Friseure haben wieder geöffnet, doch jetzt läuft alles anders ab

Haarschnitt nur unter strengen Auflagen

Mit Mundschutz schneidet Friseur Florian Markus in seinem Schwaiger Salon einer Kundin die Haare. | Foto: Haase2020/05/Friseur-Florian-Markus-Haar-Atelier-Schwaig.jpg

NÜRNBERGER LAND – Waschen, Schneiden, Föhnen – das ist seit dieser Woche in Bayern wieder erlaubt. Vorher waren die Friseurläden sechs Wochen komplett geschlossen. Sechs Wochen, in denen Haare im Schnitt zwei Zentimeter wachsen. Obwohl sich der Besuch beim Friseur wegen Hygieneauflagen, Abstandsregeln und Mundschutzpflicht komplett verändert hat, können sich die Friseure vor Terminanfragen kaum retten.

„Wir sind bis Juni ausgebucht und dann stehen noch 100 Leute auf einer Warteliste“, sagt Florian Markus, Inhaber des „Haar Ateliers“ in ­Schwaig. Wegen des einzuhaltenden Mindestabstands zwischen den Kunden standen ihm erst nur fünf seiner sonst zehn Plätze zur Verfügung. Weil er in der oberen Etage seines Salons aber noch einen Raum zur Verfügung hatte, konnte er dort noch zwei weitere Plätze einrichten. „Durch die Auflagen wäre ich mit so wenig Plätzen nicht zurechtgekommen. Kurzarbeit oder Entlassung wäre die Folge gewesen“, sagt Markus, in dessen Salon nun wieder alle Angestellten wie gewohnt ihren Dienst tun können.

Weniger Kunden am Tag

Aber nicht nur wegen der reduzierten Plätze können die Friseure jetzt weniger Kunden am Tag bedienen: „Ich muss für jeden Kunden nun auch fast die doppelte Zeit einrechnen. Zum Beispiel muss Farbe ja mindestens 45 Minuten einwirken und in der Zeit darf ich niemand anderes bedienen“, sagt Esat Pllavci, Friseur aus Lauf. Weil nun auch Haare waschen verpflichtend ist, zieht sich der Friseurbesuch in die Länge.

Daher kann auch Pllavci nun pro Tag nur noch maximal halb so viele Kunden frisieren wie noch vor Corona-Zeiten. Gesichtsbehandlungen wie Augenbrauen zupfen oder Bart schneiden sind bis auf Weiteres grundsätzlich nicht erlaubt.

Auch ein spontaner Besuch geht nun nicht mehr, wie Julia Speckner, die Tochter der Inhaberin des „Hairshop Kellner“ in Röthenbach erklärt. Denn bei Friseuren herrscht jetzt Terminpflicht.

Auch der „Hairshop Kellner“ ist in den nächsten Wochen bereits ausgebucht: „Jetzt sind maximal zwei Kunden im Laden. Vorher ohne Termin haben sich hier manchmal bis zu zehn Leute aufgehalten“, sagt Speckner.

Regeln und Vorsichtsmaßnahmen

Wenn der lang ersehnte Friseurtermin dann gekommen ist, heißt es am Eingang erst mal Hände desinfizieren und Mund-Nasen-Maske aufsetzen. Außerdem müssen Kunden nun immer ein Formular mit Namen und Telefonnummer ausfüllen, damit im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus in einem Salon die Infektionskette besser nachvollzogen werden kann.

Einen schnellen Trockenhaarschnitt wird es auf absehbare Zeit auch nicht geben, denn Haare waschen ist jetzt verpflichtend. Dazu müssen die Friseure Einmalhandschuhe tragen. Erst wenn es ans Schneiden oder Färben geht, dürfen sie die Handschuhe ausziehen.

Im Schwaiger „Haar Atelier“ von Florian Markus hält man sich, wie die anderen Friseure auch, genau an diese Auflagen: „Wir gehen auch sicher, dass die Kunden komplett mit dem Umhang bedeckt sind. Zeitschriften und Getränke dürfen wir nicht mehr anbieten“, sagt der Hairstylist.
Die Kunden, die in seinen Laden kommen, seien aber immer schon über die geltenden Regelungen informiert und würden sich vorbildlich verhalten, sagt Markus.

Kunden haben Bücher dabei

Auch der Laufer Friseur Esat Pllavci stellt seinen Kunden ein sehr gutes Zeugnis aus: „Sie sind hervorragend vorbereitet. Einige bringen Getränke mit und viele haben Bücher dabei. Das habe ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen“, sagt Pllavci und freut sich über diese coronabedingte Änderung im Verhalten seiner Besucher.

Lesen und leise Musik statt Small­talk und Kaffee – das ist die neue Art des Friseurbesuchs. Denn die Haarkünstler sind angehalten, die Gespräche mit ihren Kunden auf ein Minimum zu reduzieren, was auch bei den meisten schon auf Schildern am Eingang der Friseursalons zu lesen ist.
Das ist Esat Pllavci allerdings ein Dorn im Auge: „Ein Friseurbesuch ist ja mehr als einfach nur Haare schneiden. Mir fällt es wahnsinnig schwer, nicht so viel mit den Kunden zu sprechen, also keinen Smalltalk mehr zu machen“, sagt er.

Liebe zum Beruf

Pllavci und die anderen Friseure sind sehr froh, dass sie wieder Kunden in ihren Salons empfangen können – trotz anhaltender Einnahmeverluste. „Wir kriegen das hin. Wir lieben unseren Beruf so sehr, dass wir das erst mal ausblenden“, sagt Pllavci.

Auch im Salon „Haare Ulli Schöner“ in Röthenbach überwiegt die Freude: „Ich habe meine Arbeit und meine Kunden vermisst und mich sehr gefreut, dass wir wieder aufmachen dürfen“, sagt Inhaberin Ulli Schöner. Die Kunden hätten viel Verständnis für die Maßnahmen im Salon, auch das Arbeiten mit Maske habe sie sich schlimmer vorgestellt. „Aber bei einem langen Arbeitstag strengt das natürlich schon sehr an.“


Die Werkzeuge wie Schere oder Kamm werden nach jedem Kunden desinfiziert. Der Röthenbacher „Hairshop Kellner“ hat dafür extra ein Ultraschallbad angeschafft. Außerdem müssen die Friseure nach jedem Kunden den Platz komplett desinfizieren, Ulli Schöner hat sich jede Menge Einmal-Überwürfe besorgt.

Die Umsetzung der Hygienevorschriften ist für die Friseure mit erhöhten Kosten verbunden. Obendrauf kommen noch die anhaltenden Einnahmeverluste, weil ja weniger Kunden als zuvor bedient werden können. Deswegen sehen sich die meisten gezwungen, ihre Preise anzupassen.

Treue Kunden

Dieser „Corona-Schließungsbeitrag“, wie ihn Esat Pllavci bezeichnet, stößt auf viel Verständnis. „Die Kunden sind extrem solidarisch. Ich war am Tag der Wiedereröffnung permanent zu Tränen gerührt“, sagt der Laufer Friseur über die Treue seiner Kunden. „Ich finde die Preiserhöhung ist auch schon gerechtfertigt, weil wir Risikobereitschaft zeigen und uns so nah hinstellen und die Kunden bedienen“, sagt Pllavci, der sich nun vorsichtshalber nur noch mit Mundschutz und Kittel zu Hause um seine pflegebedürftige Mutter kümmert.

Die Preise sind höher als zuvor

Die Preise angepasst hat auch Florian Markus in seinem Schwaiger Salon, der auf die fehlenden Einnahmen verweist: „Bei sechs Wochen Schließung mit normal 50 Kunden pro Tag kommt ganz schön was zusammen.“ Vor allem seine Angestellten hätten während der Kurzarbeit unter dem fehlenden Verdienst gelitten. Das gelte es nun wieder ein wenig aufzuholen, so Markus.

Falls sich die Situation bis zum Sommer nicht ändert, plant er, ein Zelt im Hinterhof des Betriebs als Außensalon herzurichten, um wieder mehr Kunden betreuen zu können. „Die Maßnahmen werden ständig angepasst und ich wünsche mir, dass zum Beispiel das Gesundheitsamt eine beratende Funktion einnimmt und einfach mal jemand kontrolliert und sagt, ob alles passt“, sagt Markus.

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