Ungewöhnliche Protestaktion

Die Friseure wollen wieder arbeiten

Er lässt heute das Licht an: Benny Jahns vor seinem Salon am Laufer Marktplatz. Der 38-Jährige beteiligt sich an der Aktion, zu der der Landesinnungsverband der Friseure aufgerufen hat. | Foto: Sichelstiel2021/01/DSC_9709-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND — Mit einer Protestaktion machen heute viele Salons auf die wirtschaftliche Lage der Branche aufmerksam: 24 Stunden lang sollen die Lichter brennen.

Benny Jahns ist kein Coronaleugner. Er weiß aus dem eigenen Umfeld, wie das Virus zuschlagen kann. Er kann nachvollziehen, dass es strikte Gegenmaßnahmen braucht. Und trotzdem meint er: So kann es nicht weitergehen.

Der zweite Lockdown hat den Laufer Friseur hart getroffen, so wie viele seiner Berufskollegen. So hart, dass er inzwischen Grundsicherung beantragt hat, „Stütze“, wie er sagt. Was bleibt ihm sonst auch übrig? „Wir haben drei Kinder und ein gemietetes Haus“, sagt er. Sein Laden am Marktplatz ist seit Mitte Dezember zu, seine Mitarbeiterin in Kurzarbeit. Bereits der erste Lockdown hat Reserven gefressen, die im Frühjahr beantragte Soforthilfe musste er wieder zurückzahlen. Die von der Regierung groß angekündigte Überbrückungshilfe III gibt es noch nicht – und sie ist ohnehin nur für Fixkosten gedacht, nicht für die Lebenshaltung.

„Brennen für unsere Kunden“

Gemeinsam mit Friseuren aus ganz Bayern fordert der 38-Jährige Perspektiven für seine Branche. „Wir haben strenge Hygienestandards“, meint er. Masken, Desinfektionsmittel, Handschuhe. Das Ansteckungsrisiko sei dementsprechend gering. „Wir kämpfen um unsere Existenz und wollen arbeiten. Wir brennen für unsere Kunden“: Diese Sätze kann Jahns unterschreiben. Sie stammen vom Landesinnungsverband, der zu der ungewöhnlichen Aktion aufgerufen hat.

Von heute 8 Uhr bis morgen 8 Uhr sollen in den geschlossenen Salons im gesamten Freistaat die Lichter brennen. Auf diese Weise soll die Situation der Friseure wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken. Man wolle sichtbar bleiben, heißt es.

Ulli Schöner aus Röthenbach macht auch mit. „Es geht mir dabei gar nicht um mich. Aber ich habe Angst um viele junge Kollegen, denen es im Augenblick an die Existenz geht“, sagt Schöner, die ihren Salon am Kinoberg 1994 von ihrer Mutter übernommen hat. Die momentane Situation sei schlicht „eine Kata­strophe“.

Immer wieder müsse sie Kunden absagen, sagt Schöner. „Dann erzählen die mir am Telefon, dass sie gerade zu dritt im Büro sitzen – ohne Maske“. Diese Ungleichbehandlung kann die Friseurmeisterin nicht nachvollziehen.

Die Altersvorsorge eingesetzt

Sie selbst, sagt Schöner, komme schon zurecht, „ich habe halt mein Gespartes eingesetzt.“ Das sei allerdings als Altersvorsorge gedacht gewesen. Nie habe sie gedacht, dass der Lockdown diesmal so lange gehen würde, dass auch Ende Januar nicht klar sein würde, wann sie wieder Haare schneiden darf.

Schöner und Jahns können beide nachvollziehen, dass Berufskollegen angesichts dessen auf Schwarzarbeit ausweichen. Er schlage solche unmoralischen Angebote allerdings konsequent aus, meint Jahns. Und er warnt: In illegalen Kellersalons würden geltende Hygienestandards nicht eingehalten. Aber, meint Schöner, „wenn ich mich auf der Straße umsehe, sehe ich doch, dass viele frisch geschnitten sind“.


„Schwarzarbeit verhindern“

„Natürlich gibt es Nachfragen“, sagt Sonja Fischer aus Diepersdorf, die stellvertretende Kreativdirektorin des Landesinnungsverbands. „Und jeder, der seine Arbeit liebt, will endlich wieder schneiden. Aber Schwarzarbeit wollen wir verhindern.“ Das Ziel müsse sein, dass die Branche am 15. Februar wieder durchstarten könne. „Wir würden alle auch durchgehend mit FFP2-Masken-Arbeiten“, sagt sie.

Die Diepersdorferin kann nachvollziehen, dass die Politik in einer Zwickmühle steckt: „Ich würde verstehen, wenn viele Branchen auf die Barrikaden gehen, sollte es heißen, dass die Friseure jetzt aufmachen.“ Andererseits wisse sie, dass es um viele Existenzen gehe: „Ich komme durch, aber andere müssen Familien durchfüttern.“

Für Unternehmer im Friseurhandwerk sehen die aktuellen Programme letztlich keine Hilfe für ein würdiges Überleben in der Krise vor, meint der Landesinnungsverband. „Ihnen bleibt als bisher erfolgreiche Macher nur die Grundsicherung als Rettungsanker“, beschreibt Petra Zander vom Vorstand die Situation. Seit fünf Wochen hätten die Friseure geschlossen „und noch keinen Cent erhalten“. 

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren