„Man will sich ja nicht verunstalten“

Selbst zur Schere oder zum Langhaarschneider greifen? Nicht für jeden eine Option. „Man will sich ja nicht verunstalten“, sagt zum Beispiel Klaus Hacker, der Röthenbacher Bürgermeister. | Foto: Anna Koldunova/Getty Images2021/01/GettyImages-12148982441-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND — Lockdown in den Friseursalons: Was machen „Promis“ mit ihren Haaren? Färben trauen sich einige selbst, schneiden nicht.

Für die Friseure ist der Lockdown eine wirtschaftliche Katastrophe, für ihre Kundschaft beim Blick in den Spiegel zumindest unerfreulich. Wie halten es Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, zurzeit mit ihrer Frisur? Mütze oder Langhaarschneider? YouTube-Tutorial oder Toleranz?

Beim Pressetermin im Impfzentrum vor knapp zwei Wochen saß die Frisur von Landrat Armin Kroder perfekt. Kein Wunder: „Meine Schwester ist Friseurin. Sie war an Weihnachten bei uns zu Besuch und hat mir die Haare richtig kurz runtergeschnitten“, erzählt Kroder. Eine Dauerlösung sei das allerdings nicht, denn seine Schwester wohnt in Freiburg. Ihm persönlich sei es ohnehin egal, ob die Haare ein bisschen länger oder kürzer sind, „da geht die Welt nicht dran zugrunde“, meint er schmunzelnd. Nicht zum Lachen sei die Situation freilich für die Friseure, meint der Landrat und verrät noch, dass er normalerweise immer dann im Salon aufschlägt, wenn sein Terminkalender mal eine Lücke aufweist. Zwei bis drei Friseurgeschäfte sind dafür bei ihm in der engeren Wahl.

Beim virtuellen Neujahrsempfang der Gemeinde sah Ilse Dölle wie immer perfekt gestylt aus. „Als Frau weiß man sich zu helfen“, sagt Eckentals Bürgermeisterin. Ihre Cousine habe ihr für die Aufzeichnung die Haare hochgesteckt. Die Hochsteckfrisur in allen Varianten ist für die Bürgermeisterin mit den langen blonden Haaren derzeit die Lösung schlechthin. Das Färben übernimmt sie gerade selbst, und sollte es wirklich einmal einen „Bad-Hair-Day“ geben, bleibt der Hut-Liebhaberin, deren Großmutter Modistin war, immer noch eine große Auswahl an Hüten. „Mir ist nicht um meine Frisur bang, sondern um die Friseure“, betont sie.

„Ich spar mir im Moment den Finderlohn“, lacht Röthenbachs Bürgermeister Klaus Hacker, bekennender (Halb-)Glatzenträger, der wegen seines nicht allzu üppigen Haupthaars nur rund viermal im Jahr Kunde beim Friseur ist. Hauptsächlich der angenehmen Kopfmassage wegen, wie er zugibt. Selbst zum Langhaarschneider zu greifen, um seitlich
und hintenrum ein wenig einzukürzen, kommt bei ihm aber nicht infrage, „man will sich ja nicht verunstalten“.

„Ich war noch kurz vor dem Lockdown beim Friseur, ich bin noch einigermaßen vorzeigbar“, berichtet Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel. Er hält es wie Friseur-Weltmeisterin Sonja Fischer aus Diepersdorf: „Wenn der Grundschnitt gut ist, sitzt die Frisur länger.“ Und falls doch nicht, dann hilft seine Ehefrau mit einer Profi-Schere nach und kürzt um die Ohren und im Nacken. In seiner Funktion als Abgeordneter hatte Dünkel in den letzten Tagen mehrfach Kontakt zu Friseur-Innungen und -Verbänden und hat deren Forderungen nach einer baldigen Wiedereröffnung der Salons an die entsprechenden Stellen weitergeleitet. Ob dieser Wunsch trotz Lockdown-Verlängerung wahr wird? Beantworten kann Norbert Dünkel das nicht, „aber wenn jemand initiativ wird, ist die Chance erfahrungsgemäß größer“.

Er sei „relativ leidenschaftslos“, was seine Haare angeht, meint Laufs Bürgermeister Thomas Lang. Nach dem Duschen mit dem Handtuch trocken rubbeln – fertig. Allerdings hatte er Glück, weil er kurz vor dem Lockdown noch einen regulären Termin beim Friseur hatte. „Damals bin ich natürlich gleich gefragt worden, ob ich was weiß bezüglich der Schließungen“, erzählt er. Seiner Frau gefalle er mit etwas längeren Haaren ohnehin besser, „diesen Wunsch kann ich ihr jetzt gern erfüllen“. Und falls die „Mähne“ doch zu wild würde, dürften seine beiden Töchter bei ihm Friseur „spielen“, sagt der FW-Politiker. Apro­pos Frau und Töchter, wie sieht es bei ihnen am Kopf aus? „Ich habe drei Langhaarmädels zu Hause, für die ist es weniger problematisch“, plaudert der Bürgermeister aus dem Nähkästchen.


Eigentlich wollte sich Schönbergs Pfarrerin Gabriele Geyer am 23. Dezember noch einmal so richtig hübsch machen lassen für die bevorstehenden Weihnachtsgottesdienste. Doch aus dem Friseurtermin wurde nichts. „Wenigstens den Pony hatte ich mir zuvor noch nachschneiden lassen, sonst sieht man von mir ja gar nichts mehr, wenn ich die Maske aufhabe“, sagt die Pfarrerin. Ihre kinnlangen Haare wollte sie sich diesen Winter ohnehin ein bisschen länger wachsen lassen, „so ist man besser vor der Kälte geschützt“. Färben müsse sie zum Glück noch nicht. Prinzipiell sei es ihr in ihrer repräsentativen Funktion schon wichtig, gepflegt auszusehen, gibt Gabriele Geyer ganz offen zu. „Wenn ich zum Beispiel im Gottesdienst etwas vorlese und mir fallen ständig die Haare ins Gesicht, wäre das schon unangenehm.“ Ihre Frisur unter einem schwarzen Barett zu verstecken, wie es die Pfarrer früher öfter in der Öffentlichkeit trugen, kommt für sie aber nicht infrage. Sie hat großes Mitgefühl für die Friseure und ihre Nöte: „Ich habe mich da nie gefährdet gefühlt. Die Hygienestandards waren sehr hoch.“

„Die wichtigste Nachricht ist, meine Haare sind nicht grün“, sagt Claudia Amm lachend. Rückersdorfs Zweite Bürgermeisterin, die bekannt ist für ihre leuchtend roten Haare, hat in dieser Woche mutig einen Selbstversuch gestartet und sich von ihrer Tochter mit einem Produkt aus dem Drogeriemarkt die Haare nachfärben lassen. Die habe das zum Glück schon öfter bei anderen gemacht. An den Schnitt ihrer Kurzhaarfrisur wollen sich Mutter und Tochter dagegen nicht selbst wagen, „nur im absoluten Notfall“, sagt Claudia Amm energisch, auch wenn ihre Familie insgesamt handwerklich recht begabt sei. „Aber Friseur ist ja nicht umsonst ein Ausbildungsberuf.“

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