Die Intensivbetten sind voll, die meisten Patienten sind umgeimpft

Krankenhäuser im Nürnberger Land sind am Limit

Oberarzt Dr. Holger Schulz bedient eines der Beatmungsgeräte auf der Intensivstation in Lauf. Dort werden aktuell fünf Corona-Patienten behandelt. | Foto: Kirchmayer2021/11/Intensivstation-Lauf-Coronavirus-kirchmayer-scaled.jpg

Nürnberger Land – „Wir hatten schon richtige Hardcore-Coronaleugner, die nicht glauben wollten, dass sie an Corona erkrankt sind“, sagt Dr. Christian Schmidt. Er ist Oberarzt auf der Intensivstation im Laufer Krankenhaus, hat täglich mit den Patienten zu tun. Auch mit den Unbelehrbaren diskutiere man nicht, das sei sinnlos und kontraproduktiv. Die Behandlung könne langwierig und unangenehm sein, deshalb sei man auf die Kooperation der Corona-Intensivpatienten angewiesen.


Davon gibt es seit ein paar Wochen wieder deutlich mehr im Laufer Krankenhaus, die meisten davon sind ungeimpft, wie Schmidt, Dr. Dane Wildner, Chefarzt für Innere Medizin, und der Geschäftsführer der Krankenhäuser Nürnberger Land, Dr. Thomas Grüneberg, bei einem Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung betonen. Die steigende Zahl der Infizierten sorgt für mehr schwere Verläufe und damit für volle Intensivstationen in den Krankenhäusern auch im Nürnberger Land. Aktuell gibt es in Lauf fünf Corona-Intensivpatienten, sie belegen die Hälfte der Intensivbetten.

Intensivbetten nicht nur für Corona-Erkrankte


Der Rest ist anderweitig belegt, mit anderen Notfällen. Denn diese gibt es ja weiterhin, ob Herzstillstand oder schwerer Unfall. Altdorf, das ebenfalls zu den Krankenhäusern Nürnberger Land und damit zum Klinikum Nürnberg gehört, hat aktuell keine Corona-Intensivpatienten. Man habe bewusst entschieden, dass Lauf der Schwerpunkt im Landkreis ist, so Grüneberg. Das könnte sich im Lauf des Winters aber noch ändern.


Denn die Ärzte rechnen nicht damit, dass die Situation in den nächsten Wochen besser wird, im Gegenteil. Das exponentielle Wachstum der Infiziertenzahlen heute sorgt für die Patienten von morgen und übermorgen. Wer sich mit der mittlerweile fast ausschließlich vorkommenden Delta-Variante infiziert, kann das tagelang nicht bemerken, währenddessen aber andere anstecken, sagt Wildner.


Wer erst einmal auf der Intensivstation landet, findet dort keine Wohlfühloase vor, das stellt Schmidt klar. Patienten, die künstlich beatmet werden müssen, liegen schon einmal 16 Stunden am Stück in Bauchlage und müssen hin und wieder gewendet werden. Dafür sind teilweise drei Ärzte und Pfleger nötig, etwa bei einem 280 Kilogramm schweren Patienten, wie Schmidt schildert. Übergewichtige haben ein erhöhtes Risiko, schwer zu erkranken.

Künstliche Beatmung ist „kein Zuckerschlecken“

Auch die Beatmung selbst sei sehr unangenehm. „Das ist für die Patienten kein Zuckerschlecken.“ Dass man fünf oder sechs Wochen auf der Intensivstation verbringt, sei keine Seltenheit.


Wer lange künstlich beatmet werden muss, verliert schnell an Muskelmasse – das betrifft auch die Atemmuskulatur. Vor allem ältere Patienten könnten danach auch oft nicht mehr normal ernährt werden, kein selbstständiges Leben mehr führen, warnt der Arzt. Und nicht jeder überlebt den Krankenhausaufenthalt.

Dr. Christian Schmidt, Oberarzt im Laufer Krankenhaus. | Foto: Kirchmayer2021/11/Dr-Christian-Schmidt-Oberarzt-Krankenhaus-Lauf-scaled.jpg


Bis vor einer Woche lagen auf der Intensivstation in Lauf nur Ungeimpfte, nun sind auch zwei Geimpfte darunter, eine davon mit schweren Vorerkrankungen. Dass es Impfdurchbrüche gibt, sei nicht verwunderlich, sagt Schmidt. Es sei ganz normal, dass bei Impfungen nicht alle geschützt sind und ein kleiner Teil der Geimpften schwer erkranken kann.


Aber dass die Impfung grundsätzlich sinnvoll ist, daran lässt er keinen Zweifel. „Das ist keine Meinung, das ist ein Fakt.“ Wer immer noch skeptisch ist, soll sich beraten lassen, ergänzt Wildner.


Das Personal ist knapp


Die Zahl der Intensivbetten richtet sich nach dem Personal. Und das ist durch den erhöhten Bedarf für Corona-Patienten schon so eingespannt, dass teilweise Urlaube nicht genommen werden können. „Jede Intensivpflegekraft, die auf dem Markt ist, wird sofort eingestellt“, sagt Schmidt, doch „der Markt ist leer gefegt“, nicht nur im Landkreis.


Die Mediziner werben dafür, dass man seine Kontakte wieder mehr einschränkt, denn nur dadurch und durch eine höhere Impfquote können die Zahlen wieder zurückgehen.


Die Krankenhäuser im Landkreis sprechen sich mit den anderen Kliniken der Region ab, teilweise auch darüber hinaus. Doch werden die Kapazitäten überall im Raum Nürnberg knapp. „Das treibt uns den Schweiß auf die Stirn“, sagt Schmidt. Eine Notfallversorgung werde aber weiter aufrecht erhalten, sagt Grüneberg. „Wir werden alles auslasten, was wir können.“


Wie geht es langfristig mit der Pandemie weiter? Wildner sieht bereits einen Übergang zu einer Epidemie, die im Herbst auftaucht wie eine saisonale Grippe. „Dieses Virus wird nicht verschwinden. Jeder wird mal daran erkranken, das wird sich nicht vermeiden lassen.“

Das dritte Krankenhaus im Landkreis befindet sich in Rummelsberg. Auch dort sind Coronapatienten auf der Intensivstation untergebracht. Es gehört rechtlich aber nicht zu den Krankenhäusern Nürnberger Land.

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