Ansturm am gestrigen Montag

Endlich wieder zum Friseur

Normalerweise hat Anastasia Vassiliadou, Inhaberin des „Frisurenparadies“ in der Laufer Johannisgasse, Montags immer geschlossen, doch nach Ende des Lockdowns zählt jeder Tag. | Foto: Beck2021/03/Frisurenparadies-Lauf-Vassiliadou-Lockdown-Corona-Friseure-0103.jpg

NÜRNBERGER LAND – Endlich wieder Locken wickeln, Haare färben und den Pony schneiden, der nach fast drei Monaten Lockdown die Sicht behindert: Mit einem Seufzer der Erleichterung haben die Friseure im Nürnberger Land am Montag ihre Salons wieder geöffnet, gewappnet für den Ansturm ihrer Kunden, die sehnlichst auf den Tag X gewartet hatten. Das Telefon steht nicht mehr still und die Terminkalender sind mancherorts bereits bis Ostern gefüllt.

„Als Mitte Februar angekündigt wurde, dass die Salons wieder aufmachen dürfen, habe ich meiner Friseurin sofort eine Whats-App-Nachricht geschrieben, um einen Termin am Öffnungstag zu ergattern“, sagt Claudia Heider aus Neunkirchen, während die Inhaberin des „Frisurenparadies“ am Laufer Marktplatz, Anastasia „Sula“ Vassiliadou, ihr die Lockenwickler ins Haar dreht.

Heider ist seit neun Jahren eine der Stammkundinnen Vassiliadous. „Ich würde für einen Termin auch 100 Kilometer fahren, falls sie in eine andere Stadt geht und ich hatte wirlich Angst, dass Sula wegen des Lockdowns schließen muss.“ Dazu hätte laut Vassiliadou nicht mehr viel gefehlt. „Noch einen Monat Lockdown hätte ich nicht durchgehalten. Ich musste bereits zwei Mitarbeiterinnen kündigen,“ sagt die Friseurin, die seit 2011 ihren Laden in Lauf betreibt.

Das Geld wurde knapp

Von den versprochenen Überbrückungshilfen für Dezember, Januar und Februar hat Vassiliadou noch nichts gesehen. Genau so wenig wie Michaela Liedtke, die seit 32 Jahren ihren Friseursalon in Lauf betreibt. „Erst jetzt kann meine Steuerkanzlei die Anträge für Januar einreichen und muss dafür seitenweise Formulare ausfüllen“, sagt Liedtke. Sie hat für die Zwangsschließung der Friseure kein Verständnis. „Wir sind schon im September für unser gutes Hygiene-Konzept gelobt worden, es war das gleiche wie jetzt auch.“

Bedingung für die Öffnung sind für alle Salons unter anderem eine begrenzte Anzahl von Kunden, regelmäßiges Desinfizieren und Lüften, vorherige Terminvereinbarung und die Kunden müssen sich zu Beginn die Haare waschen lassen und dürfen sie nicht selbst föhnen. Sabine Ripka aus Brunn ist Stammkundin von Liedtke und hat die Öffnung des Salons seit Wochen herbei gesehnt. „Ich habe selbst ein bisschen nachgeschnitten, aber schon allein wenn ich selbst föhne, sieht das katastrophal aus.“ Am gestrigen Tag der Öffnung wollte sie einen Termin vereinbaren, was sich als schwierig herausstellte. „Ich habe 48 Mal angerufen, weil immer besetzt war.“ Zu ihrer Freude bekam sie noch am gleichen Tag einen Termin.

Marion Guss, Inhaberin des Salons „Time for Hair“ in Behringersdorf kam mit der Verteilung der Termine kaum noch hinterher. „Wir sind über Facebook, Instagram, E-Mail, Website und Telefon erreichbar. Der Schwall an Anfragen war der Hammer“, sagt Guss. Manche ihrer Kunden nehmen sich sogar Urlaub für einen Termin. „Die Leute sind wirklich dankbar. Daran sieht man, wie wichtig der Friseurbesuch für viele ist.“ Guss kann den Ansturm gut gebrauchen. Erst 2019 nahm sie Schulden auf, um einen größeren Laden zu eröffnen.

Jetzt muss sie mit neuen Krediten alte Schulden bezahlen. „Die Kunden kommen ja jetzt nicht doppelt und durch die beschränkte Anzahl, nehmen wir lange nicht so viel Geld ein, wie normal.“ Die Überbrückungshilfen, sofern sie irgendwann eingehen, müssen wohl in naher Zukunft zurück gezahlt werden.


Der volle Terminkalender macht den Friseuren aber Mut, auch Murat Yontar, der seit 2010 den Salon „Figaro“ am Nürnberger Tor betreibt. „Endlich geht auch für meine fünf Mitarbeiter die Arbeit weiter“, sagt Yontar, während er seinem Stammkunden Harald Wiemer die Haare schneidet. Der Laufer konnte den ersten Friseurbesuch nach fast drei Monaten gar nicht mehr erwarten. „Der Besuch beim Friseur ist Körperhygiene und der Salon ist für mich eine Wohlfühloase“, sagt Wiemer. „Physiotherapeuten und Masseure durften während des Lockdowns öffnen, Friseure nicht. Das hat keinen Sinn gemacht.“

Keine Angst vor Corona

Zwei Sessel weiter sitzt die Lauferin Anna Doms. Sie hat „teilweise Verständnis“ für den Lockdown, hält ihn im Fall der Friseure aber für unnötig. Sie habe wegen des guten Hygienekonzepts überhaupt keine Bedenken, sich im Salon mit Corona anzustecken. Doms ist ihrer Lieblingsfriseurin Özlem Sariaydin in den Salon Figaro gefolgt, die dort vor zwei Jahren anfing. Als Sariaydin zum Pinsel greift und die geschnittenen Haare vom Umhang kehrt, kann Doms ihre Freude nicht mehr zurück halten: „Ich könnte dich jetzt abbusseln.“ 

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