Ministerpräsident zu Besuch

Seehofers Stippvisite im Landkreis

Ein Industriemuseum zum Anfassen: Solche Ventilkegel wurden früher mit den Pressen der Firma Dietz & Pfriem in Lauf gefertigt2012/10/52013_seehoferindustriemuseumlauf_New_1349968267.jpg

LAUF/DIEPERSDORF — Ministerpräsident Horst Seehofer hat das Industriemuseum in Lauf und den Automobilzulieferer Bolta in Diepersdorf besucht. Viel Wissenswertes über den Landkreis, aber auch einige Wünsche nahm er mit zurück nach München.

Viel politische Prominenz war gekommen, um den Besuch des Ministerpräsidenten zu begleiten. Die Leiterin des Laufer Industriemuseums Christiane Müller führte Seehofer und die Besucher durch die ehemalige Fabrikanlage Dietz & Pfriem und erzählte von der Entwicklung der Industrie in der Stadt.

Seehofer betrachtete die Räume und Ausstellungsstücke und fragte interessiert nach. Auch einen kleinen Spaß machte er bereitwillig mit und setzte in der alten Hutwerkstatt – sehr zur Belustigung seiner Begleiter – einen schwarzen Zylinder auf. In der historischen Frisierstube nahm er in einem der Stühle vor dem Spiegel Platz und schwelgte kurz in Kindheitserinnerungen.

Doch der Zeitplan war eng gesteckt und so versprach Seehofer, mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ privat noch einmal in das Museum zu kommen, um die Ausstellung länger und ausführlicher zu betrachten.

Nach der Führung war in der Riedner Mühle Zeit, einige Fragen und Bitten an den Ministerpräsidenten zu richten. Und so nahm Seehofer neben etlichen Gastgeschenken auch einige Wünsche aus dem Landkreis mit in die Staatskanzlei.

Landrat Armin Kroder betonte die Bemühungen des Landkreises, um eine staatliche Fachoberschule in Lauf oder Hersbruck. Seehofer versprach, sich dafür in München gerne einsetzen zu wollen, auch wenn er nicht glaube, „dass das noch nötig ist“.

Keine Versprechungen wollte er dagegen zur zweiten Bitte des Landrats machen. Altdorf, einst Universitätsstandort, würde sich gerne verstärkt als Bildungsstadt präsentieren und die „Altdorfina“ wieder aufleben lassen. Die Idee sei interessant, sagte Seehofer, er sei ein ausdrücklicher Befürworter dezentraler Bildungseinrichtungen. Man wolle sich kundig machen und die Sache weiter verfolgen. So könne er sich zum Beispiel eine Dependance der Universität Erlangen-Nürnberg in Altdorf gut vorstellen.

Dass es dem Landkreis und der Stadt Lauf ansonsten recht gut geht, betonte nicht nur der Landrat, sondern auch Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping. Frank Richartz von der Wirtschaftsförderung Nürnberger Land unterstrich dies mit seinen Ausführungen. Er berichtete von der Stärke der heimischen Unternehmen, von einem guten Branchenmix und zeigte einen kurzen Imagefilm über den Landkreis.

Er könne Landrat und Bürgermeister nur gratulieren, sagte Seehofer. Offensichtlich laufe im Nürnberger Land vieles problemlos. Er freue sich über die „erfrischend realistische Darstellung“ des Landkreises. Trotzdem werde man die geäußerten Wünsche und Anregungen aufnehmen und weiter verfolgen, versprach er.

Mit Verzögerung ging die Landkreistour weiter nach Diepersdorf. Dort wollte sich Seehofer einen Einblick in die Wirtschaft des Landkreises verschaffen. Die Bolta Werke sind ein mittelständischer Betrieb mit 1000 Mitarbeitern und ein international tätiges Traditionsunternehmen, das führend in der Galvaniktechnik ist. Bei diesem Verfahren werden Kunststoffteile, beispielsweise für die Autoindustrie, mit einer Metallbeschichtung veredelt.

Geschäftsführer Christian Falk führte Seehofer auch in das zweite, erst 2011 errichtete Produktionsgebäude. Falk erklärte mit sichtlichem Stolz die verschiedenen Anlagen und Fertigungstechniken. Immer wieder betonte er die Bedeutung der Belegschaft Die Begegnung mit den Mitarbeitern im Werk schien auch Seehofer wichtig. Immer wieder nutzte er die Gelegenheit für einen kurzen Plausch, fragte nach Arbeitsbedingungen, Bezahlung und ließ sich technische Details erklären.

Bei einem runden Tisch informierte sich Seehofer bei Falk und Leinburgs Bürgermeister Joachim Lang über die Firma und die Gemeinde Leinburg. Falk verwies auf die Bedeutung des Mittelstandes, dennoch könnte der Dialog mit diesem noch verbessert werden. „Die Politik ist durch die Großkonzerne geprägt.“ Die Diepersdorfer Firma leistet auch zur Energiewende ihren Beitrag, wie der Geschäftsführer berichtete: Bolta ist einer der wenigen Betriebe in Bayern, der sich eine eigene Gas-Pipeline verlegen ließ und so ohne Heizöl auskommt. Durch ein geplantes Blockheizkraftwerk will das Unternehmen noch unabhängiger vom Energiemarkt werden.

„Firmen, die führend sind wie diese, das ist der Erfolg Bayerns“, betonte Seehofer. Er war beeindruckt von der Leistung des global agierenden Mittelständlers und erfreut, dass es auch in der Gemeinde Leinburg keine großen Probleme gibt. Im Bundestag höre er öfter von strukturschwachen, ländlichen Regionen. Diess treffe auf das Nürnberger Land sicher nicht zu.

Weitere Berichte zum Besuch von Horst Seehofer im Hauptteil.

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