Fränkische Broudzeid für Leib und Seel‘

Der fränkische Mundartautor Erwin Barth gastierte im PZ-Kulturraum in Lauf2009/01/mundart_barth4_01.jpg

Lauf – Der fränkische Mundartautor Erwin Barth las im PZ-Kulturraum aus seinem aktuellen Buch. Bodenständig, deftig und kalorienreich, so beschreiben Gourmetführer das Wesen der fränkischen Küche. Bodenständig, deftig und kalorienreich, so schmeckte auch die „Fränkische Broudzeid“, die der Forther Mundartdichter Erwin Barth am Sonntagnachmittag zur besten Jausenzeit vor ausverkauftem Publikum auf der Bühne des PZ-KulturRaums servierte.

Der bärtige Mann im groß-karierten Hemd, der auf der Bühne mit fränkischer Zurückhaltung sein Publikum anvisiert, gehört zu einer seltenen Spezies. Er ist Lehrer, was an sich noch nichts Besonderes ist. Doch in seiner knapp bemessenen Freizeit, zwischen der Korrektur von Deutschaufsätzen und zähen Konferenzen, kämpft er um das Überleben eines schon oft tot gesagten Objektes: des fränkischen Dialektes. Tröstlich vielleicht, dass sich Erwin Barth dabei in guter Gesellschaft befindet. Fitzgerald Kusz und Helmut Haberkamm, die weithin bekannten Gralshüter der fränkischen Mundart zeigen seit Jahren, dass der Kampf sich lohnt und der fränkische Dialekt nicht nur lebt, sondern gnadenlos greift, vor allem da, wo er außer Konkurrenz ist, im Alltag.

Ein Fakt, den sich auch Erwin Barth zu Eigen macht. Der gebürtige Veldener, der seit mehr als zehn Jahren in Forth lebt und mittlerweile sein drittes Buch mit Mundartgedichten und Geschichten herausgebracht hat, entpuppt sich an diesem Nachmittag als spitzbübischer Beobachter, der mit trockenem Humor und einer guten Prise Respektlosigkeit die Dinge um sich herum aufspießt wie ein saftiges Stück Schäufele. Ob Politikverdrossenheit, PISA-Studie, deutsche Tugenden oder Familienleben, im echten Bengerz-Fränkisch, das Erwin Barth schon mit der Muttermilch verabreicht bekam, entwickelt sich so manche aktuelle Schieflage zu einem echten Bergrutsch, bei dem die Pointe am Schluss nachwirkt wie ein selbst gebrannter Schnaps – reinigend und wohlig wärmend im Bauch.

Richtig gut aber ist der Forther, wenn er staccatoartig Schulalltagsleben und Kindheitserinnerungen skizziert, Lebensweisheiten und Einsichten in freche Aphorismen verpackt oder seinem nicht verleugbaren Hang zum Makaberen freien Lauf lässt wie in „Weihnachdn 1946“, als die Familie aus Versehen Onkel Schorschs Asche verspeist. Da gibt es Szenenapplaus vom Publikum, das ist originell, deftig und hat jede Menge Kalorien.

Eine fränkische Broudzeid wie man sie sich wünscht und wie sie nach eineinhalb Stunden, die wie im Flug vergangen sind, schon aus dem Foyer in den PZ-Kulturraum herüber duftet. Zum Abschluss noch ein kurzes Gitarrensolo von Tochter Susanne, die den dichtenden Vater an diesem Nachmittag unterstützt und dann heißt es, „Das Brotzeit-Buffet ist eröffnet“.

Bei Stadtwurst mit Musik, Laffer Bimbala und Pressack ist es dann wieder da, dieses wohlige Bauchgefühl und warum das so ist, beschreibt Erwin Barth in seiner Fränkischen Essenshymne: „Wenner woss wolld vom Leem, ihr Leid, nou kochder goud und essd rechd gscheid. Di Schbrouch iss grood wäi unser Essn: Erschd mauld mer rumm, nou iss zum Fressn“.

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