Nach 70 Jahren haben die alten Eisenglocken in St. Egidien ausgedient.

In Beerbach läuten die neuen Glocken

Viel Know-how und Muskelkraft waren nötig, um den Turm der St. Egidienkirche für das neue Geläut zu sanieren. Anschließend wurden die vier neuen Glocken nach oben gewuchtet. Die Schwerste von ihnen wiegt fast 1000 Kilogramm. | Foto: Decombe2021/09/Glocken-Beerbach-Decombe-scaled.jpg

Beerbach – In der St. Egidien Kirche in Beerbach läuten neue Glocken. Am vergangenen Donnerstag fiel ihre erste Bewährungsprobe beim Einläuten zur Zufriedenheit aller Zuhörer aus. Nach der Glockenweihe in der Neunhofer St. Johanniskirche am Pfingstsonntag (Die PZ berichtete) ist nun auch der aufwendige Prozess von Herstellung, Dachstuhlrenovierung, Glockentausch und Probe im St. Egidien abgeschlossen.


Der Einsatz neuer Glocken war bereits seit einiger Zeit bitter nötig. Erst jetzt werden manche Spuren aus dem ersten und zweiten Weltkrieg in den heimischen Kirchen entfernt. Damals wurden Bronzeglocken, Blitzableiter und Dachrinnen von den Kirchen für die Kriegsindustrie beschlagnahmt. Als Ersatz kamen Eisenhartguss-Glocken und Glockenstühle aus Stahl in die Kirchentürme.


Dies mit dem Nachteil, dass das Material nicht alterungsbeständig ist und dass Stahl die Schwingungen ungedämpft auf das Turmgemäuer überträgt. Jetzt klingt in Neunhof und Beerbach wieder die Bronze.


Bronze hält länger als Stahl


Die zwei neuen Bronzeglocken für Neunhof und die drei neuen für Beerbach wurden bereits im Dezember 2020 bei der Traditionsfirma Rincker aus Sinn in Hessen gegossen. Neben Bibelzitaten, Inschriften und Verzierungen tragen alle neuen Glocken den Stempel 1520/1521-2020/2021 500 Jahre Pfarrei Beerbach und Evangelisch-Lutherisch. Die aufwendige Erneuerung ist auf langfristige Haltbarkeit ausgelegt.


Bei der Beerbacher St. Egidien Kirche brachte die zusätzliche Instandsetzung des stellenweise morsch gewordenen Dachstuhls und der nicht mehr normgerechten Dachdeckung des Kirchenturmes einige zeitliche Verzögerungen. Anfang August erfolgte dann der Glockentausch.

Zuerst wurden die Eisenhartguss-Glocken durch ein extra dafür verbreitertes Schallfenster per Autokran hinuntergeholt und die neuen Bronzeglocken, die historische überarbeitete Bronzeglocke aus 1824 sowie Glockenjoche, Klöppel und Werkzeug hochgehievt , um dann im Glockenstuhl eingehängt werden zu können.

Fränkische Filmautoren sahen zu


Die Bauausschussbeauftragten des Kirchenvorstandes Friedrich Arnet und Gerhard Wölfel verfolgten die Aktion zusammen mit Pfarrer Michael Menzinger. Unter den weiteren Interessierten befand sich ein Team von den Fränkischen Filmautoren Lauf, das bereits einen kurzen Film über den Neunhofer Glockentausch fertiggestellt hat.


Von den zwei ausgedienten Eisenhartguss-Glocken wurde die größere als Andenken direkt am Beerbacher Pfarrhof ausgestellt und die kleinere von dem Eckentaler Motorrad Club Flatliners gegen Spende übernommen. Die Club-Mitglieder möchten für die Glocke ein Türmchen auf dem Flachdach ihres Vereinsheimes errichten.


Bereits einen Tag nach dem Glockentausch kamen die Zimmerleute aus dem Erzgebirge angereist und fixierten zuerst schwere Eichenholzschwellen mit Korkplatten unterlegt am Boden der Glockenstube. Darauf konnte dann der komplette doppelstöckige Glockenstuhl eingebaut werden.


Alle weiteren Arbeitsschritte geschahen zügig mit viel Know-how und Muskelkraft auf engstem Raum. Die Zimmerleute installierten neue Schallläden mit stabilen Holzlamellen als Schutz gegen Unwetter und zur harmonischen Klangabstrahlung. Innenrahmen mit Stoffbespannung sollen gleichzeitig die Besiedelung des Glockenstuhls etwa durch Tauben vermeiden.


