Kein Fluss und kein Weg

Drei von vier: Die Abenteurer Horst Scharrer, Peter Schröder und Walter Költsch hatten zur Filmpremiere im PZ-Kulturraum als Anschauungsobjekt auch eines ihrer Bikes mitgebracht, mit denen sie in Alaska unterwegs waren2011/03/17739_New_1299516917.jpg

LAUF — Walter Költsch hat ja schon viele Filme gezeigt und Dias vorgeführt. Und doch war der bekannte Abenteurer erst nach der Premiere seines neuen Films „Mit Fahrrad und Kanu durch Alaska“ – wieder im PZ-Kulturraum – beruhigt. Denn auch dieses Mal war das Publikum begeistert. Der Film zeigt die sechseinhalb Wochen dauernde „Reise“ von Walter Költsch und seinen drei Mitstreitern Christof Wittmann, Peter Schröder und Horst Scharrer im letzten Sommer durch Alaskas Wildnis. Mit Fahrrädern und Faltkanus. Weltenbummler Költsch kommentierte natürlich wieder live und gewohnt unterhaltsam.

Die Zuschauer waren zahlreich gekommen, und die meisten wussten schon, was sie erwartet: Die „Neulinge“, die noch keinen Film aus der Reihe „Walters verrückte Reisen“ gesehen haben, waren deutlich in der Unterzahl. Daher war Walter Költsch auch mit seiner Beschwerde an der richtigen Stelle: Er selbst hätte für einen neuen Film ja auch gerne einmal Urlaub auf Mallorca gemacht, aber zu dessen Vorführung wäre wohl niemand gekommen. Also ist das Publikum an dem „Himmelfahrtskommando“ schuld, wie Költsch selbst die Durchquerung Alaskas mit Fahrrad und Kanu nennt.

Diese Schuld nehmen die Költsch-Fans mit Vergnügen auf sich: Sie lassen sich imm PZ-Kulturraum nicht berieseln, sondern durchleben die gesamte Expedition, die im vergangenen Sommer stattfand, hautnah mit. Eine gefährliche Begegnung mit einer wütenden Braunbärin mit Jungen, die wenige Meter neben den zwei Faltkanus am Ufer entlang rennt, lässt einen die ganze Wildnis Alaskas spüren. Und auch tragische Momente wurden von den vieren mit der Kamera eingefangen: Als die Männer in einem kleinen Dorf die Nachricht erhalten, es gebe ab jetzt „kein Bier mehr bis Russland“, erhalten die letzten Dosen einen unschätzbaren Wert.

Die Reise des Quartetts beginnt in Anchorage, einer Stadt an der Südküste Alaskas, von wo es erstmal gemütlich mit dem Zug Richtung Norden zum Denali-Nationalpark geht. Ab jetzt wird das Vorwärtskommen wesentlich härter. Nur noch mit Fahrrad und Faltkanus wollen sich die Männer fortbewegen, wobei natürlich das eine jeweils auf dem anderen transportiert werden muss.

Nach einer Radtour zum höchsten Berg Nordamerikas, dem Mount McKinley, fängt die eigentliche Durchquerung Kanadas an: Mit ihren Kanus paddeln die Abenteurer auf dem Tanana River bis zur „Stadt“ Tanana, die mit 250 Einwohnern die größte im Umkreis von 200 Kilometern ist. Schon das eine Beispiel zeigt die Dimension der Einsamkeit in Alaska, die für die meisten Deutschen wohl ziemlich unvorstellbar ist. Dieses Gefühl transportiert Walter Költsch mit wunderbaren Landschaftsbildern ebenso wie mit viel Humor in seinem Film.

Denn typisch fränkischer Humor geht auch in der alaskanischen Wildnis nicht verloren: Obwohl die Einwohner einen Pfad als „overgrown“ (zugewachsen) bezeichnen, wagen sich die Männer um Walter Költsch auf den Weg. Doch als sie vor dem überwucherten Pfad stehen, merken sie: Dieser Weg ist nicht „overgrown“, sondern „vollkommen zugrown“.

Eben dieser Weg befindet sich auf dem spannendsten Abschnitt der Strecke, einem sogenannten „Summer Trail“. Das ist ein Weg, der im Zuge eines Goldrauschs angelegt wurde und letztmalig in den 50-er Jahren erwähnt wurde. Bis zuletzt bleibt den Abenteurern wie den Zuschauern unklar, ob die vier Männer dem Weg bis zum Schluss folgen können oder den Versuch abbrechen müssen.

Doch nicht nur der Weg macht Probleme: Wie man sich auch als Laie in Sachen „verrückte Reisen“ vorstellen kann, ist die Verpflegung auf so einer Reise keine einfache Sache. Die vier Männer nehmen es jedoch mit Humor, dass sie 40 Kilogramm Essen auf ihren ohnehin schon voll beladenen Fahrrädern unterbringen müssen: „Nach oben ist auf so einem Fahrrad ja immer noch Luft“.

Neben den lustigen gibt es auch berührende Momente: Das Quartett lernt auf seiner Reise einige Einsiedler und „alaskanische Originale“ kennen, die den Vieren – und damit auch dem Filmzuschauer – Einblicke in ihr einsames Leben in der Wildnis geben. Die Gastfreundschaft der Einwohner, die den Reisenden zum Beispiel den Garten des Nachbarn, aber auch das eigene Wohnzimmer zum Übernachten anbieten, ist ebenfalls mehr als beeindruckend.

Als sie schließlich ihren Zielort Bethel an der Westküste erreichen, liegen hinter den Abenteurern über 1 000 Kilometer auf dem Fahrrad und im Kanu, die sie innerhalb von sechseinhalb Wochen zurückgelegt haben. Und hinter dem Zuschauer liegen etwa zweieinhalb Stunden voller beeindruckender Bilder und Geschichten. Zum Abschied verspricht Walter Költsch, der schon zum 22. Mal mit seinen „verrückten Reisen“ im Kulturraum zu Gast war, dass er gerne noch 22 Mal kommen wird.

Diese Ankündigung wird von den Zuschauern begeistert aufgenommen – wobei wohl niemand daran gezweifelt hat, dass das nicht die letzte verrückte Reise Walter Költschs war.

Alisa Müller

N-Land Pegnitz-Zeitung
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