„Soziales Radhaus“ eröffnet in Altensittenbach

Die ersten Räder haben Melanie Ketterer und Ulrich Münster schon im neuen „sozialen Radhaus“ in Altensittenbach aufgestellt. | Foto: A. Pitsch2020/07/IMG-7866.jpg

ALTENSITTENBACH – „Wir sind halt kein Unternehmen, sondern die Diakonie“, umschreibt Melanie Ketterer die schwierige Suche nach neuen Räumlichkeiten für das „soziale Radhaus“. Das eröffnet am Freitag neu – und zwar in Altensittenbach.

Doch bis sich der Laden aufgetan hat, vergingen Monate, erinnert sich die Sozialarbeiterin des Diakonischen Werks Altdorf-Hersbruck-Neumarkt. Obwohl es viel Leerstand in Hersbruck gebe, sagt sie: „Vieles konnten wir uns einfach nicht leisten.“

Glücklicherweise hatten Diakonie und Ehrenamtliche genug Zeit zum Suchen. „Die Sparkasse hatte uns frühzeitig und klar kommuniziert, dass wir im Zuge des Umbaus zum Hotel ausziehen müssen“, berichtet Ketterer. Sie und ihr Team seien dankbar für die kostenlose Nutzung der Räume in der Poststraße: „Das war ein super Start für unser Projekt.“ Denn dort seien viel Laufkundschaft und „die ganze Stadtbevölkerung“ vorbeigekommen.

Nur ein Obolus

Und all diese boten laut Björn Bracher, Bereichsleiter Soziale Dienste, auch ihre Hilfe an – ob Scheune oder Werkstatt zum Unterstellen der Räder oder Tipps, wen man ansprechen könnte: „Der Zuspruch hat echt gut getan.“ Übers Netzwerken tat sich dann die Immobilie in der Nürnberger Straße 122 auf – dem früheren Sittenbacher Laden der Familie Schnött.

„Wir haben den Vermieter eingeladen und unser Projekt erklärt und er fand es toll“, erzählt Bracher. Doch noch waren die Betreiber nicht ganz überzeugt – vom Standort weit außerhalb der Innenstadt. Andererseits gebe es eine Bushaltestelle, freitags den Flammkuchenwagen, bald die Löffler-Firmenzentrale und zig Autos und Radler würden zwei Mal am Tag vorbeifahren, zählt Ketterer auf: „Da ist also schon was los. Wir probieren es“, lautete das Fazit.

Also ging es zwei Wochen vor Pfingsten mit den Renovierungsarbeiten im rund ein Jahrzehnt leer stehenden Laden los. Werkstattleiter Ulrich Münster, Ehrenamtliche sowie Handwerker werkelten fleißig, loben Ketterer und Bracher. „Maler Thomas Scharrer, Sanitär Ottmann und Elektro Ludwig haben wenig bis gar kein Geld verlangt.“

Auch wenn es im Zuge der Corona-Lockerungen möglich gewesen wäre, „wir hatten in der Poststraße zu wegen den umfassenden Arbeiten hier“. Dennoch fehlte den Ehrenamtlichen und vor allem den Kunden in der Corona-Zeit der Betrieb im „sozialen Radhaus“, weiß Münster.

Bedarf war spürbar

„Die Schließung hat uns sehr getroffen und wir haben den Bedarf echt gemerkt.“ Wo sonst Laufkunden, Pendler oder die Oma vom Wochenmarkt mal rasch kleine Reparaturen machen ließen, blieben die Türen zu. Dafür klingelte Münsters Telefon regelmäßig, sagt er: „Viele Leute wissen gar nicht, wie sie ein kaputtes Rad in die Werkstatt bekommen.“ Daher machte er teilweise Hausbesuche.

Mit denen ist es ab diesem Freitag vorbei: Das Radhaus öffnet ab sofort freitags von 12 bis 16 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung, erläutert Ketterer: „Wir würden die Öffnungszeiten gerne noch ausbauen, aber erstmal müssen wir schauen, dass wir die aktuellen mit unseren Ehrenamtlichen abdecken können.“ Ein paar Mitarbeiter würden dem Projekt noch gut tun, meint Ketterer: „Das müssen auch keine Schrauber sein“, betont sie.

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Sondern gerne einfach Menschen mit Ideen, ergänzt Bracher. Denn die beiden wünschen sich, den Laden auch an weiteren Tagen zu beleben und durch verschiedene Dinge wie E-Lastenrad oder Upcycling attraktiv zu gestalten.

Miete aus Spenden?

Und auch konzeptionell sei bei der Wiedereröffnung noch nicht alles ausgereift, geben die beiden zu. Das Problem: „Wir müssen hier jetzt Miete zahlen, das macht es für uns schwieriger, weil wir ja eigentlich auf Spendenbasis arbeiten“, führt Ketterer aus. Er und Ketterer müssten also überlegen, wie das Radhaus nun Einnahmen generieren könnte.

Eine weitere Idee geistert ihnen auch schon im Kopf herum. Der Vermieter habe laut Bracher vor, das ganze Haus herzurichten – auch die Wohnung über dem Laden. „Die könnten wir für unsere Klienten anmieten oder an sie vermitteln.“ Das ginge sozialverträglich und böte dem Eigentümer Sicherheit. So wie das „soziale Radhaus“, das sich langfristig in Altensittenbachs Ortskern etablieren möchte.

Wer im „sozialen Radhaus“mitarbeiten möchte, wendet sich an die Kirchliche Soziale Arbeit Hersbruck der Diakonie Altdorf-Neumarkt-Hersbruck unter [email protected], Tel. 09151/837735 oder kommt einfach direkt vorbei.

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