Kulturausschuss

Hersbruck leistet Beitrag zur Bewerbung Nürnbergs als europäische Kulturhauptstadt

Schon der Dokuort am ehemaligen KZ-Außenlager Hersbruck beim Strudelbad ist Kunst: In der Bewerbung Nürnbergs als Kulturhauptstadt 2025 findet sich ein passendes Projekt zum Thema. | Foto: J. Ruppert2020/10/Heb-KultAus.jpg

HERSBRUCK – Wenn am heutigen Mittwoch die europäische Kulturhauptstadt 2025 gekürt wird, dann heißt es für Nürnberg die Daumen drücken. Denn auch der Landkreis beteiligt sich an der Bewerbung, und zwar mit dem Thema Erinnerungskultur und KZ-Außenlager Hersbruck. „Es ist ein spannendes Projekt, das Geschichte und Kunstszene vereint“, sagte Bürgermeister Robert Ilg im zuständigen Ausschuss des Stadtrates.

Kurz stellte Christl-Schäfer-Geiger von der Stadtverwaltung den Entwurf vor, den sie zusammen mit Klaus Petersen vom Doku-Verein ausgearbeitet hat. Der Titel lautet: Aus Orten des Leidens Orte der Menschenrechte machen. „Klingt hochgesteckt“, sagte die Referentin. Doch neben Hersbruck können sich Happurg (Doggerwerk), Hubmersberg, Schupf (Verbrennungsstätten) und die Gemeinden entlang der Todesmärsche als Partner beteiligen.

Der Bezug zu Nürnberg, das das Umland in seine Kampagne einbezieht, besteht in einer Diskrepanz: dort die Aufmärsche, hier die Vernichtung. Außerdem soll eine Brücke von den damaligen Geschehnissen zu unserer Gesellschaft und unserer gelebten Demokratie geschlagen werden. Schließlich lautet die Leitidee der Frankenmetropole „Past Forward“ (Wortspiel: Die Vergangenheit vor Augen, die Zukunft im Blick, d. Red.).

Visionen für die Zukunft

Die Umsetzung des Vorhabens dürfen Künstler übernehmen, sagte Christl Schäfer-Geiger den Stadträten. Maler, Literaten, Musiker und andere sind eingeladen, sich auf ihre Weise mit den Vorgaben auseinanderzusetzen. Ziel ist es, dass sich in den Werken die Orte und die Geschehnisse widerspiegeln, aber auch, dass Visionen für die Zukunft gezeigt werden.

Das Projekt kann ohne den Zuschlag für Nürnberg als Kulturhauptstadt trotzdem durchgeführt werden, sagte Robert Ilg. Ihm schwebt eine Art Wettbewerb mit Jury und Prämierung vor. Zu den Kosten machte Christl Schäfer-Geiger keine Angaben. Letztlich ist der Landkreis zuständig. Als Größenordnung gab der Rathauschef 50 000 Euro an.

„Das Thema KZ-Außenlager wird uns in Hersbruck immer begleiten, und zudem ist das Nürnberger Bewerbungsmotto Past Forward ideal auf unsere Stadt abgestimmt“, sagte Guido Schmidt und nannte den Entwurf eine „super Geschichte“.

„Gutes Konzept“

Ähnlich anerkennend äußerten sich Ulrike Eyrich und Götz Reichel („gutes Konzept“). Martin Schaffer stimmte ebenfalls voll zu, lobte die inzwischen gewachsene Erinnerungskultur und gab als Impuls, den Weg der Häftlinge vom KZ-Außenlager Hersbruck beim Strudelbad zum einst geplanten Flugzeugmotorenwerk „Dogger“ in der Happurger Houbirg einzubeziehen.


„Wie geht es weiter?“, wollte Norbert Winkler wissen. Die Stadt Nürnberg hat 40 Vorschläge in einem Bewerbungsbuch vereint. Eine Zusammenfassung davon ist im Internet unter https://n2025.eu/ zu finden.

Erst nach der Prämierung der Kulturhauptstadt wird entschieden, was alles in die Umsetzung geht. Bis 2025 sind noch neue Vorschläge möglich. Konkurrenten um den Kulturhauptstadttitel sind Chemnitz, Hannover, Hildesheim und Magdeburg mit ganz unterschiedlichen Ansätzen.

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