Niedrigere Versicherungsbeiträge in Aussicht

Sicherheit mit schlankerem Tarif

Die Schadenshäufigkeit spielt eine wichtige Rolle für die Tarif-Einstufung bei Versicherungen für Pkws. In großen Städten ist die Haftpflicht grundsätzlich am teuersten. | Foto: PhotoSpirit/stock.adobe.com2020/09/NL-Verkehrsunfall-von-adobe-stock-PhotoSpirit-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Autofahrer im Landkreis dürfen auf eine Reduzierung ihrer Kfz-Versicherungsbeiträge hoffen. Der Zulassungsbezirk für das Nürnberger Land soll demnächst von Klasse 9 auf Klasse 8 heruntergestuft werden, was mit niedrigeren Tarifen einhergehen könnte.

Einmal im Jahr wird die Einordnung der haftpflichtversicherten Fahrzeuge in die unterschiedlichen sogenannten „Regionalklassen“ geprüft, für die ausschlaggebend ist, wo ein Auto normalerweise gefahren wird. Dies ist ein wesentlicher Faktor, wenn es um die Beurteilung geht, wie hoch die Versicherungsbeiträge anzusetzen sind. Jährlich wird entschieden, ob die Einteilung noch aktuell ist. Denn diese richtet sich vor allem nach dem Schadensverlauf in den einzelnen Bezirken, was bedeutet, dass die Beiträge dort am höchsten sind, wo die meisten Unfälle passieren, weil dort die Versicherer auch am meisten regulieren, sprich: bezahlen, müssen.

Ändert sich das Aufkommen in den Regionalklassen, das heißt, gibt es in einem Zulassungsbezirk deutlich weniger Unfälle, dann kann eine Herunterstufung folgen, was günstigere Beiträge bedeutet. Und umgekehrt kann ein Anstieg von Schäden und eine höhere Schadenssumme, die die Versicherungen ausgleichen müssen, zu einem höheren Haftpflichtversicherungsbeitrag im entsprechenden Bezirk führen.

Künftig niedrigere Regionalklassen

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) teilt mit, dass bundesweit 4,8 Millionen Autohalter mit einer teureren Versicherung rechnen müssen, 4,5 Millionen dürfen sich über günstigere Beiträge freuen. Bayernweit sind das immerhin eine Million versicherter Fahrzeuge. In 16 der 97 bayerischen Zulassungsbezirke gelten künftig niedrigere Regionalklassen, das Nürnberger Land ist mit dabei. In den Großstädten tut sich bundes- und bayernweit nichts, sie sind nach wie vor das teuerste Pflaster, und auch Nürnberg und Fürth bleiben in der höchsten Regionalklasse 12.

Unabhängig von der Einteilung der Zulassungsbezirke, können Kfz-Halter aber auch auf Grund der aktuellen Pandemie an den Beiträgen sparen, denn die berechnen sich auch aus der in der Police angegebenen Fahrleistung. Da durch Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr und Homeoffice die zurückgelegten Kilometer vielfach geschrumpft sind, könnte man sich tatsächlich zu viel bezahlte Summen zurückholen. Anders als bei der Herunterstufung durch die Versicherungsunternehmen an Hand der Unfallzahlen in den Zulassungsbezirken, muss man hier selbst aktiv werden.

Unverbindliche Empfehlung

Was die Neueinteilung in Regionalklassen und die damit verbundene Reduzierung der Beiträge angeht, ist es nicht möglich beziehungsweise nötig, dass sich die Autobesitzer um einen günstigeren Tarif bewerben. Selbstverständlich ist es allerdings auch nicht, dass die Versicherer die Beiträge senken, wenn sich für einen Bezirk eine niedrigere Stufe ergibt, informiert Kathrin Jarosch vom GDV: „Die Regionalstatistik des GDV ist für die Versicherungsunternehmen unverbindlich …“, hält sie fest. Sie kann ab sofort für Neuverträge und auch für bestehende Verträge zur Hauptfälligkeit angewendet werden, „in der Regel ist dies der 1. Januar 2021“.

Dass sich nicht sicher sagen lässt, dass die Versicherer die Tarife auch tatsächlich heruntersetzen, wenn sie das dürfen, liegt auch daran, dass die Regionalklasse „nur ein Risikomerkmal von vielen“ ist, die die Tarifgestaltung bestimmen, wie die GDV-Fachfrau erklärt. Unter anderem spielt auch das individuelle Risiko für die Assekuranzen eine Rolle. Und das bewertet jedes Unternehmen nach anderen Gesichtspunkten. Manche geben Rabatte für Elektroautos, andere für bestimmte Berufsgruppen.

Teurer könnte es dagegen werden, wenn das Auto nicht in der Garage, sondern auf der Straße nächtigt. Aber auch das Alter und die schadensfreien Jahre des Fahrers können berücksichtigt werden, ebenso kann das Wettbewerbsumfeld der Versicherungsgesellschaft von Bedeutung sein. Aus diesem Grund kann man auch keine generellen Beispielrechnungen veröffentlichen. Ob und wieviel Geld mehr den Pkw-Haltern künftig in der Börse bleibt, stellt sich also definitiv erst zum Jahreswechsel heraus.

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