Handwerk nach alter Tradition


Ausschlaggebend bei der Wahl der Firma Müller Glockenstuhlbau aus Thalheim für Neunhof und Beerbach war die Hochwertigkeit der Konstruktion aus wintergeschlagenem, gut getrocknetem Eichenholz ausschließlich mit Zapfenverbindungen und Holznägeln ohne Metalleinsatz. Alles handgefertigt nach alter Tradition vom Baumstamm bis zum letzten Schliff.


Grundfläche und Höhe der Glockenstube sowie Anzahl und Größe der Glocken erfordern jedes Mal eine besondere maßgeschneiderte Konstruktion. Massivholzglockenstühle wirken sich positiv auf das Läuten aus und dämpfen die Schwingungen auf das Turmmauerwerk.


Bisher hingen drei Glocken im metallenen Glockenstuhl von St. Egidien, eine alte, historische aus Bronze und die beiden nach dem zweiten Weltkrieg angeschafften aus Stahlguss. Die 11-Uhr und Totenglocke mit etwa 1060 Kilogramm, die 12-Uhr- und Taufglocke mit rund 600 Kilogramm, und die bronzene Abend- und Vaterunserglocke, datiert auf 1824 mit rund 350 Kilogramm. Gerade bei dieser historischen Glocke musste im Rahmen der gesamten Restaurierung das Mittelöhr der Krone geschweißt werden und, da sie dünnwandiger als die neuen Glocken ist, wird sie zwar beibehalten, aber nur schonend läuten, wenn im Gottesdienst das Vaterunser gebetet wird.

Schwerste Glocke wiegt fast eine Tonne


Deshalb und um ein harmonisches Geläut zu gewährleisten, entschied der Kirchenvorstand drei statt zwei neue Glocken gießen zu lassen: die Sonntags- und Totenglocke mit 979 Kilogramm, die Tauf- und Gebetsglocke mit 580 Kilogramm, die Trauglocke, gestiftet von Friedrich Beyer aus Neunhof, mit 480 Kilogramm. Hinzu kommt die historische Glocke auf der oberen Ebene des Glockenstuhls.


Der Glockeneinbau wurde wie schon in Neunhof von der Firma Willing aus Thüringen übernommen. Dabei wurde die historische Glocke um 30 Grad gedreht, damit der Klöppel nicht an denselben Stellen schlägt, wie seit 1824. Anfangs werden die Glocken noch ohne Stunden- und Viertelstundenschlag funktionieren. Die entsprechenden Motoren und Hämmer werden nachträglich eingebaut.


Grund zum Feiern in Beerbach


Pfarrer Menzinger beziffert die Kosten für den Glockenstuhl, die Glocken mit Einbau und der modernen Steuerung auf 106 000 Euro. Hinzu kommen noch weit über 200 000 Euro für die Sanierung des Turmdachstuhls, neue Kupfer Schallfensterbleche und Zugstangen. Diese hohen Ausgaben werden zum Teil durch Zuschüsse von der Stadt Lauf, der Bayerischen Landesstiftung, dem Bayerischen Landesamt für Schule, der Denkmalpflege und durch private Spenden gedeckt.


Die erfolgreiche Fertigstellung der Restaurierung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Diesen Sonntag, 5. September, wird in Beerbach nicht nur das Weihejubiläum der St. Egidienkirche und das Ende der Jubiläen „500 Jahre Pfarrei – 500 Jahre evangelisch-lutherisch“ gefeiert sondern gleichzeitig die Glockenweihe mit einem Festgottesdienst um 9.30 Uhr, gehalten von Dekan Peter Huschke aus Erlangen und Pfarrer Michael Menzinger.

Gottesdienst am Sonntag


Bei schönem Wetter findet der Festgottesdienst im Freien statt. Am Nachmittag um 15 Uhr und 17 Uhr zeigt die Theater-Projekt-Gruppe Großgeschaidt anlässlich des 500. Jubiläums der Pfarrei Beerbach das Theaterstück „Kunz Horn“ nach einer Idee von Ewald Glückert. Der Nürnberger Handelsmann machte mit einem Stiftungsvermögen von 900 Gulden die Gründung der Pfarrei Beerbach möglich.


Eine Anmeldung ist im Pfarramt unter 09126/5410 oder [email protected] erforderlich. Es gibt nur noch freie Plätze für die 17 Uhr Vorstellung. Der Eintritt ist frei.


Zur Pfarrei Beerbach von den Anfängen bis heute liegt eine bebilderte Chronik von Archivar Ewald Glückert vor, erhältlich im Pfarramt und beim Fahner Verlag in Lauf.

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