Senioren kritisieren Standort des Impfzentrums

Schwerer Weg zur Impfung

Weil in Bayern weniger Impfstoff-Dosen ankamen als zunächst vorgesehen, mussten die Malteser als Betreiber des Impfzentrums in Röthenbach den Impfstart auf kommenden Montag verschieben. Wie kommen die alten Menschen dorthin? Darüber wird derzeit breit diskutiert. | Foto: Studio Romantic/stock.adobe.com2021/01/NL-Impfen-Roethenbach-scaled.jpg

SCHWARZENBRUCK/FEUCHT – Im Landkreis-Süden weisen kritische Stimmen darauf hin,  dass es für alte Leute schwierig ist, zur Corona-Impfung nach Röthenbach zu fahren.

Der Impfstart ist vom gestrigen 4. Januar auf kommenden Montag, 11. Januar verschoben worden. Am gestrigen 4. Januar sollte es im Röthenbacher Impfzentrum eigentlich losgehen mit der Immunisierung von Senioren, die 80 Jahre und älter sind und nicht in Alten- oder Pflegeheimen wohnen. Jetzt verzögert sich der Start, weil in Bayern zunächst weniger Impfstoff ankommt, als zunächst kalkuliert. Diese Verzögerung ist zwar mehr als ärgerlich, birgt aber auch die Chance, ein Konzept zu erstellen, wie die alten Menschen nach Röthenbach zum Impfen gefahren werden. Oder können vielleicht auch mobile Impfteams auch in den einzelnen Kommunen eingesetzt werden?

Roswitha Gräfling war lange Jahre Schulleiterin der Grundschule in Feucht. Als Ruheständlerin fährt sie zwar noch Auto, meidet aber weite und unbekannte Strecken. „Und Autobahnen fahre ich wegen der vielen Baustellen und auch wegen der Lkw äußerst ungern“, sagt sie. „Ich will weder mich noch andere in Gefahr bringen.“ Die Fahrt nach Röthenbach aber ist für die Schwarzenbrucker Seniorin eine weite und unbekannte Strecke. Im Ort hat sie viele Bekannte bei den Aktivsenioren der AWO, die vor demselben Problem stehen. Die alten Leute haben oft zwar noch den Führerschein, sind aber nur eingeschränkt mobil.

Mobile Impfstationen vor Ort?

Einfach wird es also nicht, nach Röthenbach zu kommen. Vielleicht haben die Verantwortlichen im Schwarzenbrucker Rathaus ja eine Idee, wie man entweder Transporte organisieren oder mobile Impfstationen vor Ort installieren kann, so die Idee von Roswitha Gräfling, die beim geschäftsführenden Beamten Sebastian Legat angeklopft und ihr Anliegen vorgetragen hat. „Das hängt mit meiner früheren beruflichen Tätigkeit als Schulleiterin zusammen, dass ich mir über Organisation und Koordination Gedanken mache“, erläutert sie ihr Motiv für das Engagement. Ihr Vorschlag: Wenn in den Alten- und Pflegeheimen von mobilen Impfteams geimpft wird, könnten in den Einrichtungen doch Räume freigehalten werden für die Impfung von Senioren, die am Ort wohnen. Außerdem: Was spricht gegen den Einsatz von Impfbussen? fragt Gräfling. Bei der Brustkrebs-Früherkennung etwa setzt man auch solche Busse ein, genannt Mamma-Mobil.

Nun können die Gemeinden weder über die Installierung von externen Impfzentren noch über den Einsatz von Impfbussen entscheiden. Für Schwarzenbruck allerdings kann Legat sich vorstellen, dass die Gemeinde ihren Bürgerbus für die Fahrt von Senioren nach Röthenbach zur Verfügung stellt. Natürlich immer nur für eine ganz begrenzte Zahl an Fahrgästen, die dann mit entsprechendem Sicherheitsabstand Platz nehmen können, betont Legat im Gespräch mit dem Boten. Eine Entscheidung darüber, ob der Bürgerbus eingesetzt wird, ist aber noch nicht gefallen. Eventuell ergeben sich auch Angebote in Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. Einen Bürgerbus gibt es in der Marktgemeinde Feucht nicht. Für Bürgermeister Jörg Kotzur wäre ohnehin ein Impfen der Feuchter und Moosbacher Senioren vor Ort die optimale Lösung.

