Bund Naturschutz

Bilanz zum Volksbegehren Artenvielfalt im Nürnberger Land

Artenreiche und bunt blühende Straßenränder sind immer häufiger zu finden im Landkreis – aber noch nicht in allen Kommunen. | Foto: Heide Frobel2020/08/Artenvielfalt.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Am 1. August jährte sich die Aufnahme zahlreicher neuer Verpflichtungen in das bayerische Naturschutzgesetz durch das Volksbegehren Artenvielfalt. Auch im Landkreis Nürnberger Land hatten 23,05 Prozent der Bevölkerung dafür gestimmt. Was ist seitdem passiert?

„Trotz einer insgesamt schleppenden Umsetzung sind wir nicht unzufrieden, denn durch das Volksbegehren haben die Themen Artenvielfalt und Insektensterben viel mehr Aufmerksamkeit bekommen und auch bei uns im Landkreis hat sich etwas getan“, bilanziert die Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Heide Frobel. Kommunen, Landwirte und Verbraucher – viele hätten im vergangenen Jahr, angestoßen durch das Volksbegehren, etwas zum Schutz der Insekten und der Artenvielfalt beigetragen, heißt es in der Pressemeldung des BN.

Sichtbare Beispiele seien etwa Straßenränder in der Verantwortung von Landkreis oder Kommunen, die nun teilweise seltener gemäht werden und artenreicher sind, die Reduzierung der nächtlichen Beleuchtung der Ruine Rothenberg und die gestiegene Nachfrage nach Produkten aus dem Ökolandbau. Eine neue Idee wurde in Lauf umgesetzt, wo es eine erste „Artenschutzversammlung“ gab und wo modellhaft auf einigen eigenen Flächen bereits Artenvielfalt gefördert wird, erzählt Frobel. In einigen anderen Ortschaften wurden zudem Blühflächen neu angelegt.

Noch ein weiter Weg

Im Landkreis werden derzeit 13,2 Prozent der Ackerfläche nach Kriterien des Ökolandbaus bewirtschaftet sowie 17,6 Prozent der Wiesenflächen, weiß Frobel. Damit sei der Kreis auf einem guten Weg, aber noch weit von der ersten Zielmarke von 20 Prozent aller Flächen im Jahr 2025 entfernt.

„Der Biotopverbund hat sich im Landkreis nach unserer Einschätzung real noch nicht verbessert, es fehlen die nötigen Konzepte im Landkreis und in den Gemeinden“, so Frobel. Im Zuge von Flurbereinigungsverfahren und durch intensivere landwirtschaftliche Nutzung seien Hecken und Feldraine aus der Landschaft verschwunden. Hier müsse ein Ausgleich durch Neupflanzung und Neuanlage geschaffen werden.

Des Weiteren sind die Amphibienbestände an einigen Stellen gefährdet, findet der BN. Querungshilfen für Kleintiere oder die Durchsetzung von bestehenden Straßensperrungen seien hier dringend nötig.

Gut für Tier und Wasser

Bei den Gewässerrandstreifen kritisiert der BN vor allem „die unzureichenden Vorgaben und das Tricksen durch die Ministerien sowie das Unverständnis des Bauernverbandes“. „Anstatt sofort überall auf der Minimalbreite von fünf Metern auf Ackernutzung am Gewässer zu verzichten und diese Fläche für den Biotopverbund und Gewässerentwicklung zu nutzen, haben wir ein Jahr nach Inkrafttreten der Regelung noch viel zu viele Ausnahmen und ungeklärte Bäche“, echauffiert sich Frobel.

Eine völlige Fehlanzeige sei bisher der Schutz der wertvollen Streuobstwiesen. „Sie sind durch die strenge Verordnung des Umweltministeriums nicht geschützt, obwohl das ganz klar dem Sinn des Volksbegehrens widerspricht.“ Der BN klagt daher gegen die Verordnung, verrät Frobel.

In der Gesamt-Politik im Landkreis sei noch keine Trendwende zugunsten der Artenvielfalt erfolgt, meint Frobel: „Nach wie vor bedrohen weitere Gewerbegebiete wie in Offenhausen, Ludersheim oder Hersbruck wertvolle Lebensräume und nach wie vor ist der Flächenverbrauch hoch.“ Die zentralen Forderungen des BN für das nächste Umsetzungsjahr für den Landkreis sind daher: noch mehr Schub für einen großflächigen funktionierenden Biotopverbund, mehr Ackerrandstreifen für die Insekten, weniger Flächenverbrauch, mehr Bio in Kantinen und auf öffentlichen Veranstaltungen und weniger Pestizideinsatz.

An Landrat Kroder richtet der BN die Forderung, sich auch auf überregionaler Ebene für die nötige dauerhafte Finanzierung der Artenschutz-Instrumente und -Berater, für eine Änderung der Agrarpolitik, für ein verbindliches Flächensparziel und eine wirksame Klimaschutzpolitik einzusetzen, um wirklich eine Trendwende beim Schutz der Biodiversität zu erreichen.

Der BN hat die Umsetzung des Volksbegehrens bayernweit in Form einer Ampel bewertet: www.bund-naturschutz.de/volksbegehren-artenvielfalt-aktueller-stand.html

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