30 Minuten mit der HZ

Mit dem Rad von Hersbruck nach Singapur

Hier waren Sina und Jonas gerade in Serbien angelangt. | Foto: privat2019/08/Radler2.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Endlich Ferien. Endlich Zeit für sich selbst, für die Familie, für Freunde. Auch wir in der HZ-Redaktion nehmen uns jetzt immer mal wieder eine kleine Auszeit und tun das, was wir am liebsten machen: mit Leuten ins Gespräch kommen und uns ihre Geschichte erzählen lassen. Heute: Sina und Jonas Miederer aus Hersbruck beziehungsweise Markt Erlbach.

Ihr radelt derzeit von Erlangen aus nach Singapur. Wie kam es zu dieser Idee?
Sina Miederer: Jonas hatte schon öfter längere Fahrradtouren gemacht und hatte den Traum, mit dem Rad nach China zu fahren – ihn hat die östliche Welt fasziniert und die Tatsache, dass es eigentlich die längste Strecke auf dem Festland ist, die man von zu Hause aus fahren kann. Als er mich kennengelernt hat, haben wir die Idee zusammen weiterentwickelt. Mich haben auch die südlicheren Länder wie Thailand oder Vietnam gereizt, und nach einem Blick auf die Landkarte kamen wir dann auf Singapur als südöstlichster Zipfel Asiens. Damit war die Idee fix.

Und Sina war sofort begeistert.
Jonas Miederer: Da es zuerst mein Traum war, hat Sina länger gebraucht, mit dem Gedanken warm zu werden. Ursprünglich wollte ich alleine oder mit einem Freund fahren und wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, um herauszufinden, dass es besser wäre, gemeinsam zu fahren. Daraufhin haben wir eine dreiwöchige „Testtour“ durch Deutschland gemacht, weil Sina vorher eigentlich noch nie länger Rad gefahren ist. Die Tour hat uns beiden super gut gefallen.

Den Traum leben

Wer von euren Freunden und Familien brauchte länger, sich mit dem Projekt anzufreunden?
Jonas: Als wir es Familie und Freunden erzählt haben, waren meine Eltern zuerst nicht sehr begeistert. Mit der Zeit haben sie sich aber immer mehr an den Gedanken gewöhnt, dass wir wirklich fahren wollen. Sinas Eltern haben sich auch Sorgen gemacht, aber von Anfang an betont, dass wir fahren sollen, wenn das unser Traum ist. Von unseren Freunden haben wir eigentlich nur positives Feedback bekommen, auch wenn die meisten gesagt haben, dass das für sie selbst nichts wäre.

Wie lange habt ihr diese Reise vorbereitet, und geht das überhaupt, alles genau zu planen?
Sina: Jonas hat schon vor Jahren etwas Zeit in die Routenplanung investiert und das in den vergangenen Monaten noch weiter verfeinert. Die Route stand also vorher, auch wenn wir jetzt unterwegs teilweise davon abgewichen sind. Ansonsten haben wir ungefähr ein halbes Jahr vorher angefangen, Ausrüstung zu besorgen, uns über Visa-Bestimmungen zu informieren, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, uns impfen zu lassen und den Blog aufzubauen. Mehr als die Route und den groben Zeitplan, wann wir ungefähr in welchen Ländern sind, haben wir vorher eigentlich nicht geplant. Wir haben also keine festen Tagesetappen, sondern schauen einfach jeden Tag, wo wir abends landen.

Stress und Schmerz

In der Nacht bevor es losging, wie habt ihr da geschlafen?
Jonas: Unsere erste Etappe ging von meinen Eltern zu Sinas Eltern. In der Nacht direkt bevor wir von Markt Erlbach losgefahren sind, haben wir eigentlich ganz gut geschlafen, weil das erste Ziel ja Sinas Zuhause war. Die Nacht, bevor es dann „richtig“ losging, sah da schon anders aus. Erst an diesem Abend haben wir das erste Mal alles Gepäck fertig zusammengetragen und in die Taschen verteilt. Dieser Stress zusammen mit dem Abschiedsschmerz war ein ganz schön großes Gefühlschaos, und da unsere Packaktion bis fast ein Uhr nachts gedauert hat, waren wir nach einer unruhigen Nacht am nächsten Morgen entsprechend müde.