Bürgermeister außen vor gelassen

„Wir waren aber bei der ganzen Konzeption als Bürgermeister nicht eingebunden“, sagt der Feuchter Rathauschef. „Jetzt stehen wir auf dem Schlauch.“ Auf jeden Fall soll nun so schnell wie möglich eine Lösung gefunden werden, wie die alten Menschen aus Feucht und Moosbach nach Röthenbach gebracht werden können, wenn sie kein Auto haben oder nicht mehr in der Lage sind, selbst zu fahren.

„Warum müssen die Senioren aus dem südlichen Landkreis überhaupt nach Röthenbach fahren?“ fragt die Schwarzenbrucker Seniorenbeauftragte Edeltraud Meyer. „Für uns ist es doch viel einfacher, ins Impfzentrum im Nürnberger Messezentrum zu kommen.“ Da stimmt ihr Erika Gross zu. Die VdK-Ortsvorsitzende von Schwarzenbruck und stellvertretende Kreisvorsitzende des VdK Nürnberg verweist auf die gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ans Nürnberger Impfzentrum. Sie ist aber, wie der Feuchter Bürgermeister Kotzur und wie die pensionierte Schulleiterin Gräfling, der Überzeugung, dass die Senioren am besten vor Ort geimpft werden sollten. Das ginge doch, sagt sie, in Feucht in der Reichswaldhalle oder in Schwarzenbruck in der Bürgerhalle. Und Sporthallen stehen ja ebenfalls überall zur Verfügung. Hier findet ja derzeit nichts statt.

Wenn externe Impfzentren aber nicht eingerichtet werden können, dann warnt sie davor, den Schwarzenbrucker Bürgerbus einzusetzen. Der ist aus ihrer Sicht zu klein. „Die Gemeinde sollte dann einen großen Omnibus fahren lassen.“

Hohe Priorität am Landratsamt

Am Landratsamt in Lauf steht das Thema Seniorenfahrten zwar mit ganz oben auf der Tagesordnung, eine Lösung gibt es aber noch nicht, sagt Pressesprecherin Alexandra Bekavac. „Wir haben das auf dem Schirm und befassen uns täglich damit.“ Thema ist dabei auch, ob und wie Taxiunternehmen in die Fahrten eingebunden werden können. Viele offene Fragen also, wenn es um die Fahrten zum Impfzentrum geht.


Fest steht dagegen der offizielle Impftermin im Röthenbacher Impfzentrum: Dort soll es nun am kommenden Montag, 11. Januar, losgehen. Der zuerst angepeilte Starttermin für gestern, 4. Januar, war zunächst auf Freitag, 8. Januar verschoben worden. Doch dieser Termin konnte nicht gehalten werden. Jetzt geben die Malteser den 11. Januar als Impfstart in Röthenbach an. Weil sie aber auch mit diesem Zeitpunkt nicht fest planen können, werden vorab auch für kommende Woche keine Termine vergeben. Bereits ausgemachte Termine müssen verschoben werden, die Betroffenen werden darüber informiert.

Folgen des Impfstoffmangels

Über 80-Jährige werden Post mit einer Einladung zum Impfen erhalten. Wann die Briefe abgeschickt werden, steht laut Landratsamt aber noch nicht fest. Damit zeigen sich die Folgen des bundesweiten Impfstoffmangels auch im Nürnberger Land. Im Kreuzfeuer der Kritik steht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dem Fachleute grobe Fehler bei der Beschaffung des Impfstoffs vorwerfen, so etwa die Neurologin Frauke Zipp von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Sie fragt, warum man nicht schon im Sommer mehr Impfstoff bestellt habe. „Vor Kurzem gab es noch offizielle Totengedenken, jetzt zählt offenbar nicht mehr jeder Tag, an dem Menschenleben gerettet werden könnten. Jetzt wird Geduld eingefordert.“

Auch der Chef des Impfstoff-Herstellers Biontech, Uğur Şahin, übt Kritik: „Es gab die Annahme, dass noch viele andere Firmen mit Impfstoffen kommen. Offenbar herrschte der Eindruck: Wir kriegen genug, es wird alles nicht so schlimm, und wir haben das unter Kontrolle“, sagt er. Die Probleme bei der Impfstoffbeschaffung, die es nun in Deutschland gibt, sind die direkten Folgen einer gemeinsamen Einkaufspolitik der Europäischen Union.

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