienstleistungsunternehmen in der Region um Bewerbungen für die neue Praxis in Lauf, die für ihren erweiteren Betrieb künftig auch mehr Personal benötigt.

Die Übernahme der seit 2006 von einem Zusammenschluss niedergelassener Ärzte als Verein betriebenen Praxis am Laufer Krankenhaus durch die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns ist Folge der seit gut eineinhalb Jahren laufende Umstrukturierung der Notfallversorgung in Bayern, die im Januar 2016 mit dem Krankenhausstrukturgesetz neu geregelt wurde.

Weil Ärzte vor allem auf dem Land fehlen, wurde der Bereitschaftsdienst, der für alle 23 000 niedergelassenen Mediziner in Bayern verpflichtend ist, auf neue Füße gestellt und größere Dienstbereiche geschaffen, die nun eine bessere Abdeckung der Bereitschaftszeiten ermöglichen. Zeitgleich gibt es einen Ausbau der Notfallpraxen im Freistaat, um die überfüllten Ambulanzen an den Krankenhäusern zu entlasten.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger