Verkehrserzieher ermutigt zu mehr Selbstständigkeit

Schulweg ohne Fahrdienst

Der Hit für Hersbrucker Grundschüler: mit dem Roller zur Schule. | Foto: T. Gawor2016/10/7459488.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Damit ihre Kinder sicher zur Schule kommen, sucht eine Initiative von Hersbrucker Eltern, die auf der Ostbahn wohnen, nach Schulweghelfern Anlass für die HZ, nachzufragen, wie viele Schüler der Grete-Schickedanz-Grundschule denn zu Fuß, mit dem Roller oder dem Rad zum Unterricht kommen und warum andere mit dem Auto gebracht werden.

Die Stichprobe zeigt: An einem ganz normalen Schultag wurden in einer Hersbrucker Klasse mit Erstklässern fünf von ihren Eltern zur Schule gebracht. Drei kamen mit dem Bus, 16 zu Fuß. In einer vierten Klasse kamen zehn Kinder mit dem Roller und acht zu Fuß, nur zwei wurden gefahren. Ein ähnliches Bild auch in Altensittenbach: Von den 25 Schülern einer zweiten Klasse wurden sieben gefahren, die anderen kamen zu Fuß, mit dem Roller oder dem Rad. Fazit: Die Mehrzahl der Grete-Schickedanz-Grundschüler kommt ohne die Fahrdienste von Mama und Papa zur Schule.

Das ist auch gut so, meint Helmut Hartmann, Verkehrserzieher der Polizeiinspektion Hersbruck. „Zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen hat nur Vorteile“, sagt er. Die Bewegung fördere die Koordination, die Lernfähigkeit, aber auch soziale Kontakte – denn häufig macht sich ein Kind gemeinsam mit anderen auf den Weg. Angenehmer Nebeneffekt: Je mehr Kinder selbstständig zum Unterricht kommen, desto weniger Autos fahren vor der Schule vor.

Verkehrschaos gebe es vor dem Hersbrucker Schulhaus aber nicht, meint die Rektorin der Grete-Schickedanz-Grundschule, Ruth Schneider. Das liegt zum einen daran, dass die meisten Eltern den Rat der Schule befolgen, ihre Kinder auf dem Plärrer und nicht direkt vor dem Schulgebäude aussteigen zu lassen, zum anderen an der im Verhältnis zur Anzahl der Schüler geringen Zahl von Eltern, die ihre Kinder fahren.

Auto ist praktisch

Wenn Eltern ihre Kinder zum Unterricht fahren, dann häufig, weil die Schule für sie auf dem Weg zur Arbeit liegt, weiß Schneider. Sie sieht aber auch, dass „sich die Lebenswirklichkeit verändert hat“. Einige Eltern hätten Angst, dass ihrem Kind auf dem Schulweg etwas passiert. So gesteht eine Mutter: „Wenn ich sehe, wie mein Kleiner über die Straße geht, mache ich mir schon Sorgen.“ Dabei ist Schneiders Erfahrung, dass Kinder ihren Schulweg durchaus selbstständig meistern wollen. Einmal habe sie einen Schüler nach dem Unterricht zum Bus begleitet, wo dann aber bereits dessen Mutter wartete. „Das Kind war richtig traurig, dass es nicht alleine nach Hause fahren durfte“, erzählt Schneider.

Wenig Unfälle

Hartmann bestätigt: „Wir Erwachsene sollten den Kindern das Vertrauen entgegenbringen, ihren Schulweg ohne uns zu schaffen. Sie sind furchtbar stolz, wenn sie das alleine meistern.“ Eltern, die sich Sorgen machen, kann er beruhigen: Gerade einmal zwischen einem und vier kleinen Unfällen gebe es auf dem Schulweg im Einzugsgebiet der Hersbrucker Polizei im ganzen Jahr und in dieser Zahl sind nicht nur die Vorfälle mit Grundschülern, sondern die aller Schüler bis zum Alter von 14 Jahren enthalten. „Meistens kommt es dabei nur zu harmlosen Blessuren“, so Hartmann.

Für Eltern, die ihre frischgebackenen Erstklässer nach und nach darauf vorbereiten wollen, alleine zur Schule zu gehen, hat er einen einfachen Tipp: Sie sollten den Weg einmal gemeinsam ablaufen, aber so, dass Mama oder Papa möglichst nicht eingreifen, damit das Kind das Gefühl bekommt: „Jetzt bin ich verantwortlich“. Damit die Schüler auch sicher über die Happurger Straße kommen, sucht eine Elterninitiative derzeit nach Schulweghelfern. Einige haben sich schon bereit erklärt.

Wer sich anschließen will, kann sich unter der Telefonnummer 09151/3448 bei der Schule melden.

Tabea Gawor

N-Land Hersbrucker Zeitung
Hersbrucker Zeitung