Einzelhändler sind genervt

Kassenzettel-Zwang kommt nicht gut an

Selbst für eine einzige Leberkässemmel muss Claudia Weber (links) in der gleichnamigen Laufer Metzgerei ihren Kunden seit 1. Januar jedes Mal einen Kassenbon anbieten. | Foto: Haase2020/01/MetzgerWeberKassenbon-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND — Seit Jahresbeginn schreibt ein neues Gesetz vor, dass Händler Rechnungen immer ausdrucken müssen. Das sorgt bei Einzelhändlern für Unmut.

Ein Kassenbon für eine Leberkässemmel, die Rechnung für eine Postkarte aus dem Schreibwarenladen und ein Beleg für einen einzelnen Apfel. Muss das wirklich sein? Ja, denn mit dem neuen Kassengesetz, das seit 1. Januar bundesweit gilt, geht auch eine sogenannte Belegausgabepflicht einher. Alle Verkäufer müssen nun einen Kassenbon ausdrucken und dem Kunden anbieten.

Jürgen Oriold, Vorsitzender der Laufer Werbegemeinschaft und Inhaber eines Fotofachgeschäfts in Lauf, steht der Umstellung kritisch gegenüber. „Ich habe mir ausgerechnet, dass ich im Jahr rund 2,5 Kilometer an Kassenzetteln mehr ausdrucken muss als bisher“, sagt Oriold.

Eigentlich soll mit der Kassensicherungsverordnung, die der Bundestag bereits 2016 erlassen hat, Steuerbetrug vorgebeugt werden. Durch Kassenmanipulation verliert der Staat jährlich hohe Summen.

Umstieg auf fälschungssichere Kassen

Händler mit elektronischem Kassensystem müssen nun auf eine „fälschungssichere Registrierkasse“ umsteigen. Der Kassenbon dient dabei nur als zusätzlicher Beleg dafür, dass der Verkäufer den Einkauf auch wirklich eingebucht hat. Jürgen Oriold glaubt jedoch nicht daran, dass diese „Bürokratiemaßnahme“ Steuerbetrug vorbeugt: „Unehrliche Händler könnten zum Beispiel nach wie vor manipulieren, indem sie einfach gar nichts in die Kasse eingeben“, sagt er.

In seinem Fotofachgeschäft hat Oriold zusätzliche Mülleimer aufgestellt. Denn rund 95 Prozent seiner Kunden wollten die Belege gar nicht erst haben.

Und das müssen sie auch nicht. Käufer sind in Deutschland nicht gesetzlich verpflichtet, einen Kassenzettel anzunehmen oder aufzubewahren, anders als etwa in Italien.

Da viele Kassenzettel auf Thermopapier, einem mit Plastik überzogenem Papier, gedruckt werden, können sie auch nicht wiederverwertet werden und gehören daher in den Restmüll. Umweltfreundlich ist die Gesetzesänderung also nicht. Die Händler stören sich zudem an den finanziellen Folgen. „Viele Kassen mussten nachgerüstet werden. Das ist mit hohen Kosten verbunden und geht zulasten des Einzelhandels“, sagt Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbandes Bayern.

Für diese Umrüstung hatten die Händler rund drei Jahre lang Zeit. Jedoch war vielen lange unklar, welchen Anforderungen eine Kasse entsprechen muss, die als „nicht manipulierbar“ gilt.

Das Ausdrucken der Bons bereitet der Laufer Metzgerei Weber keine Probleme. „Wir müssen ja alles abwiegen und uns den Preis anzeigen lassen. Da ist dann automatisch ein Bon mit dabei“, sagt Claudia Weber, die Frau des Metzgermeisters.

Umrüsten kostet tausende Euro

Obwohl die Webers schon über ein modernes Kassensystem verfügten, mussten sie ihre drei Kassenwaagen in Lauf für jeweils 1500 Euro umrüsten lassen und für die Filiale in Reichenschwand drei neue Waagen für insgesamt 24 000 Euro anschaffen. Metzger Manfred Weber versteht nicht, „warum man Einzelhändler so piesackt“.

Seine Frau rechnet vor: „Wenn wir diese Kosten auf unsere Kunden umlegen würden, dann müsste eine Leberkässemmel zehn Euro kosten.“ Auch die Kunden zeigen wenig Verständnis für das neue Gesetz der Bundesregierung. „Einfach ein Quatsch“, hört man eine Frau beim Metzger murmeln.

Werner Geng, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei und Konditorei in Röthenbach, hat 3500 Euro in ein neues Kassensystems mit USB-Stick investiert. Den kann das Finanzamt direkt auslesen. Alle Bons werden digital gespeichert, daher versteht Geng nicht, warum er die Zettelchen zusätzlich ausdrucken muss: „Die Rollen für die Bons kosten ja auch Geld. Ich werde jetzt das Zigfache brauchen.“

Mechanische Kassen weiter erlaubt

So lästig das neue Gesetz für viele Händler ist, betrifft es doch nicht alle. Verkäufer wie Rainer Filler, die noch mit einer mechanischen Kasse arbeiten und teilweise nicht mal einen Bon-Drucker besitzen, sind von der Regelung ausgenommen.

In seinem Fotostudio in Eschenau bedient Filler rund 15 Kunden pro Tag und ist froh, dass er sein Kassensystem nicht umrüsten muss: „Gerade für so kleine Geschäfte sind fünf- oder sechstausend Euro für eine neue Kasse eine große Investition“. 

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