Abenteurer Walter Költsch im Interview

Mit Rad und Kanu durch Alaska

Gleichzeitig mit Kanu und Fahrrad in der Wildnis unterwegs zu sein, war für Walter Költsch (in Rot) eine Herausforderung.2011/02/16336_New_1297676763.jpg

LAUF — Der frühere Rückersdorfer Walter Költsch legt einen neuen Reisefilm nach. Die Premiere am 6. März im „KulturRaum“ der Pegnitz-Zeitung ist bereits ausverkauft. Aber am 13., 20. und 27. März um jeweils 18 Uhr besteht noch die Möglichkeit den wie immer live kommentierten Film zu sehen. Mit Mountainbike und Kanu wollte der Abenteurer Alaska komplett durchqueren. Eine logistische Herausforderung in dem einsamen und unwegsamen Land. Das kommt schon im Interview mit dem Egensbacher heraus.

PZ: Herr Költsch, wie um alles in der Welt kommt man auf die Idee, gleichzeitig mit Fahrrad und Kanu Alaska durchqueren zu wollen?

Költsch: Naja, Fahrrad und Kanu gehören seit Jahrzehnten zu meinen Lieblingsfortbewegungsmitteln. Warum also nicht mal versuchen, beide Mittel miteinander zu kombinieren? Zudem ist es ja so, dass seit der Zeit der Pioniere das Kanu das Mittel in der nordischen Wildnis ist. So habe ich schon 1988 mal mit einem Kanu Alaska vollständig durchpaddelt. Es war einfach spannend, auszuprobieren, wie man die Logistik in den Griff bekommt.

PZ: Aber das Gewicht: Wie will man denn zum Beispiel ein Kanu auf einem Fahrrad transportieren?

Költsch: Dafür kommen natürlich nur faltbare Boote in Frage. Wir haben in diesem Fall Faltkanadier gewählt, die im Verhältnis zum Platz, den sie bieten, am wenigsten wiegen. Trotzdem: Konkret ausprobiert hab ich das bislang auch noch nicht. Genauso wenig, Fahrräder in Kanus zu transportieren.

PZ: Ich nehme an, Sie waren nicht alleine unterwegs?

Költsch: Nein, diese Reise wäre allein unmöglich zu bewältigen. Das beginnt bei der Sicherheit, sollte sich jemand verletzen. Denn wir waren ja zum Teil ganz weit weg von jeglicher Zivilisation. Auch praktische Dinge wie das Aufteilen des Gewichts der Boote auf jeweils zwei Mann spielen eine Rolle. Ein weiterer wichtiger Aspekt, gerade wenn man vorhat, einen spannenden Reisefilm zu drehen: Je mehr Leute vor der Kamera agieren, desto besser kann man dem Zuschauer die Reise schildern. Ein letzter Aspekt: Bärenangriffe erfolgen fast ausschließlich auf Einzelpersonen, so gut wie nie auf Gruppen.

PZ: Wer waren ihre Reisebegleiter, haben Sie diese vorher gekannt?

Költsch: Ich würde niemals jemanden auf eine Reise mitnehmen, den ich nicht genau kenne. Wir waren auf dieser Reise zu viert, alle Teilnehmer kannte ich von vorherigen Reisen: Mit Peter Schröder aus Forchheim und Christof Wittmann aus Weißenbach war ich in der Mongolei, mit Horst Scharrer in Tibet.

PZ: Sie hatten vorher Bären erwähnt: Haben Sie welche gesehen?

Költsch: Ja klar. Alaska ist Bärenland. Begegnungen können immer und überall passieren. Oft auch in Situationen, in denen man überhaupt nicht damit rechnet. Christof wäre zum Beispiel um ein Haar von einem Bären über den Haufen gerannt worden, auf einer Fernstraße in voller Fahrt auf dem Rad. Aber um es ganz klar zu sagen: Ein Autounfall in Deutschland ist wesentlich wahrscheinlicher, als in Alaska von einem Bären angegriffen zu werden.

PZ: Haben Sie auch harmlosere Tiere gesehen?

Költsch: Ja, unter anderem Caribous, die amerikanischen Rentiere, und auch Weißkopfseeadler, Biber und Wildgänse.

PZ: So einsam wie das Land ist: Haben Sie überhaupt Menschen getroffen?

Költsch: Die Reise begann ja in Anchorage, von wo wir erstmal 400 Kilometer mit dem Zug gefahren sind. Da stellt sich die Frage gar nicht. Aber auch in den entlegensten Gebieten kommt man alle paar Tage an einem Dorf vorbei. Sorry, in Alaska sagt man dazu Stadt, auch wenn sie nur 80 Einwohner hat. Wenn man durch so eine Stadt schlendert, fällt man natürlich auf. Die Menschen freuen sich, wenn mal ein Fremder vorbei kommt. „Ihr könnt bei mir übernachten“. „Wollt ihr warm duschen?“. „Habt ihr Hunger?“ Wollt ihr telefonieren, ins Internet?“. Kurzum: Wenn man sich in einem einsamen Alaska-Dorf blicken lässt, weiß man vorher nie, wie lange man hängenbleibt.

PZ: Wie sah denn Ihre Reiseroute aus?

Költsch: Wir hatten je zwei Fahrrad-und zwei Kanuabschnitte geplant: Nach der Zugfahrt von Anchorage Richtung Norden durchquerten wir mit den Fahrrädern den berühmten Mount-McKinley-Nationalpark. Von dort radelten wir weiter nach Norden bis kurz vor Fairbanks. Hier quert der Tanana-River die Straße. Wir haben die Boote aufgebaut, die Fahrräder drin verstaut und sind dann den Tanana bis zu seiner Einmündung in den Yukon-River gepaddelt. Weiter auf dem Yukon bis nach Ruby (160 Einwohner). Zunächst mal 600 Paddelkilometer. Hier begann der spannendste Teil der Reise: Wir wollten versuchen, auf einem vor 100 Jahren anlässlich eines Goldrausches angelegten Pfad den zweitgrößten Fluss des Landes zu erreichen, den Kuskokwim. Diesen wollten wir dann bis zu seiner Einmündung in die Beeringsee bei der „Stadt“ Bethel runterpaddeln. Insgesamt waren 1200 Paddel- und 1500 Fahrradkilometer geplant.

PZ: Und hat alles geklappt?

Költsch: Das verrate ich noch nicht.

Weitere Termine: 13. März, 20. März, 27. März jeweils 18 Uhr. Karten gibt es u. a. im Ticketshop der Pegnitz-Zeitung.

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