Wie sieht die grobe Route aus und wo seid ihr gerade?
Sina: Wir sind zuerst am Donauradweg entlanggefahren und über Österreich, Ungarn, Serbien und Rumänien schließlich in Bulgarien am Schwarzen Meer gelandet. Von dort aus sind wir in die Türkei gefahren, wo wir uns auch momentan gerade befinden – mitten in Zentralanatolien. Danach geht es weiter in den Iran und über Turkmenistan und Usbekistan nach China. Da dann der Winter schon ziemlich da ist und China so ein riesen Land ist, werden wir dort wahrscheinlich einiges mit dem Zug fahren. An Weihnachten treffen wir meine Eltern in Hongkong. Danach geht es dann in den Süden durch Vietnam, Thailand und Malaysia, bis wir schließlich in Singapur sind – das ist zumindest bis jetzt der Plan.

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Gab es schon gefährliche Momente oder vielleicht überraschende Erlebnisse?
Jonas: In Bulgarien haben wir einmal im Balkangebirge an einem Wasserfall im Flussbett übernachtet, als in der Nacht auf einmal ein starkes Gewitter losbrach. In Panik haben wir dann im strömenden Regen all unser Gepäck, unsere Räder und unser Zelt durch den Fluss auf die andere, etwas geschütztere Seite getragen. Ein Gewitter im Zelt ist wirklich kein schönes Gefühl. Ansonsten haben wir sehr viele Straßenhunde getroffen, die uns manchmal verfolgt haben – da sind wir teilweise ziemlich erschrocken, aber zum Glück hat uns keiner von ihnen gebissen. Neben der Landschaft – vor allem in Serbien – hat uns vor allem die Gastfreundschaft der Menschen in eigentlich allen Ländern überrascht.

Was hat euch bisher besonders beeindruckt?
Sina: Neben der Gastfreundschaft hat uns vor allem das Eiserne Tor in Serbien und die Landschaft in der Türkei ziemlich beeindruckt. Seit Istanbul ist die Natur so vielfältig und überhaupt nicht mehr europäisch. Wir haben Berge in allen möglichen Farben gesehen, sind durch Steppe und Wüste gefahren und durch die einzigartige Landschaft Kappadokiens.

Einfach und effektiv

Alle Leser können auf eurer Tour nach Singapur dabei sein über euren Blog. Warum macht ihr das?
Jonas: Ganz pragmatisch ist es der einfachste Weg, Familie und Freunde auf dem Laufenden zu halten und ein bisschen in unser Abenteuer mit hineinzunehmen. Wenn wir damit noch andere Leute erreichen können, die sich für unseren Weg interessieren, ist das natürlich doppelt gut. Wir freuen uns immer sehr über Kommentare und Nachrichten von Lesern.

Was erhofft ihr euch von der Reise?
Sina: Neben faszinierenden Landschaften vor allem das Eintauchen in andere Kulturen. Außerdem ist es für uns auch eine Pause von dem Leistungsdruck, der uns in Schule, Studium und Beruf gemacht wurde. Wir beschäftigen uns vor allem mit ganz grundlegenden Bedürfnissen wie genug Trinken, Essen und ein sicherer Schlafplatz – Dinge, die zu Hause ganz selbstverständlich sind. Wir genießen diese Freiheit sehr, mit so wenigen Dingen unterwegs zu sein und zu merken, dass es eigentlich genug ist. An materiellen Dingen vermissen wir sehr wenig.

Wie schwer wird es, nach der Rückkehr wieder in den Alltag zurückzufinden?
Jonas: Davor haben wir beide schon ein bisschen Angst. Sina wird danach wahrscheinlich ins Referendariat starten und kann sich den Stress und Druck momentan nur schwer vorstellen. Auf vieles freuen wir uns auch schon – vor allem natürlich auf Familie und Freunde und unser soziales Umfeld, teilweise auch auf die Sicherheit einer eigenen Wohnung – vor allem wenn es gewittert. In den Alltag zurückzufinden, wird wohl trotzdem eine große Herausforderung. Es ist schön, alles, was man braucht, bei sich zu haben und mit dem Rad so flexibel und unabhängig zu sein. Außerdem nimmt man die Landschaft und Kultur viel intensiver und bewusster wahr. Es ist einfach ein tolles Gefühl, es aus eigener Kraft schon so weit geschafft zu haben!

Wer die beiden auf ihrer Reise begleiten will, der kann das per Blog tun unter https://fahrradtournachsingapur.de

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch