Museumsbesuche wieder möglich

Museen wagen den Neustart

Das Team des Hirtenmuseums hat die Zeit im Lockdown genutzt und unter anderem die Hirtenruf-Station fertiggestellt. | Foto: Ingrid Pflaum2021/05/Hirtenrufe-neu-1-Foto-Ingrid-M.-Pflaum.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Dank einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 dürfen auch die Museen im Nürnberger Land wieder – mit Terminvergabe – öffnen. Die Einrichtungen in der Region nehmen die Möglichkeit nur teilweise wahr.

Jubel ob der niedrigen Inzidenzzahlen ist aus dem Hirtenmuseum Hersbruck zu hören: Ab Freitag, 28. Mai, öffnet es wieder seine Türen. Jeden Freitag, Samstag und Sonntag können Besucher zwischen 10 und 12 Uhr, 12 und 14 Uhr und 14 und 16 Uhr Zeitfenster buchen, teilt Museumsleiterin Ingrid Pflaum in einer Pressemeldung mit. Anmeldung unter Telefon 09151/2161 oder [email protected]bruck.de. Führungen und Kindergeburtstage können noch nicht stattfinden.

Das Hirtenmuseumsteam war aber auch während der Schließung fleißig und brachte die Ausstellungsräume auf Vordermann. Eine Station im Haupthaus im zweiten Obergeschoss ist komplett neu hinzugekommen: der Hirtenruf. Dieser war bis Mitte des 20. Jahrhunderts in fast allen Dörfern des Nürnberger Landes zu hören. Ähnlich der Verschiedenartigkeit unserer Dialekte war auch jeder Hirtenruf unverwechselbar. Jeder Gemeindehirte komponierte seine eigene kleine Melodie, die ihm als weit hörbares Signal und Möglichkeit zur Verständigung diente. Doch mit dem Aussterben des Hirtenberufes um die 1960er Jahre verhallte auch der Klang des Hirtenrufes.

Museumsgäste können nun die vergangene Tradition des Hirtenhornblasens durch diese neue Station wieder erfahren. In Zusammenarbeit mit dem Instrumentenbauer und Musiker Robert Vogel und dank der Unterstützung durch das Förderprogramm „Bildungsregion Nürnberger Land“ und der Sparkasse Nürnberg ist das Museum um einen einzigartigen Mosaikstein der Hirtenkultur reicher geworden. Neben den geblasenen Rufen aus dem Hersbrucker Land und dem gesungenen Ruf aus der Oberpfalz sind mittels historischer Tonbandaufnahmen Hirtenrufe aus Thüringen, dem Siegerland und aus Afrika zu hören.

Wiederentdecktes Kleinod

Mit Zeitfenstern arbeitet auch das Jüdische Museum Franken in Schnaittach: Diese können Besucher jeden Sonntag zwischen 12 und 17 Uhr buchen. Um sich anzumelden, schreibt man bis zum Freitag vorher (15 Uhr) eine Mail an [email protected] Den Auftakt der neuen Ausstellungsreihe „Aus der fränkischen Medine“ bildet „Ein wiederentdecktes Kleinod aus Ottensoos“. Eine der alteingesessenen jüdischen Familien, die Pragers, stifteten 1884 einen Tora-Vorhang für die Synagoge. Die Besucher erfahren Wissenswertes über die Familie, Spannendes über die Geschichte des Rabbinatsbezirks sowie über den Tora-Vorhang aus rot-violettem Samt mit seinen aufwendigen Gold-Verzierungen. Einen weiteren Einblick in das Jüdische Leben bietet die von Monika Berthold-Hilpert kuratierte Wechselausstellung „Die Poesie der heilen Welt. Jüdische Oblaten und Glanzbilder aus vergangenen Zeiten“. Führungen sind aktuell noch nicht möglich, voraussichtlich soll es am 6. Juni eine offene Sonntagsführung im Außenbereich geben.

„Wir haben die letzten Ausstellungen fast ungesehen abbauen müssen“, blickt Uli Olpp, Vorsitzender des Fördervereins Kunstmuseum Hersbruck, zurück. Walter Raums „Wundbilder“ seien nach Hamburg ins Wolfgang Borchert Archiv weitergezogen, wo die Eröffnung ohne Publikum stattfinden musste. Die Ausstellung „Überfluss“ im Hirtenmuseum sei drei Mal verlängert worden, nun aber brauche das Hirtenmuseum den Platz für kommende Ausstellungen. Wegen der Unplanbarkeit habe der Förderverein beschlossen, bis zur Sommerpause keine Ausstellungen mehr im Museum zu veranstalten. „Es hängt ja auch immer ein Rattenschwanz an Organisation mit den ehrenamtlichen Aufsichten daran“, so Olpp.

Erst noch abwarten

Auch in Pommelsbrunn will man noch abwarten. „Unser Richtwert ist der Inzidenzwert 50“, sagt Uli Vogel, Vorsitzender des Heimatmuseums. Solange die Zahlen noch darüber liegen, bleiben die Ausstellungsräume geschlossen. Das Team des Urzeitbahnhofs Hartmannshof wagt dagegen die Öffnung seines Museums: „Wir öffnen nach Terminabsprache und Anmeldung von Dienstag bis Sonntag“, erklärt Werner Sörgel auf Nachfrage. Außer in den regulären Öffnungszeiten von 13.30 bis 17 Uhr können auch vormittags Termine gebucht werden. Die Anmeldung läuft direkt über ihn unter Telefon 09154/4810.

Der Nachbarlandkreis Amberg-Sulzbach erfreut sich schon etwas länger niedriger Inzidenzzahlen. So öffnet ab 1. Juni nun auch das Heimatmuseum Franz Weiß in Kastl wieder seine Türen. Nach telefonischer Anmeldung unter 09625/91173 können Besucher altes, bäuerliches und handwerkliches Kulturgut entdecken. Es sind höchstens fünf Personen erlaubt und wie überall gilt FFP2-Maskenpflicht sowie die Einhaltung der Abstandsregeln. Eine Führung ist nur möglich, solange der Inzidenzwert unter 100 liegt.

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