Gewerbegebiet soll nun doch kommen

Hitzige Diskussionen um Hormersdorf

Unternehmer Bernhard Golsner (auf der Treppe) wurde nach der Marktgemeinderatssitzung am Donnerstagabend von empörten Hormersdorfern zur Rede gestellt. Er steht hinter dem geplanten Gewerbegebiet. | Foto: Kirchmayer2021/03/schnaittach-hormersdorf-investor-diskussion.jpg

Schnaittach – Für den Bauunternehmer war es ein Spießrutenlauf, als er nach der Sitzung des Schnaittacher Marktgemeinderats am Donnerstagabend zu seinem Auto wollte. Rund 15 Hormersdorfer, die zuvor als Gäste in der Sitzung saßen, machten Bernhard Golsner lautstark klar, was sie von den aufgewärmten Plänen für ein Gewerbegebiet vor ihrer Haustüre halten: gar nichts.


Für viele überraschend war das Thema auf der Tagesordnung der Sitzung des Marktgemeinderats aufgetaucht – auch für mehrere Fraktionen, die offenbar erst durch die Einladung zur Sitzung davon erfahren hatten. Dabei führte Bürgermeister Frank Pitterlein aus, dass er schon seit Monaten wieder in Kontakt mit dem möglichen Investor ist, dass im Rathaus längst wieder die Pläne von 2019 aus der Schublade geholt wurden. Dabei hatte Pitterlein das Thema seinerzeit als beendet erklärt. Nun wurde der Beschluss gefasst, dass die Verwaltung das Projekt vorantreiben soll.


Eine Tankstelle wäre gesetzt


Inhaltlich hat sich an den Plänen wenig bis gar nichts verändert. Rund sechs Hektar Grünfläche müssten an der Ausfahrt der A9 bei Hormersdorf zubetoniert werden, ein Teil davon müsste zuvor aus dem Landschaftsschutzgebiet entnommen werden. Ausgleichsflächen würden nebenan geschaffen, so der Bürgermeister. Unter anderem soll eine Tankstelle entstehen, die für den Investor unverzichtbar ist, weil sie gesichert Profit abwerfen soll.


Vor zwei Jahren entwickelte sich der Widerstand gegen das Projekt zunächst eher langsam. Pitterlein warb vor Ort in Hormersdorf dafür, ein erster Beschluss im Bauausschuss wurde mit sieben zu zwei Stimmen gefällt. Dann folgte im Ortsteil eine Demonstration gegen die Pläne, es gab eine Petition mit 1517 Unterschriften und die SPD-Fraktion, die zunächst unentschlossen wirkte, stellte sich dagegen.


In der entscheidenden Sitzung war allerdings FW-Rat Werner Raum das Zünglein an der Waage. Er senkte den Daumen, dabei hätten Bürgermeister Pitterlein und die CSU-Fraktion nur eine einzige Stimme aus den anderen Parteien gebraucht.

Gewerbesteuereinnahmen sollen steigen


In Pitterleins zweiter Amtszeit hält die CSU nach wie vor neun Sitze und erreicht mit der Stimme des Bürgermeisters knapp keine Mehrheit im Rat, doch die Freien Wähler haben zwei Sitze gewonnen. Eine Stimme aus der Fraktion, die mit Raum den 3. Bürgermeister stellt, würde genügen.
Dass es für den Rathauschef kein Kinderspiel wird, das Gewerbegebiet im zweiten Versuch durchzubringen, zeichnete sich diesmal schnell ab. Ausführlich ließ Pitterlein die Vorkommnisse vor zwei Jahren Revue passieren und betonte erneut, wie wichtig für den Markt zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen wären.


Ein weiteres Gewerbegebiet sei zudem nötig, weil die Kirschenleite komplett voll ist und man nicht möchte, dass Schnaittacher Firmen, die sich vergrößern wollen, aus dem Markt abwandern. Zudem habe mittlerweile das zuständige Wasserwirtschaftsamt grünes Licht gegeben, 2019 stand diese Bewertung der Fläche noch aus.


CSU-Fraktionssprecher Johannes Merkel sprang Pitterlein bei. Der Markt stehe in der Verantwortung, Einnahmen zu akquirieren. „Wir sind jetzt zwei Jahre weiter und der Bedarf ist immer noch da.“

Fehlende Transparenz?


Erwartungsgemäß war Andrea Nüsslein anderer Meinung. Die Hormersdorferin, die 2019 als Ortssprecherin an der Spitze der Proteste gegen die Pläne stand, sitzt mittlerweile für die Bunte Liste im Rat. „Wie Phönix aus der Asche“ sei das Thema wieder aufgetaucht, dabei hörten sich Pitterleins Ausführungen für sie nach „ziemlich viel Aktivität im Hintergrund“ an. „Mir fehlt die Transparenz“, so Nüsslein, die viele Kritikpunkte gerade in Sachen Umweltschutz von 2019 wiederholte.


Zudem sei nicht klar, welche Einnahmen der Markt durch das Gewerbegebiet erwarten kann. Pitterlein zeigte an einer Diskussion wenig Interesse, die Redner sollten sich angesichts der Pandemie kurz halten. Nüsslein aber hatte noch nicht genug und wurde vom sichtlich gereizten Rathauschef unterbrochen.


Grüne fürchten Spaltung Schnaittachs


Die Grünen lehnen die Pläne „vehement ab“, wie Paul Raab betonte. Er sprach von Flächenfraß und Naturzerstörung zugunsten der wirtschaftlichen Interessen eines Investors. Die Pläne würden die Spaltung der Marktgemeinde riskieren. Raab hatte bereits zu Beginn der Sitzung erfolglos versucht, das Thema von der Tagesordnung streichen zu lassen.


Seine Parteikollegin Elke Schröder sagte, sie sei „grantig und enttäuscht“, dass Pitterlein und die CSU-Fraktion seit Oktober 2020 das Projekt im Hintergrund vorantrieben. Von den Zuschauern, die größtenteils aus Hormersdorf stammten, gab es dafür Applaus. Eine Klausur könne er pandemiebedingt aktuell nicht durchführen, verteidigte sich der Bürgermeister.


Auch Maximilian Nuß äußerte sich kritisch, der FW-Rat stellte die von Pitterlein beworbene Wasserstoff-Tankstelle infrage. Mittlerweile würden sich große Unternehmen wieder von dem Kraftstoff distanzieren.

SPD ist sich uneins


Karlheinz Lang von der SPD kritisierte, man gebe einen Teil der Landschaft her für zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen, die seiner Meinung nach eher gering wären. Er warb dafür, das Thema zunächst in den Fraktionen behandeln zu lassen. Ein derartiger Antrag war aber zu Beginn der Sitzung abgelehnt worden. Eine Mehrheit wolle eine Beschlussfassung, so Pitterlein. „Details“ sollten dann in den Fachausschüssen behandelt werden.


Altbürgermeister Georg Brandmüller (SPD) warb für das Projekt. Das Gewerbegebiet an der Kirschenleite bezeichnete er als Erfolgsmodell, das 500 Arbeitsplätze gebracht habe. „Warum soll es uns nicht gelingen, in Hormersdorf ein ähnliches Gewerbegebiet umzusetzen?“, so Brandmüller.


Letztlich setzten sich die Befürworter mit 13 zu 7 durch, neben der CSU stimmten auch Horst Britting und Werner Raum (FW) sowie Georg Brandmüller dafür. SPD-Sprecher Ulrich Weber fehlte krankheitsbedingt. Im Sommer sollen sich die Bürger mittels Öffentlichkeitsbeteiligung einbringen können. Bürgermeister Pitterlein warb dafür, den „bestmöglichen Kompromiss auszuarbeiten“.


Die erste Reaktion der Hormersdorfer zeigt, dass aus ihrer Sicht das letzte Wort noch längst nicht gesprochen ist.

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