Besondere Wanderung

Von Buchenwald über Hersbruck bis Bologna

Diana Pacelli machte auf ihrer Reise Station in Kirchensittenbach, hier mit Pfarrer Ekkehard Aupperle. | Foto: privat2021/05/redwebZwischenstation-in-Kirchensittenba.jpg

KIRCHENSITTENBACH/HERSBRUCK – Diana Pacelli ist zu Fuß vom ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald unterwegs nach Fossoli bei Bologna in Oberitalien. In Kirchensittenbach und Hersbruck legte die junge Doktorandin eine Zwischenstation ein. Pacelli geht eine Strecke zu Fuß, die italienische Juden 1943 in die andere Richtung zurücklegen mussten – auf ihrem Transport ins Vernichtungslager Buchenwald bei Weimar.

Pacelli befasst sich in ihrer Doktorarbeit an der Goethe-Universität Weimar genau mit dieser Deportation und den geschichtlichen Hintergründen. Dabei wollte die Doktorandin diese Strecke sprichwörtlich „unter die Füße nehmen“, um sie auch emotional aufnehmen zu können.

Am 2. Mai ist sie in Buchenwald gestartet, am 11. Juni möchte sie ihr Ziel erreicht haben – Luftlinie eine Entfernung von rund 730 Kilometer, wobei die Laufstrecken um etliches länger sein dürften.

Zelt im Gepäck

Auf ihrer Reise hat Pacelli 14 Kilo Gepäck auf dem Rücken – sie hat sicherheitshalber ein Zelt dabei, falls ihr an einem Ort mal kein Quartier zur Verfügung gestellt wird. Im Kirchensittenbacher Pfarrhaus aber war sie willkommen. Obwohl sie am Morgen in Gößweinstein aufgebrochen war, fühlte sich noch frisch genug, um mit den Söhnen der Pfarrfamilie den Ausblick vom Wachfels zu genießen. Bei Gesprächen am Lagerfeuer klang der Abend schließlich aus.

Von Kirchensittenbach ging Pacelli nur eine kurze Etappe bis nach Hersbruck, um sich dort einen Tag zum Ausruhen zu gönnen und Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg zu treffen. Auch er hieß die junge Künstlerin herzlich willkommen.

Suche nach Identität

Weil Pacelli schon um die Mittagszeit in der Stadt angekommen war, hatte sie noch genügend Elan, sich mit Christl Schäfer-Geiger auf einen Rundgang durch die Stadt zu machen und das ehemalige KZ-Gelände am Hersbrucker Finanzamt und die Dokumentationsstätte zu besuchen. Überwältigt von dem Gefühl, dass hier viele tausend Häftlinge einst furchtbar gelitten haben, ließ sich Pacelli Zeit für diesen emotionalen Moment. In einer regen Unterhaltung lernten die beiden Frauen viel über die Geschichte Italiens und Deutschlands und wie heute damit umgegangen wird. Pacelli trug bei ihrer Ankunft eine Maske auf ihrem Hinterkopf, die sie auf ihrem Weg nach Italien begleitet. Eine, nach ihrer Aussage „intuitive Performance“.

Ihr gehe es bei diesem Marsch um die nationale Identität Italiens, das nach dem Krieg gespalten war: auf der einen Seite die Faschisten, auf der anderen die Partisanen. Die Politik habe versucht eine neue Einheit zu bilden, darüber aber vieles aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges vergessen. Mit der Maske möchte Pacelli etwas mitbringen nach Fossoli, etwas symbolisch von Buchenwald zurücktragen nach Italien, nämlich einen Teil der Identität des Landes.

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