Vermisstes Schnaittacher Ehepaar

Leichen in Garage eingemauert

Mit zwei Leichenwagen wurden eine männliche und eine weibliche Leiche abtransportiert. Die Obduktion stand am Montagabend noch aus. | Foto: Krieger2018/01/Ehepaar-Placzek-Schnaittach-015.jpg

SCHNAITTACH — Das seit 13. Dezember vermisste Ehepaar Elfriede und Peter Placzek aus Schnaittach ist tot. Am Montagmittag hat die Polizei auf dem Grundstück der Schnaittacher zwei Leichen gefunden. Auch wenn die Obduktion noch aussteht, deutet alles darauf hin, dass es sich um die Vermissten handelt. Bereits am Morgen hatte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei Sohn (25) und Schwiegertochter (22) der Rentner wegen Mordverdachts festgenommen.

Gegen 13 Uhr wurden die Ermittler auf dem Grundstück des vermissten Ehepaars fündig. In einem Anbau zur Garage entdeckten die Polizisten eine männliche und eine weibliche Leiche. Diese waren hinter einer Mauer eingemauert, erklärte die Polizei auf einer im Polizeipräsidium Mittelfranken in Nürnberg abgehaltenen Pressekonferenz am Montagabend. Die Obduktion der Leichen steht noch aus. In der Montagegrube der Garage wurden auch einbetonierte Beweismittel sichergestellt. „Im ganzen Haus fanden massive Renovierungs- und Reinigungsarbeiten statt, die nicht fachmännisch ausgeführt wurden“, sagte Cora Miguletz von der Kripo Schwabach auf der Pressekonferenz.

Festnahme ohne Widerstand

Mit schwerem Gerät war die Polizei bereits gegen acht Uhr morgens in Schnaittach angerückt und hatte sich vor dem Haus in der Hedersdorfer Straße in Position gebracht. Etwa zeitgleich schlugen die Beamten nahe der Schnaittacher Autobahnauffahrt zur A9 zu. Offenbar unter einem Vorwand waren die Tatverdächtigen, Ingo Placzek, der Sohn der Vermissten, und seine Ehefrau Stephanie, zu einem Termin bei der Laufer Polizeiinspektion gebeten worden. Ein Spezialeinsatzkommando stoppte das junge Ehepaar und nahm es fest. Laut Elke Schönwald, Leiterin der Pressestelle der Polizei Mittelfranken, ließen sich der 25-Jährige und seine 22-jährige Frau widerstandslos festnehmen.

Dass das SEK auf offener Straße nahe des Schnaittacher Feuerwehrhauses zugriff und nicht etwa im Wohnhaus, sei bewusst geschehen, so Schönwald. Die Polizei nutze jeweils die Umstände, „die für alle Beteiligten die wenigsten Gefahren bergen“, so die Sprecherin. Offenbar hat die Polizei den Termin so gewählt, dass sie das junge Ehepaar zu einem bestimmten Zeitpunkt abpassen konnte.

Die Hedersdorfer Straße, in der das vermisste Ehepaar und die Tatverdächtigen wohnen, wurde währenddessen weiträumig abgesperrt. Experten der Spurensicherung in ihren weißen Anzügen betraten das Wohnhaus, auch der mittelfränkische Polizeipräsident Johann Rast machte sich vor Ort ein Bild der Lage.

Einsatz mit schwerem Gerät

Die Einsatzkräfte hatten auch schweres Gerät dabei, darunter ein Bagger, ein Radlader und sogenannte transportable Lichtgiraffen zum Ausleuchten von Tatorten, außerdem Bauzäune und Sichtschutzwände. Von einer Laufer Entsorgungsfirma wurde ein Schuttcontainer angeliefert. Offenbar mit Presslufthämmern wurden die zwei Leichen, die hinter einer Mauer in einem Anbau der Garage eingemauert waren, freigelegt.

Am 28. Dezember hatte Ingo Placzek seine Eltern Elfriede (66) und Peter (70) Placzek, die im gleichen Haus in getrennten Wohnungen in Schnaittach lebten, als vermisst gemeldet. Die Polizei entschied sich erst rund zwei Wochen später zu einer öffentlichen Fahndung.

Zu diesem Zeitpunkt sollen die Rentner seit vier Wochen wie vom Erdboden verschluckt gewesen sein. Die späte öffentliche Fahndung geschah aus datenschutzrechtlichen Gründen so spät, erklärte zu diesem Zeitpunkt ein Polizeisprecher. Erwachsene hätten ein Recht darauf, „ihren Aufenthaltsort frei zu bestimmen.“

Wer Elfriede und Peter Placzek, abgesehen von den beiden Tatverdächtigen zuletzt gesehen hat, sagt die Polizei nicht. Zumindest die 66-Jährige soll am 13. Dezember noch gesehen worden sein. Eine Woche vorher hatten die Rentner laut Augenzeugen gemeinsam den Nikolausmarkt im Schnaittacher Ortsteil Hedersdorf besucht.

Viele Widersprüche

Ingo Placzek scheint bereits früh in den Fokus der Ermittlungen gerückt sein. Der Tatverdächtige habe sich in Vernehmungen in Widersprüche verstrickt, erklärte auch Cora Miguletz, die Leiterin der federführenden Kripo Schwabach, auf der Pressekonferenz am Montagabend. Besonders hinsichtlich der angeblichen Reiseumstände seiner Eltern gab es immer wieder Auffälligkeiten, so die Ermittlerin: „Wir konnten weder einen Reiseverlauf noch ein Transportmittel verifizieren.“ Bei der Kripo Schwabach war wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts eine vielköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet worden.

