Mieten steigen stark

Kleine Wohnungen immer teurer

Diese Gebäude in der Laufer Bertleinstraße waren einst soziale Wohnbauprojekte, inzwischen gehören sie längst zum normalen Wohnungsmarkt. Sozialwohnungen gibt es im Kreis kaum, doch sie werden dringend benötigt. | Foto: Fischer2016/04/sozialwohnung-fruher-bertleinstrasse-lauf-link.jpg

NÜRNBERG – Nicht nur für Eigenheimbesitzer ist das Nürnberger Land ein immer teureres Pflaster (die Pegnitz-Zeitung berichtete). Auch die Mieten fallen immer höher aus. Besonders ungerecht: Je kleiner die Wohnung, umso stärker ist derzeit der Preisanstieg pro Quadratmeter. Weil es zugleich immer weniger Sozialwohnungen gibt, wird die Luft vor allem für Ärmere dünner.

Dem vom Landratsamt veröffentlichten Sozialbericht zufolge verlangten die Vermieter im Landkreis für Wohnungen unter 40 Quadratmetern im Frühjahr 2020 im Durchschnitt eine Kaltmiete von 12,35 Euro pro Quadratmeter. Wer auf 80 bis 120 Quadratmetern lebt, musste hingegen nur 8,55 Euro bezahlen. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2018 lagen diese Preise bei 10,41 beziehungsweise 7,96 Euro. Klares Fazit: „Größere Wohnungen sind im Vergleich günstiger zu mieten.“

Zu dieser Diagnose passt auch eine Mietpreis-Analyse des Prestel-Instituts. Selbst die Kaltmiete für Wohnungen mit einfachem Standard ist demnach im Nürnberger Land zwischen Januar 2015 und April 2021 um 19,3 Prozent angestiegen. Für die Untersuchung wurden die Wohnkosten ausgewertet, die der Staat übernimmt, wenn Familien auf Hartz IV angewiesen sind.

Hilft mehr Bauen?

„Für die Mieten im Landkreis Nürnberger Land gibt es seit Jahren nur eine Richtung – nämlich immer nach oben“, sagt Iris Santoro, die Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft IG Bau. Um diese Preisentwicklung in den Griff zu bekommen, gebe es nur ein Rezept, so der IG-Bau-Bundesvorsitzende Robert Feiger: mehr bauen, vor allem bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen.

Doch gerade hier ist der Landkreis ein Negativbeispiel. „Die Zahl der Sozialwohnungen sinkt seit Jahren sukzessive“, stellt das Landratsamt in seinem Sozialbericht fest.Gab es vor sechs Jahren 679 Wohnungen, die staatlich gefördert und dafür unter dem Marktpreis vermietet wurden, so waren es 2019 noch 624.

Weil die Preise bei Sozialwohnungen nur befristet gebunden sind, wird sich deren Zahl bis 2034 auf voraussichtlich gerade einmal 207 reduzieren. Alleine Röthenbach, das mit seiner kommunalen Wohnungsbaugesellschaft ein Alleinstellungsmerkmal hat, wird 173 davon stellen. Das sind knapp 84 Prozent. Im Landkreissüden blieben, wenn es so kommt, nur vier Sozialwohnungen, alle in Altdorf.

Höchste Zeit also zum Gegensteuern. Oder etwa doch nicht? Sozialverbände wie die Caritas weisen zwar ständig auf den Mangel an günstigem Wohnraum hin, doch dem Landkreis und den Kommunen liegen kaum belastbare Zahlen vor: „Da der Bedarf an Sozialwohnungen nicht erfasst wird, können leider keine Aussagen darüber getroffen werden, ob Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind. Eine kontinuierliche Erfassung des Bedarfs an preisgünstigem Wohnraum wäre – nicht zuletzt für planerische Aufgaben – äußerst wünschenswert“, heißt es dazu wörtlich im Sozialbericht.

„Wohnen fängt beim Wählen an“

Vor diesem Hintergrund rät die IG Bau den Wählern, das Thema Wohnungsbau bei der Abstimmung über den neuen Bundestag am Sonntag, 26. September, zu berücksichtigen. „Das Wohnen fängt beim Wählen an“, so Feiger, der Bundesvorsitzende. Einige Parteien hätten bereits Zielmarken für den Neubau von Wohnungen formuliert. Andere blieben hingegen vage und vermieden konkrete Zahlen.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren