Ein Landkreis sucht sein Profil

Wofür steht das Nürnberger Land? Diese Frage haben die Teilnehmer auf verschiedene Weise beantwortet, etwa durch Zeichnen ...2011/10/30607_landkreismarkenentwicklungroeth_New_1317577862.jpg

NÜRNBERGER LAND — Nivea, Volkswagen und Coca Cola – Marken, die sofort Assoziationen auslösen. Für was aber steht das Nürnberger Land? Diese Frage stellt die Landkreis-Verwaltung. Sie will die Region besser vermarkten. „Markenentwicklungsprozess“ heißt das in der Sprache der Werbung. Beim Auftakt in der Röthenbacher Karl-Diehl-Halle ist allerdings deutlich geworden: Ein Landkreis ist keine Hautcreme.

„Es geht nicht nur um ein buntes Bildchen, um ein Logo“, sagt Daniela Klier. Die Inhaberin einer Agentur für Werbung und Marketing muss es wissen. Sie hat bereits den Landkreis Kronach zu einer Marke gemacht. Ein innerer Prozess sei das, so Klier. Die Menschen, die im Nürnberger Land leben, sollten sich Gedanken über das Profil der Region machen, sich auf deren Stärken und Schwächen besinnen. Warum das wichtig ist, beantwortet Klier folgendermaßen: „Regionen stehen heute im Wettbewerb als Lebensraum, Wirtschaftsstandort und Tourismusgebiet.“ Armin Kroder, der Landrat, ruft an diesem Abend in der Karl-Diehl-Halle sogar den „Wettbewerb der Köpfe“ aus. „Erfolgsfaktor Nummer 1 ist der Mensch“, sagt Kroder. Auch die Politik ist stark im Erfinden von Slogans, nicht nur die Werbebranche.

Rund 75 Persönlichkeiten – Banken- und Unternehmensvertreter, Mitarbeiter von sozialen Einrichtungen, Politiker und Kirchenleute – sind gekommen, um den „Markenentwicklungsprozess“, der ein ganzes Jahr dauern soll, anzustoßen. In kleinen Gruppen sitzen sie um Tische, hantieren mit Zetteln und malen auf große Papierbögen, was ihnen spontan zum Nürnberger Land einfällt.

„Wir müssen den Fun-Faktor herausheben“, sagt jemand, es geht gerade um Tourismus. Bessere Unterkünfte brauche man, meint ein anderer Teilnehmer. Die Bürgermeister von Röthenbach und Rückersdorf, Peter Wiesner und Günther Steinbauer, unterhalten sich derweil über den Ausbau der Radwege. Hier gebe es noch Defizite, meint Steinbauer. Wo steht der Landkreis in zehn Jahren? Diese Frage sollen die Gäste an einer Pinnwand beantworten. „Zentrum für Nachhaltigkeit“ steht dort auf einem roten Zettel, „Erholungszentrum der Metropolregion“. Ein anderer Teilnehmer hat eine ganz konkrete Vision: „35 E-Tankstellen“. Die Infrastruktur, so die einhellige Meinung, ist bereits gut: „Drei Autobahnen“, „Flughafen“ und „S-Bahnen“ listen die Zettel an einem anderen Tisch auf.

Es ist ein bunter Mix an Einfällen – und genau hier liegt das Problem. „Vielen Leuten ist es wichtig, die ländlichen Gebiete zu stärken“, sagt Rolf List, der eine der „Brainstorming“-Runden leitet. Andererseits ist der westliche Landkreis ein moderner Industriestandort am Rand der Großstadt Nürnberg. Und dann ist da noch der ewige Dauerclinch zwischen den Bewohnern der drei Altlandkreise rund um Lauf, Altdorf und Hersbruck. Letztere träumen im Augenblick zum Beispiel von der Rückkehr zu ihren „HEB“-Nummernschildern, obwohl es bereits viele unterschiedliche Einzelmarken gibt: Jede Gemeinde hat ihr Logo.

„Vielfältig ist jeder Landkreis“, sagt Christina Reinhardt, die seit einem Jahr als Regionalmanagerin im Landratsamt arbeitet. Aus diesem Etikett lässt sich also keine Marke machen. Die Geografin verrät noch nicht, welche Richtung sie stattdessen einschlagen möchte. Familienfreundlicher Landkreis? Nachhaltiger Landkreis? „Der erste Schritt ist gemacht“, sagt Reinhardt. Weitere Workshops sollen folgen.

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