Auch auf der von Placzek eigens ins Leben gerufenen „Facebooksuche“ nach seinen Eltern hätten sich Widersprüche ergeben, weitere konnten die Ermittler erfolgreich generieren. Außerdem gab den Ermittlern zu bedenken, dass die Mutter zwei Tage nach ihrem angeblichen Reiseantritt am 13. Dezember noch eine wichtigen Arzttermin hatte – und dort nicht erschien. Nach Abstimmung habe man sich dann auf den Zugriff am Montag festgelegt, erklärt Polizeipräsident Johann Rast.

Ingo Placzek hatte nach Beginn der öffentlichen Vermisstensuche nach seinen Eltern mehrfach Interviews gegeben, unter anderem mit dem TV-Sender Franken Fernsehen und mit der Pegnitz-Zeitung. Auch dabei hatte er teils widersprüchliche Angaben gemacht. So behauptete er gegenüber der PZ, er sei schon seit längerer Zeit verheiratet. An anderer Stelle bestätigte er, am 29. Dezember, also einen Tag, nachdem er seine Eltern als vermisst gemeldet hatte, standesamtlich geheiratet zu haben.

Das Wohnmobil seiner Eltern stand Anfang Januar für mehrere Tage auf der Internetplattform Ebay Kleinanzeigen zum Verkauf. Laut Placzek sei das mit den Eltern abgesprochen worden und die Annonce bereits vor deren Verschwinden veröffentlicht worden, aber als seine Eltern nicht mehr nach Hause kamen, habe er sie wieder entfernt. Fotoaufnahmen im Internet deuten allerdings darauf hin, dass das Wohnmobil erst am Neujahrstag zum Verkauf angeboten wurde.

Ingo Placzek behauptete zudem, seine Eltern hätten am 13. Dezember ihre Koffer gepackt, hätten auch einen großen Geldbetrag im Gepäck und hätten sich, ohne sich zu verabschieden, vermutlich zu Fuß auf den Weg zum etwa einen Kilometer entfernten Schnaittacher Bahnhof gemacht. Seitdem hätte es keinen Kontakt mehr gegeben, auch wohin sie wollten, hätten die Eltern nicht gesagt. Es sei vorher die Rede von entfernten Verwandten in Tschechien gewesen. Der 25-Jährige schloss laut eigener Aussage, die Eltern würden dorthin zu Besuch fahren. Konkreter hätten sich die beiden Rentner nicht geäußert, ehe sie, wie der Sohn behauptete, grußlos das Haus verließen. Trotz eines, wie der Sohn gegenüber der PZ sagte, „innigen Verhältnisses“.

Lockere Plauderei über Nebensächlichkeiten

Am Dienstag vergangener Woche hatten Ingo Placzek und seine Frau ein Fernsehteam von Franken Fernsehen zu Gast in ihrer Wohnung. Redakteur Andreas Brettreich, der das Interview führte, war irritiert, in welcher lockeren Atmosphäre sich das junge Ehepaar unterhielt – auch über Nebensächlichkeiten wie ein Mikrofon und ein Stativ des Drehteams.

Ingo Placzek war als Alleinunterhalter aktiv, er soll mehrere Musikinstrumente beherrschen. „Er wirkte nicht wie einer, der sich um seine Eltern sorgt“, sagt FF-Redakteur Brettreich. Im Gespräch wirkte der 25-Jährige so, „als ginge es um ein Hobby, das er ausübt“ – und nicht um seine Eltern, die zu diesem Zeitpunkt seit etwa fünf Wochen vermisst wurden. „Die Geschichte haut nicht hin“, dachte sich Brettreich schon zu diesem Zeitpunkt.

Auch im Interview mit der Pegnitz-Zeitung, das am Mittwoch vergangener Woche per Telefon geführt wurde, wirkte Ingo Placzek bemerkenswert abgeklärt für jemanden, der seit Wochen kein Lebenszeichen mehr von seinen Eltern erhalten hat. Seine Aussage, die Ungewissheit treibe ihn „in die Verzweiflung“, stand in krassem Gegensatz zur ruhigen Art, wie der Tatverdächtige über die Situation sprach. Er bat die Medien auch darum, für ein Spendenkonto zu werben, das er für die Suche nach seinen Eltern im Ausland eingerichtet hatte.

Details zum Tötungsvorgang, die Todesursache oder mögliche Tatwaffen gab die Polizei auch auf der Pressekonferenz am Nachmittag noch nicht bekannt, da die Obduktion der Leichen noch nicht abgeschlossen ist. Bestätigt wurde, dass sich im Haus eine Reihe von Waffenimitaten befunden haben. Laut Oberstaatsanwältin Anita Traud gehen die Ermittlungsbehörden vom dringenden Tatverdacht des Mordes aus – das Paar habe gemeinsam gehandelt. Dies bestreitet Stephanie Placzek, die aber bereits Angaben zu den Tatumständen gemacht hat und noch am Montagabend dem Haftrichter vorgeführt wurde. Ingo Placzek schweigt bisher zu den Vorwürfen. Beide sitzen in Untersuchungshaft.

Andreas Kirchmayer (Pegnitz-Zeitung)
Sebastian Linstädt (Nürnberger Zeitung)

Weitere Fotos vom Polizeieinsatz finden Sie in unserer Bildergalerie unter https://n-land.de/fotos/leichenfund-in-schnaittach

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer